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ANSFELDEN/OÖ. Sinkende Erlöse und steigende Produktionskosten stellen österreichische Schweinebauern derzeit vor große Schwierigkeiten. Martin Greul vom Grüblhof in Ansfelden sieht für den derzeitigen Markt schwarz und will seinen eigenen Betrieb nun umkrempeln.

Martin und Beatrice Greul haben 2021 den Grüblhof übernommen. (Foto: Grüblhof)
  1 / 4   Martin und Beatrice Greul haben 2021 den Grüblhof übernommen. (Foto: Grüblhof)

Im Mai 2021 haben Martin Greul und seine Frau Beatrice den Familienbetrieb in Ansfelden übernommen. Neben dem Ackerbau und der Direktvermarktung ist auch die Tierhaltung ein Teil der landwirtschaftlichen Arbeit auf ihrem Hof. Vor allem die Schweinezucht ist derzeit allerdings alles andere als einfach. Laut OÖ Landwirtschaftskammer ist der Ferkelpreis mit zehn Euro rund 15 Prozent gefallen.

Mit den zusätzlich steigenden Produktionskosten sei die heimische Ferkelerzeugung daher nicht rentabel. Auch Martin Greul sieht hier das Grundproblem des Marktes: „Auch wenn ich die Ferkel an etwa drei Betriebe in Ansfelden liefere – der Preis wird trotzdem in Europa gemacht. In Europa herrscht eine Überversorgung, wo soll also eine Erholung am Markt herkommen?“

Tierwohl in eigener Hand

Deshalb entschied sich der Landwirt seinen Betrieb von Anfang an anders anzugehen. Bisher wurden am Hof etwa 72 Zuchtschweine gehalten und etwa 1.500 Ferkel im Jahr erzeugt, davon 97 Prozent weiterverkauft. Dies soll nun reduziert werden und nur mehr die Ferkel gezüchtet werden, die für die eigene Fleischproduktion gebraucht werden. „Wir wollen das Tierwohl von Anfang an in der eigenen Hand haben. Ferkel brauchen es warm, sobald die Schweine jedoch groß genug sind, leben sie in 100-prozentiger Freilandhaltung“, so der Landwirt. Für ihn ist es ein ganz besonderes Bild, wenn die Tiere das erste Mal in das Freigehege kommen und ihre Instinkte voll und ganz ausleben können, was in engeren Innengehegen nicht möglich wäre.

Düstere Zeiten

Natürlich ist diese Art der Haltung mit höheren Kosten verbunden. Auch für europäisches Soja als Futter muss ein Landwirt derzeit 200 Euro pro Tonne mehr zahlen, als für weither Importiertes. Für den Massenmarkt prophezeit Martin Greul eine düstere Zeit, für seinen eigenen Betrieb sieht der Ansfeldner den kommenden Jahren allerdings optimistisch entgegen: „Es ist der richtige Weg!“ Der Trend gehe eindeutig hin zu weniger Fleisch und dafür zu hochwertigeren Produkten. Denn das Bewusstsein über Qualität nimmt bei den Menschen weiter zu, weshalb es nun wichtig sei, richtig aufzuklären.

Verfälschte Idylle

Der Landwirt kritisiert vor  allem das verfälschte idyllische Bild vom glücklichen Schweinderl, das über die Wiese läuft, welches das Marketing des Lebensmittelhandels den Kunden vorgaukelt und das dem Massenmarkt einfach nicht entsprechen kann. Martin Greul fordert, dass den Menschen ein richtiges Bild vermittelt, sie aufgeklärt und somit auch die Wertschätzung auf die Höfe zurückgebracht werden soll. „Die Politik muss eine mutige Richtung vorgeben und Rahmenbedingungen schaffen. Denn sonst importiert man das Tierleid aus Ländern, in denen das keine Rolle spielt. Dann hat man keine Arbeitsplätze geschaffen und nichts für das Tierwohl getan“, gibt Martin Greul zu bedenken.

Führendes Bundesland

Auf rund 5.000 Höfen in Oberösterreich werden nach den Daten der letzten Viehzählung Schweine gehalten. Für rund 1.700 davon, die in Summe rund eine Million Schweine und damit gut 90 Prozent des oberösterreichischen Schweinebestandes halten, ist die Schweinehaltung die Haupt-Einkommensquelle. Damit ist Oberösterreich das führende Bundesland in der Schweinehaltung. „Daher ist eine nachhaltig positive Entwicklung dieser Sparte auch für uns als Landwirtschaftskammer von großer Bedeutung. Corona verursachte extreme Anspannungen auf den Märkten“, so Franz Waldenberger, Präsident der Landwirtschaftskammer Oberösterreich.

Hoffen auf bessere Jahre

Das vergangene Jahr mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie und den Marktverwerfungen durch die Afrikanische Schweinepest lässt die Bauern verzweifeln. Die aktuelle Einkommenssituation und vor allem die unsicheren Aussichten für das heurige Jahr bereiten größte Sorge. „Das geht nicht nur an die wirtschaftliche Substanz, sondern schwächt das Vertrauen in diese Produktionssparte nachhaltig. Und dabei bräuchten gerade die Ferkelerzeuger viele einkommensstarke Jahre, um die extrem hohen Umstellungskosten, die durch sich ändernde politische Rahmenbedingungen entstanden sind und noch entstehen werden, ausgleichen zu können“, erläutert Johann Stinglmayr, Leiter der Beratungsstelle Schweinehaltung.


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