Erfolg hat vor allem eine wichtige Eigenschaft: Vergänglichkeit
Langenlois. Im Arkadensaal fand vor wenigen Tagen eine Podiumsdiskussion zum Thema „Erfolg – Alle wollen ihn, aber jede/r anders“ statt. Grünen-Kulturstadträtin Brigitte Reiter konnte als Moderatorin fünf Teilnehmer willkommen heißen, die alle ihren ganz eigenen Zugang zu einem der wichtigsten Themen unserer Gesellschaft haben.

Langenlois. Im Arkadensaal fand vor wenigen Tagen eine Podiumsdiskussion zum Thema „Erfolg – Alle wollen ihn, aber jede/r anders“ statt. Grünen-Kulturstadträtin Brigitte Reiter konnte als Moderatorin fünf Teilnehmer willkommen heißen, die alle ihren ganz eigenen Zugang zu einem der wichtigsten Themen unserer Gesellschaft haben. Zu Beginn stellte Brigitte Reiter die fünf Diskussionsteilnehmer vor. Wolfgang Almstädter von der Flüchtlingshilfe Langenlois hatte in seinem Leben schon viele Berufe: vom Journalist bis zum Landwirt und sogar Trainer von Galopprennpferden. Seine wahre Berufung fand er allerdings, als er sich zu Beginn der Flüchtlingskrise den Neuankömmlingen annahm und diesen nun mit Leidenschaft bei der Eingewöhnung in ihrer neuen Heimat hilft.
Wenn ein Schicksalsschlag das Leben verändert
Eine Winzerin wurde Karin Steinschaden erst in ihrem „dritten Lebensabschnitt“, wie sie es selbst formuliert. Sie war viele Jahre in der Versicherungsbranche tätig, bis ein Schicksalsschlag die Wende einleitete. Nach dem Tod ihres Mannes entschied sie sich dazu, das Familienweingut weiterzuführen. „Arche Noah“-Geschäftsführerin Beate Koller ist zweifache Mutter und diplomierte Biologin. Seit 2000 ist sie in Schiltern für den Erhalt der Kulturpflanzenvielfalt zuständig.
Von der Sozialpädagogin zur renommierten Künstlerin
Musikalisch geht es im Leben von Irmie Vesselsky zu. Die gebürtige Schilternerin absolvierte zunächst eine Ausbildung zur Sozialpädagogin, ehe sie 2003 umsattelte und ab da ihrer Leidenschaft als Singer-Songwriterin nachging. Den Segen von ganz oben brachte Pater Karl Wallner vom Stift Heiligenkreuz in die Runde. Mit dem „Gregorianischen Choral“ hat er zahlreiche Gold- und Platinschallplatten ersungen. Der Erfolg hatte ihm unter anderem einen Auftritt bei „Wetten dass ...?“ beschert.
„Ich habe ein Problem mit dem Begriff Erfolg“
Zum Einstieg gingen die fünf Diskutanten der Frage nach, was Erfolg für sie bedeutet. Außerdem mussten alle einen Gegenstand mitbringen, den sie damit assoziieren. Wolfgang Almstädter hat generell ein Problem mit dem Begriff Erfolg. Er verbindet ihn mit Geld, Einfluss und Vernetzung, nichts davon ist für ihn erstrebenswert: „Bei einem Sozialprojekt wie der Flüchtlingshilfe geht es nicht um Erfolg, es geht oft um Minuten, Stunden und Tage und wie man Menschen in den Bereichen Leben, Wohnen und Arbeiten unterstützen kann“. Als persönlichen Gegenstand brachte er seinen Schuh mit, der für ihn seinen festen Standpunkt symbolisiere, den man brauche, um Ziele zu verfolgen.
Kinder werden schon früh auf Erfolg getrimmt
Beate Koller hatte eine Quitte dabei, weil diese „etwas ausdrückt, das gewachsen ist“. Der Begriff Erfolg ist für sie negativ besetzt und nichts, dass sie antreibt. Sie versuche eine Aufgabe zu erfüllen. Für Karin Steinschaden ist das Thema des Abends etwas, worauf „wir von klein auf konditioniert werden“. Sie verbindet Erfolg mit Image und schreibt ihm die Eigenschaft zu, vergänglich zu sein. Als Mitbringsel hatte sie einen Zettel mit der Aufschrift „Akzeptanz“ dabei.
Erfolg zu wollen ist etwas zutiefst Menschliches
Für den ersten Gegensatz in der Diskussionsrunde sorgte ausgerechnet Pater Karl Wallner, der es ganz normal findet, dass Menschen Erfolg haben möchten. „Wir sind Wesen des Strebens, wenn wir keinen Erfolg haben wollten, wären wir keine Menschen“, sagte er und nannte Gott als seine größte Inspiration. Musikerin Irmie Vesselsky eröffnete den Zuhörern wiederum einen völlig anderen Blickwinkel auf das Diskussionsthema. Sie erzählte von den negativen Seiten wie Neid und Missgunst. Viele Menschen hätten ihr versichert, dass sie großen Erfolg habe, sie selbst hätte das allerdings nie so empfunden. „Ich bin meinen Weg gegangen und kann tun, was ich gerne tue“, sagte sie rückblickend. Erfolg ist für sie, wenn Kinder durch das Hören ihrer Lieder zur Musik finden.
Schüler bringt es mit seiner Aussage auf den Punkt
Großen Eindruck bei den Zuschauern hinterließ ein Schüler von der Neuen Mittelschule Langenlois. Für einen Einspieler wurden die Jugendlichen gefragt, was sie mit Erfolg verbinden. Der junge Niklas gab dabei die kluge Antwort: „Erfolg heißt für mich, von meinem sozialen Umfeld akzeptiert zu werden“. Der Flüchtlingsjunge Ibrahim erzählte in dem Videobeitrag wiederum in fast perfektem Deutsch, dass es für ihn der größte Erfolg sei, die Sprache seines neuen Heimatlandes gelernt zu haben.
Soziale Akzeptanz und die Fähigkeit Konflikte zu lösen
Wolfgang Almstädter fasste seine Erkenntnisse des Abends zusammen, indem er auf die Aussagen der Schüler verwies, die unter anderem Akzeptanz von außen und das Lösen von Konflikten als wichtigste Erfolgsfaktoren nannten. Oder wie Moderatorin Brigitte Reiter es zu Beginn der Podiumsdiskussion ausgedrückt hatte: „Für mich ist diese Veranstaltung ein Erfolg, wenn Sie etwas mitnehmen, das Sie bisher noch nicht mit Erfolg verbunden haben“.


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