SP-Aktionstag zur 60-Stunden-Woche: Wirtschaftskammer ortet „Geplänkel“
KREMS. Nun ist die Debatte um die bevorstehende Arbeitszeitflexibilisierung auch in Krems angekommen. Noch bevor die Neuregelung der Türkis-Blauen Bundesregierung mit 1. September in Kraft tritt, veranstaltete die Kremser SPÖ einen Aktionstag unter dem Motto „Sommerlust statt Arbeitsfrust“. Thomas Hagmann, Bezirksstellenobmann der Kremser Wirtschaftskammer, ortet ein „politisches Geplänkel, das mit der Realität nichts zu tun hat“.

Derzeit setzt die SPÖ österreichweit unterschiedliche Maßnahmen, um auf ihren Widerstand gegen die von der Bundesregierung beschlossene Arbeitszeitflexibilisierung hinzuweisen. Ein Teil dieser Aktionen ist die SPÖ-Bädertour, die kürzlich auch im Kremser Freibad Station machte. Den Protesttag nutzten mehrere Kremser SP-Funktionäre, um auf eine bundesweit laufende Petition aufmerksam zu machen. Darunter auch Bürgermeister Reinhard Resch. Die SPÖ Krems möchte dabei „die Menschen über die Nachteile und Auswirkungen der Arbeitszeiterhöhung informieren“ und Unterschriften für ihre „Nein zur 60-Stunden-Woche“-Petition sammeln. Bis Redaktionsschluss hatte diese Petition bundesweit rund 40.000 Unterschriften gesammelt.
Hagmann: „SPÖ handelt gegen eigene Interessen“
Dass die SPÖ damit gegen ihre eigenen Interessen handelt, ist der Standpunkt des Kremser Wirtschaftskammer Bezirksstellenobmanns Thomas Hagmann. Seine Meinung zum nunmehr umgesetzten Modell lautet: „Das Thema Arbeitszeitflexibilisierung wurde schon unter der Rot-Schwarzen Regierung beschlossen. Die SPÖ befindet sich offensichtlich in einer Krise und will mit Gewalt dieses Thema besetzen. Leider agiert sie mit dieser Kampagne auch gegen die Arbeitsplatzsicherheit in Österreich und daher gegen ihre eigenen Interessen“.
Resch: „Menschen sind angefressen auf Regierung“
Naturgemäß völlig anders sieht das der Kremser Bürgermeister Reinhard Resch, der den Aktionstag im Freibad als „vollen Erfolg“ bezeichnet. Der Zulauf zur Petition sei enorm. Der SPÖ-Bezirksparteichef hat aus den zahlreichen Gesprächen mit Badegästen mitgenommen, „dass die Menschen extrem angefressen auf diese unsoziale Regierung sind“. Nach Angaben von Stadtchef Resch wird „der Widerstand gegen die arbeitnehmer- und familienfeindliche 60-Stunden-Woche von der Bevölkerung breit unterstützt“. Für die Kremser SP-Bezirksfrauenvorsitzende Gabriele Mayer ist klar: „In Österreich wird schon jetzt so viel gearbeitet wie in kaum einem anderen Land in Europa. Die vielen fleißigen Beschäftigen haben sich die Zeit für Erholung und die gemeinsame Zeit mit der Familie verdient“.
Hagmann: „Widerstand wird sich gar nicht auswirken“
Die aktuellen Protestmaßnahmen von Opposition, Arbeiterkammer oder Gewerkschaftsbund sind für Thomas Hagmann von der Wirtschaftskammer nicht mehr als „politisches Geplänkel“. Der Widerstand werde sich „gar nicht“ auf die Neuregelung auswirken, so der Kremser Unternehmer. „Jede Änderung und Verbesserung des derzeitigen Systems bringt Vorteile für Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Der Status quo ist absolut arbeitsplatzfeindlich. Die Vorschläge der Regierung basieren auf dem Konsens aller Parteien. Manche haben es nur vergessen“, sieht Konditormeister Thomas Hagmann in der Neuregelung Vorteile für beide Seiten.
Bergmaier: „60-Stunden-Woche nicht kampflos hinnehmen“
SP-Bildungsgemeinderat Klaus Bergmaier sieht den Widerstand gegen die sogenannte 60-Stunden-Woche jedenfalls ungebrochen: „Unser Widerstand gegen die Arbeitszeitverlängerung von Kurz und Strache wird weitergehen und wir werden ihn verstärken. Diese Regierung wird sehr deutlich merken, dass wir die 60-Stunden-Woche samt Lohn, Gesundheits- und Freizeitraub nicht kampflos hinnehmen. Denn im Gegensatz zu Sebastian Kurz, der alles für die Konzerne und seine Großspender aus der Industrie macht, stehen wir ohne Wenn und Aber auf der Seite der Menschen“, sagt Klaus Bergmaier in seinem Statement.


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23.08.2018 06:09
Die SPÖ hat wohl jeden Draht zur Wirklichkeit verloren. Der eigene Vortänzer Kern forderte in seinem Plan A die sinnvolle Arbeitszeitflexibilisierung und nun ist eben jene Teufelszeugs. Liebe SPÖ es wäre an der Zeit wieder einmal sozial und nicht populistisch zu denken. Die GenossInnen sollten an das Wohl Österreichs und nicht an die nächste Umfrage denken.