Leserbrief: Glückssucher oder Glücksfinder
LAUSSA. Die Schülerin Jana Kohlhofer aus Laussa hat ihre Gedanken zur Coronakrise in Worte gefasst.

Ich bin 19 Jahre alt und Schülerin der BAfEP Steyr. Seit fast zwei Wochen habe ich nun schon E-Learning und diese Zeit hat mich angeregt, mir viele Gedanken über Glück und Dankbarkeit in Zeiten der Corona-Krise zu machen.
Sind Sie Glückssucher oder Glücksfinder?
Über diese Thematik sprach Bruder David Steindl-Rast in einem Vortrag. Er richtet sein Augenmerk auf die Glücksmomente des Lebens, die nach seiner Sichtweise jeder Mensch selbst entdecken und erleben kann. Um Dankbarkeit als Hilfestellung zu sehen und zu erfahren, hat er sich ein Schema überlegt, das „Stop-Look-Go“ lautet. Das soll uns helfen, Glücksmomente bewusst wahrnehmen zu können.
Schöpfer der eigenen Welt
Er bezieht sich auf die intrinsische Motivation, Dankbarkeitsmomente zu erkennen und darüber Glück zu erfahren. Er macht uns darauf aufmerksam, genau hinzuschauen, ob es die Situation ermöglicht, dankbar zu sein. Ich finde, dass er teilweise einen sehr einseitigen Weg verfolgt und somit Lebensmomente nicht würdig sind, darin Dankbarkeit zu erfahren. Mir kommen dabei schmerzvolle, leidvolle unangenehme Situationen in den Sinn. Ich persönlich möchte aber gerne vom Glückssucher zum Glücksfinder werden, wo alle Situationen meines Lebens ein „Ja“ bekommen und ihre Berechtigung haben, angenommen und durchlebt zu werden.
Bin ich nicht der Kreateur meiner eigenen Welt, in der alle meine Gefühle ihre Berechtigung haben? Ich bin der Autor meines eigenen Buches, meiner Lebensgeschichte und kann entscheiden, welchen Sinn ich in jeder Situation entdecke und von welcher Perspektive ich aus diese spüren möchte. Und ich darf entscheiden, ob ich dafür von Herzen dankbar sein kann. Ich darf in jedem Moment entscheiden, ob ich ins Jammertal oder in meine Glückoase schaue.
Der Weg ist das Ziel
Es könnte uns helfen, das Augenmerk auf das Zitat „Der Weg ist das Ziel“ von Konfuzius zu richten. Sinn, Dankbarkeit, Glück und Liebe in jedem Schritt erfahren zu können, erfordert ein großes Maß an Bewusstheit. Wenn ich jeden Stolperstein wertschätze und daran eine Chance sehe mich weiterzuentwickeln und reflektiert zu handeln, kann ich aus jeder Lebenssituation gestärkt herausgehen und Resilienz erlangen. Wir sind gefordert, unser Bewertungsschema zu verlassen, die Situation so wie sie gerade ist einfach anzunehmen und dazu gehören auch sämtliche hervorgerufene Gefühle und Verhaltensweisen, die einfach sein dürfen. Master Rumi bringt es mit diesem Satz auf dem Punkt: „Out beyond ideas of wrongdoing and rightdoing there is a field. I will meet you there“.
Danke
Danke, dass ich jetzt zuhause vor dem Ofen sitzen kann und mir meine Schulstunden eigenständig einteilen kann. Danke, dass ich mir zuhause dazwischen immer wieder einen Schluck frischen duftenden Kaffee gönnen kann. Danke auch dem Coronavirus dafür, dass es das tägliche Leben auf den Kopf stellt und es uns ermöglicht, global aus dem Hamsterrad des Lebens auszubrechen. Ein besonderes Dankeschön kommt auch von der Natur: Sie erhält gerade eine dringend notwendige und sehr wohltuende Atempause und Zeit sich zu regenerieren. Ein persönliches Dankeschön kommt zum Abschluss auch noch von mir - Jana: Ich bedanke mich für all die in sich verflochtenen Einsichten, die ich gerade erlangt habe.


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