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KOPFING. Nach 30-jähriger Pause finden heuer wieder die Mysterienspiele Kopfing statt. Bei vier Aufführungsterminen wird das Wirken Bartolo Longos auf die Bühne gebracht. Im Tips-Interview erzählt die künstlerische Leiterin der Spiele, Gertraud Mörtenhuber, welche Botschaft mit „Der Advokat Gottes“ vermittelt werden soll und wie dieses religiöse Stück in die heutige Zeit passt.

Mörtenhuber mit Schauspielern auf der Bühne der Mysterienspiele Kopfing.
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Tips: Vor 30 Jahren fand die letzte Aufführung der „Mysterienspiele Kopfing“ statt: Wie kam es, dass heuer diesen Spielen wieder Leben eingehaucht wird?

Gertraud Mörtenhuber: Es gibt in Kopfing eine grandiose Bühne, viele Erinnerungen an gelungene Aufführungen, Menschen mit Freude am Theaterspielen und das Leben Bartolo Longos. Das reichte, um die Idee wachsen zu lassen. Wir freuen uns, wenn im Oktober viele Zuseher das neue Leben auf der Bühne begrüßen.

Tips: Vier Mal wird heuer das Stück „Der Advokat Gottes“ auf die Bühne der Mysterienspiele gebracht, das das Wirken und Schaffen von Bartolo Longo erzählt: Können Sie den Inhalt des Stückes kurz beschreiben?

Mörtenhuber: Kurzgefasst geht es im Stück um den Wiederaufbau der Stadt Pompeji in Süditalien. Die Stadt wurde 79 n.Chr. von der Lava des Vesuvs verschüttet. 1700 Jahr wollte sich bis auf 35 ärmliche Bauersfamilien niemand dort ansiedeln. Als der Rechtsanwalt Bartolo Longo 1873 in das verlassene Tal von Pompeji „Valle di Pompeji“ kam, um das Pachtgeld einzutreiben für seine Lebensgefährtin, die Grafenwitwe Marianna de Fusco, sah er: Das Tal ist tot. Räuberbanden behinderten den Lebensalltag. Ohne Hoffnung und ohne Glauben fristeten die Strafgefangenen, die verlassenen Frauen und verwahrlosten Kinder ihr Dasein und von Hexen ließ man sich heilen. Geldeintreiben war das Letzte, was der Advokat nun wollte. Von dieser Not berührt, setzte er Taten. Rasch gewinnt er durch Besuche das Vertrauen, lehrt sie das Rosenkranzgebet und dieser „Halt im Himmel“ wird die Quelle für Ideen: Don Bartolo lässt Schulen und Werkstätten bauen, der Bahnhof und ein Telegraf schaffen Vernetzung nach außen und das Gottvertrauen der Menschen bewirkt zusätzlich Wunder und Spendengelder beginnen aus Dankbarkeit zu fließen und damit baut er eine Basilika, die damals 2000 Menschen fasste, heute 6000. So wurde „Fratello Rosario“ zum Advokaten Gottes und ein Pilgerort wurde geboren in einer Stadt, die heute 25 000 Menschen beherbergt. Der spirituelle Mittelpunkt, den Bartolo setzte, das Bild der Hl. Maria als Rosenkranzkönigin in der Basilika von Pompeji ist bis heute ein Magnet für Menschen mit ihren Nöten.

Tips: Sie haben das Skript dazu geschrieben: wie kam es dazu?

Mörtenhuber: Ich wurde im Juni 2016 ins Organisationsteam der „Mysterienspiele Kopfing“ geholt. Jeder brachte sich mit seinen Fähigkeiten ein und da fiel mir allmählich diese Aufgabe zu. Das Verändern von Geschichten zu Rollenspielen gehört durchaus zu meinen Berufserfahrungen als Religionslehrerin. Beim Schreiben liefen die Szenen wie in einem Film vor meinen Augen ab und damit ist das Stück zur großen Vision geworden, die mich belebt und mit Freude beseelt hat, und die mich auch die Herausforderungen vergessen hat lassen.

Tips: Sie ziehen die Strippen im Hintergrund der Aufführungen: Gewähren Sie den Lesern einen Einblick in Ihre Arbeit als Regisseurin?

