Tierische Veredelung bringt Wertschöpfung
KREMSMÜNSTER. Wenn es um das Thema Schweine geht, ist Walter Lederhilger aus Kremsmünster Spezialist. Der 54-Jährige ist Sprecher der Schweinebauern Österreich und kennt die Sorgen der Bauer.

Walter Lederhilger bewirtschaftet gemeinsam mit seiner Frau Brigitte einen Veredelungsbetrieb. Sohn Michael arbeitet am Hof und wird diesen übernehmen. „Er sucht, wie ich, Perspektiven in der Schweinehaltung“, so Lederhilger. Bis 1995 war der Hof ein Mischbetrieb, dann spezialisierte sich Lederhilger auf die Zuchtsauhaltung, mit derzeit 130 Zuchtsauen. Eine Arbeitsteilung ist in Österreich weit verbreitet, das heißt, die Ferkel werden mit ca. 31 kg an Mastbetriebe weiterverkauft.
Walter Lederhilger ist nicht nur Sprecher der Schweinebauern Österreich, sondern auch Obmann des VÖS (Verband österreichischer Schweinebauern) und des VLV (Verband landwirtschaftlicher Veredelungsproduzenten OÖ). Sein Aufgabenbereich umfasst Verhandlungen am Schweinemarkt und die Interessensvertretung der Schweinehalter.
Verhandlungen am Schweinemarkt
50 Prozent aller Mastschweine werden über die Erzeugerverbände weitervermarktet. Oberösterreich hat mit 39 Prozent den stärksten Produktionsanteil. Im VLV Oberösterreich werden durchschnittlich 16.000 Mastschweine pro Woche angeboten, im Verbund der Österreichbörse sind es rund 45.000. Das ist saisonal unterschiedlich. „Von November bis März ist das Ferkelangebot knapp und mehr Mastplätze frei und im Sommer ist es umgekehrt. Außerdem bestimmen auch internationale Bewegungen den Preis“, erklärt Lederhilger. Je nach Angebot entsteht ein Wochenpreis, der bei Preisverhandlungen beschlossen wird.
Der VLV handelt 50 Prozent der Mastschweine und über 90 Prozent der gehandelten Ferkel in Oberösterreich. „Mit dem VLV, den es seit 50 Jahren gibt, haben durch ein gebündeltes Angebot auch kleine Betriebe eine Chance am Markt. Preise, die wir ausverhandeln, halten eine ganze Woche“, so Lederhilger. Ein Ziel des VLV ist es, eine Serviceierung für die Betriebe zu erreichen. „Das wichtigste ist die Vermarktung. Aber auch das Angebot eines EDV unterstützten Sauenplaners als Arbeitshilfe und zur Qualitätssicherung sowie eine Zahlungsgarantie im Falle einer Insolvenz zählen zu unseren Angeboten. Zum Meinungsaustausch mit Kollegen gibt es auch noch Beratungen und Arbeitskreise“, erzählt der 54-Jährige.
Gütesiegel macht Sinn
Als Interessensvertreter der Schweinebauern diskutiert Walter Lederhilger im VÖS Themen wie Richtlinien, Tierschutz- und Baugesetze. „Derzeit beschäftigen wir uns mit der Weiterentwicklung des AMA Gütesiegels, um hundert Prozent Sicherheit im Verarbeitungsbereich zu garantieren. In Zukunft soll auch jeder Ferkelproduzent ein Gütesiegel-Betrieb werden, damit die 100-prozentige Rohstoffkennzeichnung für verarbeitete Wurst- und Fleischwaren sichergestellt werden kann“, erklärt Lederhilger. Das Gütesiegel macht für ihn Sinn, da man mit Gütesiegel-Produkten am Markt, der vom europäischen Preis-Niveau bestimmt wird, eher bestehen könne.
Schweinebauern im Bezirk
Die Ackerbaugebiete im Norden des Bezirkes Kirchdorf sind am dichtesten mit Schweinebetrieben besiedelt. Die Betriebsstruktur ist eher klein strukturiert. In Oberösterreich werden 1,1 Millionen Schweine (Sauen, Ferkel, Mastschweine) gehalten, zirka 14 Prozent (155.000) davon im Bezirk.
„Im Schweinebereich wird im Moment sehr wenig investiert. Das liegt auch an der Diskussion um die Abferkelboxen. Bei uns läuft gerade ein Projekt, das sich mit einem neuen System für Abferkelbuchten beschäftigt. Dieses garantiert eine Bewegungsmöglichkeit der Mutter und gleichzeitig eine geringe Erdrückungsgefahr für die Ferkel“, erzählt Lederhilger. Um landwirtschaftliche Investitionen zu fördern müsse, laut Lederhilger, in erster Linie eine Planungssicherheit für Bauern in Systeme, in die sie investieren, garantiert werden.
Imagefrage der Bauern
Das schlechte Image der Bauern bezüglich Tierhaltung sieht Walter Lederhilger kritisch, denn: „wenn es den Tieren gut geht, hat man auch einen wirtschaftlichen Erfolg. Höhere Standards scheitern nicht an der Landwirtschaft. Mehrerlöse können derzeit nur in Nischen und Markenprogrammen umgesetzt werden.“
Zukunftschancen sehen
„Ich bin überzeugt davon, dass Themen wie Nachhaltigkeit, Regionalität und Transparenz nicht kurzweilig sind. Wir müssen Chancen sehen, uns dort zu positionieren und den Erwartungen der Konsumenten gerecht zu werden. Wir gehen einen ehrlichen Weg und können eine hohe Qualität bieten. Es wird nicht einfacher vor allem was den Kostendruck betrifft. Auch im Bereich Gastronomie und Großküchen haben wir noch Handlungsbedarf. Aber wenn niemand überfordert wird, haben wir schon eine Chance. Tierische Veredelung bringt Wertschöpfung in die Region, ganz egal in welcher Sparte“, so Walter Lederhilger.


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