Tag gegen Gewalt an Frauen macht auf Missstände aufmerksam
ENNS/TRAUN/LINZ-LAND. Femizid – ein Begriff, der derzeit immer wieder auftaucht. Er bezeichnet die Tötung einer Frau aufgrund ihres Geschlechts. In Österreich gab es heuer bereits 27 solcher Frauenmorde, weshalb Organisationen und Gemeinden am Tag gegen Gewalt an Frauen ein Zeichen setzen wollen. Das Frauennetzwerk Linz-Land fordert vor allem auch mehr Unterstützung von Land und Bund.

Ein Blick auf die Statistik des Bundeskriminalamts zu den Frauenmorden im Jahr 2021 zeigt: 29 Frauen wurden vergangenes Jahr in Österreich getötet, zwei davon in Oberösterreich – tatverdächtig sind dabei eine weibliche und 26 männliche Personen. Das jüngste Opfer war vier Jahre alt, das älteste 79. Auch heuer ist die Anzahl dieser Vorfälle bereits annähernd gleich. „Jede fünfte Frau in unserem Land ist körperlicher, psychischer und/oder sexueller Gewalt ausgesetzt. Bei einem Großteil richtet sich die Gewalt auch gegen ihre Kinder“, zeigt Marieluise Metlagel vom Frauennetzwerk Linz-Land die Fakten auf. Mit der weltweiten Kampagne „16 Tage gegen Gewalt“ sowie dem „Tag gegen Gewalt an Frauen“ am 25. November soll auch im Bezirk durch verschiedene Aktionen, Veranstaltungen, Lesungen und Mahnwachen auf diese Missstände aufmerksam gemacht werden.
Kostenlose Beratung
Der Anstieg der Gewalttaten ist auch in Bezug auf aktuelle Krisen, wie die Corona-Pandemie oder die durch Teuerungen bedingten existenziellen Sorgen bemerkbar, wie Metlagel bestätigt. Auch im Bezirk Linz-Land gibt es Anlaufstellen für Frauen, die Unterstützung benötigen, wie etwa das Frauennetzwerk Linz-Land. Neben Berufs- und Bildungsberatung wird dort auch Hilfe und Beratung in schwierigen und besonderen Lebenssituationen geboten sowie Beratung von Eltern in Trennung oder Rechtsberatung. „Die Beratungen erfolgen freiwillig, anonym, vertraulich und kostenlos und richten sich an alle Frauen und Mädchen ab 16 Jahren, unabhängig von ihrer Herkunft sowie ihrer politischen, religiösen und sexuellen Orientierung“, erklärt die stellvertretende Obfrau Marieluise Metlagel. Bei Voranmeldung steht das Frauennetzwerk Linz-Land in Asten, Hargelsberg, Hofkirchen, Kronstorf, Neuhofen, Niederneukirchen, St. Florian und St. Marien zur Verfügung.Die Frauenberatungsstelle „Babsi“ in Traun bietet ebenfalls anonyme und kostenlose Beratung an. Im Rahmen des „Tag gegen Gewalt an Frauen“ wird auch im Leondinger Rathaus ein Beratungstag am 29. November ab 14 Uhr angeboten.
Schwierige finanzielle Lage für Beratungsstellen
Die steigenden Vorfälle und die damit steigende Nachfrage an Unterstützung bringen die Beratungsstellen jedoch an ihre Grenzen. „Die Beratungszahlen steigen jedes Jahr – eine Aufstockung der Fördersumme ist bei fast allen Frauenberatungsstellen Fehlanzeige, obwohl in den vergangenen Jahren die Anzahl der Beratungen aber in allen Beratungsstellen gestiegen ist. Das ergibt auf Grund der derzeitigen SWÖ Kollektivvertragsverhandlungen und auf Grund der steigenden Miet- und Energiekosten eine prekäre Situation in fast allen Frauenberatungsstellen“, so Metlagel. „Das gemeinsame Ziel muss daher lauten, dass Frauenberatungsstellen gesetzlich verankert werden und dass die Kernleistungen der Beratung mit langfristigen Fördervereinbarungen abgesichert werden.“ Bis Oktober verzeichnete das Frauennetzwerk Linz-Land heuer bereits 656 persönliche Beratungen und 1.282 Infogespräche.
Öffentliche Solidarisierung
Auf Social Media ist derzeit ein Trend der Solidarisierung mit Frauen, die Gewalt erleben oder erlebt haben, zu beobachten. Auch durch verschiedene Organisationen, Vereine und Aktionen wird versucht, das Thema öffentlich zu behandeln und darüber aufzuklären. Trotzdem ist Gewalt immer noch ein sehr präsentes Thema, wie Metlagel erklärt: „Ja, das Thema wird immer öffentlicher, daher gab es bereits mehr Wegweisungen, als im ganzen vergangenen Jahr, aber Gewalt gegen Frauen in Zahlen zu fassen, ist und bleibt schwierig. Derzeit herrscht wieder eine spürbare, zunehmende Gewaltbereitschaf. Es ist ein langer Weg, dieses Thema zu enttabuisieren. Nur wenn es noch öffentlicher gemacht wird, wird man das Thema Gewalt eindämmen können.“


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