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KIRCHHAM. Mit einer aufsehenerregenden Aktion weisen die Gemeinde, Bezirksabfallverband und Straßenmeisterei auf illegal entsorgten Müll entlang der Landesstraße hin. Dieser gefährdet zunehmend Natur und Tiere.

  1 / 3   300 Pfeile weisen bei der südlichen Kirchhamer Ortseinfahrt auf meist direkt aus den Autos hinausgeworfenen Müll hin.

Vom südlichen Ortsende bis zum „Gugelberg“ Richtung Gschwandt setzten Mitglieder des Umweltausschusses und die FF-Jugend 300 Pfeile, wo sie aus Autos geworfene Dosen, Flaschen, Plastikbesteck, Fast Food-Verpackungen, Zigarettenpackungen und sogar Handys entdeckten. „Eigentlich hatten wir zuwenige Pfeile. Wir hätten noch 100 weitere gebraucht“, so Bürgermeister Hans Kronberger. „Wir sammeln auf den 215 Kilometern jener Straßen, für die wir zuständig sind, jährlich rund 30 Tonnen Müll ein. Die Kosten für die Entsorgung betragen 250 Euro pro Tonne“, erläutert Straßenmeister Alois Lüftinger. Seine Mitarbeiter wenden im Jahr rund 1500 Arbeitsstunden auf, um die Straßen von Unrat zu säubern.

Magneten in Tiermägen

Der achtlos aus dem Auto geworfene Mist kann schwerwiegende Folgen für Nutztiere wie Kühe und Schafe haben. Besonders gefährlich sind die Alu-Dosen, die von den Landmaschinen noch zerkleinert werden. Auch wenn die Landwirte extrem aufpassen, wird der Müll oft durch das maschinelle Mähen so zerkleinert, dass mit dem Futter kleine Metall- oder Glassplitter in den Verdauungstrakt der Tiere gelangen und dort zu schweren Verletzungen führen. „Das geht oft bis zum Magendurchbruch. Da bleibt dann oft nur mehr die Notschlachtung“, erläutert Tierarzt Hannes Gattinger, der rund fünf bis zehn derartige Fälle pro Jahr bei seinen Kunden zählt. Mittlerweile werden sogar Magnete in Tiermägen positioniert, um zumindest Metallteile am Weiterwandern in den Darmtrakt zu hindern. „Das nutzt aber bei Aluminiumstücken nichts“, so Gattinger.

Ruf nach Dosenpfand nach deutschem Vorbild

„Zigarettenstummel, die zum Beispiel auf der Wiese liegen bleiben, brauchen Jahre bis zum Zerfall und geben bis dahin viele Schadstoffe ab. Eine einzige Kippe kann an die 50 Liter sauberes Grundwasser verunreinigen und das Pflanzenwachstum negativ beeinflussen“, sagt Umweltausschuss-Obmann Stefan Söllner. Straßenmeister Alois Lüftinger erachtet aufgrund der Disziplinlosigkeiten ein Pfand auf Dosen und Flaschen als probates Mittel: „In Bayern funktioniert das toll.“ Leider würden manche Entwicklungen in die gegenteilige Richtung weisen. Der neueste Trend, flüssige Lebensmittel und Säfte verstärkt in Quetschbeutel anzubieten, werde das Müllproblem weiter verschärfen.

Auch Landwirt und VP-Vizebürgermeister Anton Pühringer plädiert für das Dosenpfand. „Und wenn das nicht möglich ist, dann sollte es eine Entschädigung für die Bauern geben, wenn Tiere aufgrund von Fremdkörperverdacht geschlachtet werden müssen. Mit einem minmalen Aufschlag auf das Gebinde wäre das finanzierbar“, so Pühringer.

400 Euro Mindeststrafe bei Verstößen

Viele wissen nicht, dass das Verunreinigen von Straße und Landschaft durchaus strafbar ist. Die Mindeststrafe beträgt 400 Euro. „Leider lässt sich kaum wer in flagranti ertappen. Und die Mühen einer Anzeige und Beweisführung nimmt kaum jemand auf sich“, sieht Bezirksabfallverband-Obmann und Gschwandtner Bürgermeister Fritz Steindl die Alltagssituation realistisch. Aber Vermeiden wäre ohnehin besser als im Nachhinein strafen.

Bis 16. April werden die gelben Pfeile in Kirchham noch die Aufmerksamkeit der Autofahrer erregen. Danach können auch andere Gemeinden die plakativen „Müllanzeiger“ verwenden.


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