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Vortrag über Todesmarsch berührt Schüler in Enns

David Ramaseder, 22.04.2026 13:04

ENNS. Mit eindringlichen Worten erinnerte Jack Hersch in Enns an das Schicksal seines Vaters während des Holocaust. Seit einigen Jahren ist der Autor jährlich auf Einladung des Mauthausenkomitee Enns-Ennsdorf eine Woche in Österreich, um Vorträge darüber zu halten. Mit 9 Präsentationen in 4 Tagen erreichte Hersch, der dafür extra aus Amerika anreiste, mehr als 1.100 Schüler.

  1 / 3   Jack Hersch hält einen Vortrag über das Schicksal seines Vaters während des Holocausts. (Foto: Mauthausenkomitee Enns-Ennsdorf)

Im Mittelpunkt stand die Geschichte von David Hersch, der 1944 aus Rumänien nach Auschwitz deportiert wurde. Von 25 Familienmitgliedern überlebten nur vier. Später kam er in das Konzentrationslager Gusen, wo er unter extremen Bedingungen Zwangsarbeit leisten musste.

Im April 1945 wurde er auf einen Todesmarsch Richtung Gunskirchen getrieben. Nach harter Arbeit und unzureichender Verpflegung war David bei einer Größe von etwa 180 cm von 75 kg auf 38 kg abgemagert.  Bereits beim ersten Marsch gelang ihm in Enns dennoch die Flucht. „Mein Vater war fertig, aber er marschierte. Und das ist mein Vater: Er nutzte den Stopp, griff nach einem Regenmantel, zog ihn über die Häftlingskleidung und entkam Richtung Hauptplatz“, schildert Hersch die glückliche Fügung, dass ein zweiter Zug mit Flüchtlingen aus Steyr kommend ihren Weg kreuzte.

Ehepaar rettet Hersch das Leben

Zwei Wochen später wurde David Hersch erneut auf einen Todesmarsch gezwungen. Diesmal schien eine Flucht aussichtslos. Schwer geschwächt gelang ihm dennoch die Rettung: „Er wusste, er würde es in seiner Verfassung nicht bis Gunskirchen schaffen. In Kristein, am Ende eines Zaunes und vor der Brücke über den Kristeinerbach, als niemand auf ihn achtete, lief er einen kleinen Pfad entlang und warf sich nach ein paar Metern in die Büsche. Dort fand ihn das Ehepaar Friedmann“, erzählt Jack Hersch die Rettungsgeschichte seines Vaters weiter. Ignaz und Barbara Friedmann versteckten David in ihrem Haus, wo er schließlich die Befreiung erlebte.

Dass sein Vater überlebte, führt Jack Hersch auf dessen Willen und die Hilfe anderer zurück. „Möglicherweise war seine offene Art, Menschen zu begegnen, mit ein Grund, warum er überlebt hat“, sagt er.

Mit seinen Vorträgen will Hersch nicht nur erinnern, sondern auch zum Nachfragen anregen: Junge Menschen sollten sich mit der Geschichte ihrer eigenen Familien beschäftigen. „Ich garantiere euch, eure Eltern sind viel cooler als ihr denkt. Fragt sie.“


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