„Dachdecker-Globetrotter“ baut in Südafrika Fassade für neues Rathaus
LAAKIRCHEN/PRETORIA. Nachdem der Dachdecker-, Spengler- und Zimmermeister Maximilian Fürbauer im Frühjahr von seinem Job aus Australien zurückgekehrt war, wollte er eigentlich im Familienbetrieb einsteigen. Aber schon nach kurzer Zeit bekam er ein Stellenangebot des größten Spenglereibetriebs Afrikas.

Kurz nach seiner Rückkehr sah der Laakirchner in einem Fachmagazin eine Stellenanzeige für ein Projekt in Südafrika. Ohne groß darüber nachzudenken, sendete er seinen Lebenslauf an „Rohde Roofing“ – einen mittelständischen Betrieb in Kapstadt, der seit über 13 Jahren von einem deutschen Dachdeckermeister geführt wird. Der Sommer verging und Fürtbauer hatte seine Bewerbung schon fast vergessen, als Mitte August ein unerwarteter Anruf aus Kapstadt kam. „Ich überlegte nicht lange und flog zwei Wochen später nach Südafrika“, so der Laakirchner.
Zinkfassade für das Rathaus von Pretoria
Dort angekommen ging es dann direkt vom Flugzeug aufs Dach. „Meine Kollegen und ich bauen das neue gigantische Rathaus für die Hauptstadt Südafrikas“, so Fürtbauer, der als „project manager“ – also Bauleiter – engagiert ist. Konkret errichtet die Firma eine ovale, nach vorne hängende, 2.500 Quadratmeter große Zinkfassade in Winkelstehfalztechnik. „Ich steh mit meiner Mannschaft selbst an der Fassade und arbeite tatkräftig mit. Es ist zur Zeit das größte Bauprojekt im Land. Besonders schön zu sehen ist, dass die Einheimischen wirklich stolz auf den Neubau sind“, sagt Fürtbauer, der bei einem Empfang in der österreichischen Botschaft sogar Außenminister Sebastian Kurz über seine handwerklichen Leistungen berichtete.
Ungewohnter Alltag
Der Laakirchner Bauprofi ist mit ungewohnten Arbeitsbedingungen konfrontiert: „Die Arbeiten hier sind nicht sehr einfach, weil die Mannschaft mit großer Hitze und vor allem mit einer Seehöhe von über 1400 Meter zu kämpfen hat. Da kommt man doch etwas ins Schwitzen. Auf der Baustelle weiß man nie, was einen erwartet. Alltag gibt es keinen. Tag für Tag kommen unvorhersehbare Dinge auf uns zu – von Stromausfällen bis Wasserrohrbrüchen. Das macht das ganze spannend, aber auch sehr nervenaufreibend. Da mein Wissen auf dem neuesten Stand ist, kann ich hier auch andere, neue Lösungen anbieten.“ Das größte Problem im Vergleich zu Österreich sei, dass es in Südafrika kaum Fachkräfte gebe. „Hier gibt es keine handwerkliche Ausbildung, was mein Team und ich jeden Tag mit erleben dürfen. Zudem gibt es kaum größere technische Hilfsmittel wie Bagger oder Kräne. Hier wird noch alles mit der Hand gelöst, was schon mal ein paar Tage länger dauern kann. Es vergeht kaum ein Tag, an dem ich nicht einmal meinen Kopf schütteln muss.“ Das Leben hier könne kaum kontroverser sein: „Gated communities“ (Wohngebiete mit Zugangsbeschränkungen), viel Schmutz und Dreck auf den Straßen und der riesige Spalt in der Gesellschaft zwischen Arm und Reich bzw. leider immer noch zwischen Schwarz oder Weiß.
„Ich bin froh über diese überaus lehrreiche Erfahrung. Dies prägt mich sicherlich mein Leben lang, vor allem einmal der Umstand, als „richtiger, weißer Ausländer“ in dieser Stadt zu leben. Ich bin überzeugt, dass die Erfahrungen, die ich hier mache, mein Leben bereichern werden – von den Eindrücken der tollen Landschaften ganz zu schweigen“, sagt Fürtbauer.
Von Südafrika zum Schulzentrumbau in Ebensee
Nachdem die Arbeiten zu Weihnachten abgeschlossen sein sollen, will er noch das Land erkunden und genießen. Danach geht es wieder in die Heimat, um das neue Schulzentrum in Ebensee mit Blech zu verkleiden und vermutlich auch endgültig einen festen Schritt in den Familienbetrieb zu machen, um ihn in vierter Generation weiter zu führen. Sein Resümée: „Die größte Erkenntnis, die ich mitnehme, ist, dass man auch das Unmögliche möglich machen kann – wenn man es will. Und natürlich die Erkenntnis, unter den schwersten Bedingungen gearbeitet zu haben“.


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