Mörtenhuber: Das Schönste ist für mich der Kontakt mit den Schauspielern bei den Probearbeiten. Zu sehen, wie die einzelnen in ihre Rollen wachsen ist das Lebendigwerden der Vision, die ich für das Stück in mir trage. Ich treffe mich mit den Theaterkindern, um den Inhalt und ihre Rollen zu vertiefen. Wir haben Bilder zum Stück gemalt und kleine Überraschungen für die Besucher gebastelt. Terminabsprachen mit den Organisatoren und der musikalischen Leitung, Requisiten bereitstellen mit denen die Bühne eingerichtet wird und Ideen für das Bühnenbild abgeben gehören natürlich genauso dazu. Manche Kostüme nähe ich auch selbst, damit sie ganz authentisch zum Stück passen.

Tips: Führen Sie ein strenges Regiment?

Mörtenhuber: Mein Motto als Erzieherin lautet „Mit Liebe werden sie meine Freunde“ und das gilt auch für die Zusammenarbeit mit den Schauspielern. In einer Gemeinschaft, in der jeder in Liebe respektiert wird, kann Großes heranwachsen. Klare Regeln sind notwendig und werden dann auch eingehalten.

Tips: Sie haben das Skript geschrieben, übernehmen die Leitung der Proben und sind auch für die Auswahl der Kostüme verantwortlich: Wie schafft man das alles neben Beruf und Familie?

Mörtenhuber: Meine Kinder sind erwachsen. Sophia ist 24 studiert und wohnt in Graz. Michael ist 22 und Physiotherapeut in einer renommierten Rehaklinik in Bayern. Beide sind selbständig. Mein Mann spielt eine Rolle im Mysterienspiel und damit ist dies auch eine gemeinsame Sache geworden. Ich gönne mir täglich eine Auszeit mit Gott früh am Morgen und bitte ihn um Kraft und dass alles möglichst in seinem Sinne läuft. Bartolo Longo war Advokat Gottes. Er war Gottes Brücke zu den Menschen und das Mysterienspiel soll es auch sein.

Tips: Welche Botschaft möchten Sie mit „Der Advokat Gottes“ vermitteln?

Mörtenhuber: Ganz einfach: „Mit dem Draht zum Himmel wird Unmögliches möglich!“ Seit dem mein Mann und ich im August vom Campanile der Basilika auf Pompeji herabblickten, haben wir noch größeren Respekt vor Bartolo Longo. Er hat den Grundstein für diese Stadt gelegt: Ohne viel Geld aber mir viel Gottvertrauen und dem Rosenkranz in der Hand. Wow!

Tips: Sie sind Religionslehrerin: Welche Bedeutung hat Religion und Glaube für Sie?

Mörtenhuber: Religion als Vertrauen zu Gott ist Beziehung. Manchmal rede ich in Gedanken wie mir der Schnabel gewachsen ist mit Gott oder mit Jesus. Dadurch sind Gelassenheit und Freude als Lebenseinstellung gewachsen. Das schärft den Blick auf die Realität. Die Sonn-und Feiertagen feiere und gestalte ich als Religionslehrerin natürlich gerne mit.

Tips: „Der Advokat Gottes“ ist ein religiöses Stück: Wie passt Religion in die heutige Zeit?

Mörtenhuber: Religion ist Vertrauen zu Gott. Das wird leider oft nicht so gesehen und Religion und unsere Zeit sind scheinbar zwei verschiedene Dinge geworden. Wir müssen sie wieder zusammen fügen. Genau das zeigt „Der Advokat Gottes“: Wo das Vertrauen zu Gott nicht selbstverständlich ist, da gibt es kein schönes Leben. Als Bartolo in seiner Studentenzeit bewusst von Gott nichts wissen wollte und damit Gott nicht vertraute, ging er körperlich und seelisch zu Grunde. Seine Freunde führten ihn wieder hin zu Gott, die Hl. Maria wird wie eine Mutter die Brücke zu Gott und er begann von Neuem zu leben und mit ihm Pompeji.

Termine und Karten:

Samstag, 7. Oktober, 20 Uhr

Sonntag, 15. Oktober, 14 Uhr

Sonntag, 22. Oktober, 14 Uhr

Samstag, 28. Oktober, 20 Uhr

Karten: Vorverkauf 11 Euro, Abendkassa 13 Euro, Kinder (7-15 Jahre) 7 Euro; Karten sind bei allen Raiffeisenbanken und auf www.tips.at erhältlich.

Nähere Informationen unter www.mysterienspiele-kopfing.at


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