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Jüngster Stabführer des Bezirks ist im Musikverein Enns aktiv

Norbert Mottas, 17.02.2026 14:54

ENNS. Florian Stelzer (18) ist Mechatronik-Lehrling im dritten Lehrjahr. Neben dem MusikvereinHerz  vor allem für das Drumset. In der von ihm gegründeten Tanzband spielt er Schlagzeug. Im Musikverein Enns wurde er mit 16 Jahren Stabführer. Tips bat ihn zum Interview.

Ausrückung mit Florian Stelzer als Stabführer (Foto: Christoph Huemer)
Ausrückung mit Florian Stelzer als Stabführer (Foto: Christoph Huemer)

Tips: Seit wann sind Sie Mitglied der Stadtkapelle Enns?

Stelzer: Ich bin seit September 2022 aktiv beim Musikverein Stadtkapelle Enns am Schlagwerk und seit Februar 2023 im Vorstand dabei. Davor habe ich weder in der Jugendkapelle des Vereins noch in anderen Vereinen gespielt. Schlagwerkunterricht nehme ich jedoch schon seit 2012 am OÖ Landesmusikschulwerk. Bis Januar 2026 wurde ich von Andreas Huber unterrichtet, seit Februar 2026 lerne ich bei Philip Deniflee. Ein wichtiger Erfolg war für mich das Jahr 2024, in dem ich das JMLA in Silber absolviert habe.

Tips: Welche Rollen und Instrumente übernehmen Sie im Verein?

Stelzer: In der Stadtkapelle spiele ich mit großer Begeisterung Schlagwerk. Seit November 2025 bin ich zudem mit der musikalischen Leitung des Jugendorchesters betraut. Mir ist es wichtig, den Nachwuchs zu fördern und musikalisch zu fordern, ohne dass der Spaß verloren geht – deshalb sind auch Aktivitäten außerhalb der Probe für das Vereinsleben wichtig. Das gilt sowohl bei der Jugend wie auch bei den Erwachsenen. Ab der Neuwahl im März 2026 werde ich zudem offiziell die Aufgabe des Kapellmeister-Stellvertreters übernehmen.

Tips: Sie sind mit 16 Jahren Stabführer geworden. Wie läuft diese Ausbildung ab?

Stelzer: Meine Ausbildung zum Stabführer habe ich im Frühjahr 2024 bei Bezirksstabführer Michael Jandl in einem Abendkurs mit fünf Terminen absolviert. Da ich meine erste Ausrückung bereits mit 16 Jahren bestritten habe, war ich bzw. bin meines Wissens nach aktuell der jüngste Stabführer im Bezirk Linz-Land und einer der jüngsten im gesamten OÖ-Blasmusikverband. Der Kurs war mit fünf Abenden relativ kurz, erfordert aber viel Übung und das aktive Marschieren als Stabführer um immer besser darin zu werden.

Im Gegensatz dazu ist der Kapellmeisterkurs (EBO – Ensembleleitung Blasorchester), den ich seit Herbst in Perg bei Elisa Lapan besuche, vier Jahre lang. Dieser ist deutlich anspruchsvoller, da man tief in Musiktheorie, Dirigiertechnik und Menschenführung eintaucht und sich somit mit mehr Themen als den Stabzeichen und Kommandos auseinandersetzt.

Tips:  Was ist das Herausforderndste an der Stabführung?

Stelzer: Anfangs war es die exakte Ausführung der Stabzeichen und das richtige Kommandieren. Die Exaktheit ist entscheidend, da man als Stabführer für Repräsentation des Aussehen vom gesamten Vereins bei der Marschmusik verantwortlich ist.  Schwierig ist es für mich zudem, stimmlich laut und prägnant zu kommandieren, ohne dass mir die Stimme bricht.

Tips: Wieviel wiegt so ein Stab und braucht man viel Kondition?

Stelzer: Man braucht tatsächlich weniger Kondition als die Musiker die Blasinstrumente spielen, da man weniger Luft benötigt. Der Stab, den ich beim Musikverein verwende, ist aus Aluminium und wiegt etwa 0,5 bis 1 Kilogramm. Stäbe aus Holz können hingegen bis zu 2,5 Kilogramm wiegen, was man nach einiger Zeit deutlich in den Händen spüren kann, wenn man es nicht gewohnt ist.

