Leserbrief: Lohnkonflikt und soziale Gerechtigkeit
INZERSDORF IM KREMSTAL. In einem Leserbrief äußert sich der ehemalige ÖGB Regionalvorsitzende Rudolf Diensthuber aus Inzersdorf im Kremstal zu den Lohnkonflikten in der TCG Unitech. Diensthuber sieht in den aktuellen Entwicklungen den Beginn einer größeren gesellschaftspolitischen Auseinandersetzung.

„Der Lohnkonflikt im Kirchdorfer Traditionsbetrieb – ein Unternehmen, das bisher gewerkschaftliche Abmachungen weitgehendst respektiert hat – ist ganz offensichtlich der Anfang einer weitaus größeren Auseinandersetzung. Die Tragweite der Unternehmensentscheidung ist aus meiner Sicht darauf ausgerichtet, die Kultur der sozialpartnerschaftlichen Lohn- und Gehaltsverhandlungen zu sprengen und ad absurdum zu führen. Das alles läuft wohl auf eine gesellschaftspolitische Auseinandersetzung hinaus – „Kapital gegen arbeitende Menschen und deren Strukturen und Vertretungen“.
Gewerkschaft, Arbeiterkammer und betriebsrätliche Strukturen sollen wohl nach Ansicht so manch führender Wirtschaftszweige an Bedeutung verlieren und im betrieblichen Alltag völlig von der Bildfläche verschwinden! Da braucht man keine gewerkschaftliche Ausbildung, um diesen Hintergrund zu erkennen und nicht wenige Unternehmen, vor allem im Bereich der Industrie, nützen die persönlich finanziell angespannte Situation vieler ihrer Beschäftigten aus, um sie unter dem Druck des Arbeitsplatzverlustes zu Verzichten zu bewegen. Aber, wie die Unternehmen stets treuherzig betonen: immer alles auf „Freiwilliger Basis“. Von wegen!
Interessant war und ist dabei auch, dass Aktionäre und Investoren nie von solchen Maßnahmen betroffen sind, siehe KTM/Pierer. Dass sich diese ach so „freiwilligen Verzichte“ auf Lohn-, Gehalts- und Sozialleistungen für die Beschäftigten langfristig – bis zur Pensionshöhe – negativ auswirken, verschweigen die Unternehmen tunlichst. Vom Verlust der Kaufkraft wollen die Manager natürlich auch nichts hören.
Was mich nach 20 Jahren gewerkschaftlicher Erfahrung als ehemaliger ÖGB-Regionalvorsitzender besonders nachdenklich stimmt, ist die Tatsache, dass Lohn-Gehalts- oder anderweitige Verzichte noch nie ein Unternehmen gerettet haben – im Gegenteil: Solche Aktionen waren stets der Anfang vom Ende.“
von Rudolf Diensthuber, Inzersdorf im Kremstal


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