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Stadtmuseum 1212: Geschichte von Enns lebendig erzählt

Norbert Mottas, 23.01.2026 12:00

ENNS. Der Obmann des Museumvereins Lauriacum, Gottfried Kneifel, führte eine Gruppe der Senioren des Oberösterreichischen Presseclubs durch das Stadtmuseum 1212 und wusste zu den Exponaten zahlreiche interessante Details zu berichten.

  1 / 2   Der Obmann des Museumverein Lauriacum, Gottfried Kneifel (2. v. ), und die Senioren des Oberösterreichischen Presseclubs. (Foto: mott)

Vor der Führung schilderte Gottfried Kneifel die Entstehungsgeschichte des Museums. Das Museum 1212 ist eine Folge der Landesausstellung 2018 „Die Rückkehr der Legionen – Römisches Erbe in Oberösterreich“. Für diese Landesausstellung wurde das gesamte Museum Lauriacum am Ennser Hauptplatz benötigt, die Exponate zur Stadtgeschichte wurden zwischengelagert. Bald war allen Verantwortlichen klar, dass es ein eigenes Museum für die nichtrömische Stadtgeschichte brauche. Dieses sollte keine Rumpelkammer der Geschichte werden, sondern ein Erlebnisort und eine Denkfabrik.

Acht Themenbereiche

Für die Gestaltung der Ausstellung konnte der Museumverein den Künstler Peter Hans Felzmann gewinnen, für das inhaltliche Konzept den Historiker Roman Sandgruber. Dass in der Stadt Enns für ganz Österreich bedeutende Ereignisse stattgefunden haben, zeigt die Ausstellung, die auf acht Themenbereiche in acht Räumen aufgeteilt ist.

Bilderzimmer

Im ersten Raum, der dem Wandel der Stadt im Laufe der Geschichte gewidmet ist, wies Kneifel auf eine Besonderheit hin: Alle vier Minuten geht das Licht aus, um die Aufmerksamkeit der Besucher auf die Exponate und weg von den Wänden zu lenken. Die Wände des sogenannten Bilderzimmers durften aus Denkmalschutzgründen nicht verändert werden. Sie sind mit zahlreichen Porträts geschmückt, die laut Kneifel keinen historischen Wert haben. Einige Bilder fehlen. Diese wurden in der Besatzungszeit von amerikanischen Soldaten entwendet – vermutlich, weil ihnen die abgebildeten Frauen gefallen hatten. Die Leerstellen wurden bewusst so belassen.

Georgenberger Handfeste

Eines der bedeutendsten Dokumente, das in Enns unterzeichnet wurde, ist die „Georgenberger Handfeste“. Ihr ist ein eigener Raum gewidmet. Die Urkunde wurde im Jahr 1186 in Enns unterzeichnet. Markgraf Otakar war unheilbar krank, und um einen Nachfolgestreit zu vermeiden sowie einen geregelten Übergang der Steiermark an den österreichischen Herzog Leopold V. zu organisieren, rief er alle Verantwortlichen der Länder zusammen. Diese Zusammenkunft wird im Museum in einem großen Diorama mit Zinnfiguren dargestellt und in Form einer „Zeit im Bild“-Sendung aufbereitet. Mit der „Georgenberger Handfeste“ wurde der friedliche Zusammenschluss der Steiermark mit Österreich besiegelt. Kneifel betonte dabei die Bedeutung der Friedenssicherung.

Stadtrechtsprivileg

Auch das Ennser Stadtrechtsprivileg aus dem Jahr 1212 hob Kneifel hervor. Darin werden unter anderem das Gerichtswesen, das Kaufmannsrecht, die Rechtsordnung, die persönliche Freiheit der Bürger sowie die städtische Selbstverwaltung geregelt. Diese Bestimmungen waren bereits geltendes Recht, wurden jedoch 1212 durch Leopold VI. von Babenberg erstmals schriftlich fixiert.

Ein weiterer Teil der Führung war den Zunftfahnen gewidmet. Die Zünfte der Stadt erfüllten über Jahrhunderte wichtige Aufgaben im gesellschaftlichen Leben. Daher war die Restaurierung der Fahnen ein großes Anliegen des Museumvereins. Dank der guten Vernetzung Kneifels konnten private Paten gefunden werden, die die kostenintensive Restaurierung finanzierten. Ausgestellt sind nicht die Originalfahnen – sie wären für den Raum zu groß –, sondern beleuchtete Abbildungen.

Wirtschafts- und Handelsstandort

Enns hatte zudem als Wirtschafts- und Handelsstandort große historische Bedeutung. Die Stadt war ein wichtiger Umschlagplatz für den Salzhandel, wobei Schiffe die wichtigsten Transportmittel darstellten. Kneifel verwies in diesem Zusammenhang auf die Fortsetzung dieser Tradition im Containerterminal des heutigen Ennshafens.


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