Tips: Wie unterscheiden sich Stabführer und Kapellmeister?

Stelzer: Der Stabführer ist ausschließlich für den Marschbereich zuständig, also für Marschproben, Ausrückungen und Marschwertungen. Der Kapellmeister hingegen verantwortet den kompletten Probenbetrieb für Konzerte, Frühschoppen und Wertungsspiele. Beides sind meiner Meinung nach auf ihre Art erfüllende und sinnvolle Aufgaben, in die ich gerne meine Freizeit investiere.

Tips:  Können Sie alle Stücke auswendig, da Sie keine Noten vor sich haben?

Stelzer: Das hängt von den Märschen ab. Stücke, die wir oft spielen, kennt man irgendwann auswendig; bei Stüclen die wir nicht so oft spielen, hilft oft ein Blick in die Noten der Musiker aus der ersten Reihe. Das Auswendiglernen wird dadurch erleichtert, dass Märsche in Phrasen von acht oder 16 Takten aufgebaut sind, die sich wiederholen. Die Taktung ist für mich wichtig, um die Stabzeichen genau passend zu den Phrasen zu setzen. Bei diesem Thema jetzt genauer ins Detail zu gehen würde jedoch den Rahmen sprengen.

Tips:  Praktizieren Sie auch Kunststücke mit dem Stab?

Stelzer: Dinge wie das Werfen des Stabes oder andere Tricks kommen maximal im Sonderfall bei einem Showprogramm vor, jedoch haben wir noch keine Showprogramme in Enns gemacht. Was jedoch üblich ist, ist das Drehen des Stabes vor dem Körper für gewisse Stabzeichen. Der Stab hat nämlich eine Spitze und eine Kugel, die für unterschiedliche Befehle stehen: Die Spitze betrifft das Marschieren (z. B. Stehenbleiben während man weiterspielt), während die Kugel Befehle für das Spiel gibt (z. B. Beenden eines Marsches oder Einschlagen eines neuen).

Tips:  Was passiert, wenn man beim Stabführen einen Fehler macht?

Stelzer: Im schlimmsten Fall wissen die Musiker nicht, was sie tun sollen, was dazu führen kann, dass manche aufhören und andere weiterspielen. Da die meisten Musiker bei uns im Verein aber eine gewisse Routine haben, wird meist einfach weitergespielt oder passend zum Ende des Marsches aufgehört. Es ist meist leicht möglich, als Stabführer wieder in den Marsch hineinzufinden, wenn man mal aus dem Takt fällt.

Tips: Welche Musik hören Sie privat?

Stelzer: Durch den Musikverein und meine Tanzband spiele ich viele Genres, was meinen Geschmack prägt. Privat höre ich gerne von Filmmusik über deutschen Pop, Klassik, Jazz bis hin zu Rockmusik fast alles. Mit Genres wie Deathmetal, Uptempo und dem Großteil der Rapmusik kann ich hingegen überhaupt nichts anfangen.

Tips:  Was motiviert Sie zu diesem Engagement für die Musik und das Ehrenamt?

Stelzer: Für mich ist das Ehrenamt etwas Besonderes, es erfüllt mich das machen zu dürfen, was mir Spaß macht, und ich fühle mich sehr geehrt das mir in meinem doch recht jungen Alter, so viel Vertrauen geschenkt wird – sei es als Stabführer, Jugendkapellmeister oder zukünftiger Kapellmeister Stellvertreter. Es freut mich jedes Mal wieder, wenn ich unser Vereinsleben oder unseren Nachwuchs aktiv mitgestalten darf. Dafür möchte ich „Danke“ sagen, an meine Mentoren im Musikverein, in der Musikschule oder auch meiner Arbeit. Meinen größten Dank möchte ich jedoch meinen Eltern aussprechen, die mich immer gefördert haben und hinter mir standen, egal welches Ziel ich hatte, dafür danke ich von ganzem Herzen. Dieses Vertrauen und der Rückhalt von allen Seiten sind für mich der größte Ansporn so weiterzumachen wie bisher, sowohl im Beruf als auch im Ehrenamt.


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