Warum Bauern im Steyrtal trotz vieler Hürden positiv in die Zukunft blicken
STEYRTAL. „Der aktuelle Schweinepreis ist für uns eine Katastrophe“, sagt der junge Landwirt Julian Raindl (26) aus Waldneukirchen. Dennoch wollen und müssen er und seine Familie eine Million Euro am Erbhof investieren. Für den Grünburger Bauern Karl Hieslmayr gibt es auch trotz Dürre, Hitze und Ernteausfälle nichts zu jammern. „Wir leben gut und zufrieden.“

Mit 21 Jahren musste der gelernte Tischler Karl Hieslmayr plötzlich seinen Beruf aufgeben und den Glaserer-Hof in Grünburg mit 15 Kühen übernehmen, weil sein Vater nach einer Gehirnblutung zum Pflegefall wurde. Heute betreiben er und seine Familie einen Milchviehbetrieb im Vollerwerb mit 65 Milchkühen. Inklusive der weiblichen Nachzucht leben 125 Tiere auf dem Hof.
Der Betrieb in der Ortschaft Wagenhub wurde in den letzten drei Jahrzehnten Schritt für Schritt erweitert. Dabei war es Hieslmayr ganz wichtig, sich nicht zu übernehmen. „Was ich mir nicht leisten kann, kann ich nicht kaufen. So einfach ist das“, sagt der 55-Jährige.
Vier Stunden im Stall
Der Arbeitstag beginnt für ihn und seine Frau Rosa (53) täglich um 6 Uhr früh. Je zwei Stunden am Morgen und am Abend dauert das Melken im Stall. Einen Melkroboter wird man auch in naher Zukunft nicht anschaffen, die nächsten Investitionen stehen am Haus an. Schließlich wächst die Familie, demnächst werden Karl und Rosa erstmals Großeltern.
Die Nachfolge am Hof ist mit Karl junior (24) bereits geregelt, er ist mittlerweile voll am Hof beschäftigt. „Es ist schön, dass er so motiviert ist und es weitergeht“, sagt Rosa Hieslmayr. Auch Karls Geschwister Eva (21) und Michael (18) packen immer wieder am Familienbetrieb mit an.
„Bester Rat ist der Vorrat“
Mit Freude und Schmäh führte Karl Hieslmayr Medienvertreter und Bauernkammer-Funktionäre durch seinen Betrieb, schließlich habe er nichts zu verbergen. Jammereien von Berufskollegen hört er nicht gerne, auch wenn die extreme Hitze des Sommers auch auf seinen Grünflächen zu enormen Futterausfällen geführt hat. „Ich bin sehr teuer, aber gut versichert“, so der 55-Jährige, für den ein alter Spruch nach wie vor sehr treffend ist: „Der beste Rat ist der Vorrat.“
Zucht- und Mastschweine
Beim „Arbeshuber“ in Steinersdorf in der Gemeinde Waldneukirchen verließen vor 50 Jahren die letzten Rinder den Hof. Seitdem konzentriert man sich auf die Schweinehaltung mit 130 Zuchtsauen und 350 Mastschweinen. Zwei Drittel der Ferkelproduktion wird verkauft, ein Drittel bleibt zur Mast am eigenen Hof.
Geschlachtet wird bei einem Betrieb im Nachbarort Adlwang. Die Futtergrundlage wird überwiegend selbst erzeugt. Neben Gerste, Mais und Weizen wird auch Zuckerrübe angebaut. Zugekauft werden nur Soja und Mineralfutter.
Aufhören oder investieren
Weil die Schweinepreise derzeit im Keller sind, kommen viele Betriebe wirtschaftlich unter Druck. „Der aktuelle Schweinepreis ist für uns eine Katastrophe. Die Mäster verdienen nichts“, bestätigt Jungbauer Julian Raindl. Trotzdem wirkt der 26-Jährige motiviert und voller Tatendrang, gemeinsam mit seinen Eltern Karl und Gerlinde will er den Hof positiv in die Zukunft führen.
„Man muss es langfristig sehen und ich glaube, dass man auch in Zukunft damit Geld verdienen kann“, sagt der jüngste von drei Brüdern. In den nächsten Jahren werden die Raindls rund eine Million Euro investieren. Um künftige gesetzliche Vorgaben zu erfüllen, ist man gezwungen, bis Ende 2032 zu modernisieren und zu erweitern. Eine neue, 680 Quadratmeter große Halle ist bereits in Planung.
Zahlen aus den Bezirken
In Kirchdorf liefern 305 Milchviehbetriebe durchschnittlich 185.100 Kilogramm Milch pro Jahr und Betrieb. In Steyr und Steyr-Land sind es 270 Betriebe mit einer durchschnittlichen Jahresanlieferung von rund 180.000 Kilogramm.
Die Schweinehaltung ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor für die gesamte Region. In Steyr und Steyr-Land werden auf 445 Betrieben etwa 67.200 Schweine gehalten, im Bezirk Kirchdorf auf 490 Betrieben rund 146.900 Tiere.








Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.
Jetzt anmelden