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Winzer aus dem Bezirk Linz-Land erwarten trotz Dürre einen starken Jahrgang

David Ramaseder, 26.08.2026 16:14

LINZ-LAND. Die anhaltende Hitze und Trockenheit beschleunigen heuer die Reife der Trauben. In Leonding begann die Weinlese bereits am 24. August, auch in Hörsching werden schon frühe Sorten gelesen. In Kematen wird die Hauptlese Mitte September erwartet – rund einen Monat früher als üblich. Die Winzer rechnen teilweise mit weniger Ertrag, sehen aber gute Chancen für einen spannenden Jahrgang.

Die Weinlese beginnt heuer so früh wie noch nie zuvor. (Foto: Nussböckgut)
  1 / 2   Die Weinlese beginnt heuer so früh wie noch nie zuvor. (Foto: Nussböckgut)

Wie stark die Trockenheit die Reben belastet, hängt stark vom Boden ab. „Jene Weingärten, die auf eher steinigen Böden mit schwacher Humusauflage stehen, kennt man schon an, dass sie etwas leiden“, sagt Karl Ferdinand Velechovsky vom Nussböckgut in Leonding. Tiefgründige und schwere Böden speichern hingegen mehr Wasser.

Das ist auch für Lukas Schiefermair von Schiefermair Wein in Kematen ein Vorteil. „Wir haben bei uns schwere, tiefgründige Böden, die Wasser sehr gut halten können.“ Zudem habe es in seiner Region im Winter und Sommer mehr Niederschlag gegeben als in vielen Gebieten Niederösterreichs. Die Reben verfügten daher noch über Wasserreserven. Besonders betroffen sind junge Weingärten. Bei den noch jungen Reben ist das Wurzelsystem nicht tief genug entwickelt. In Kematen musste deshalb in trockenen Phasen teilweise zusätzlich bewässert werden. Auch Florian Eschlböck von 95Tage Weinbau Familie Eschlböck in Hörsching beobachtet bei jüngeren Anlagen stärkeren Trockenstress.

Wenig Ertrag, kleinere Beeren

Die Trockenheit dürfte sich auch auf die Menge auswirken. Velechovsky rechnet mit rund 30 bis 40 Prozent weniger Ertrag als in einem idealen Jahr. „Mittlerweile ist es schon schwer, dass man überhaupt noch ‚das durchschnittliche Jahr‘ als Referenz nehmen kann, weil jedes Jahr für sich genommen noch extremer wird als das vorhergegangene.“

Weniger Ertrag bedeutet für die Winzer aber nicht automatisch schlechtere Qualität. Die Beeren bleiben teilweise kleiner und enthalten weniger Saft. Dafür können sie konzentriertere Aromen entwickeln. „Die Dichte der Weine wird heuer sicher hervorragend“, erwartet Velechovsky. Auch Eschlböck sieht darin eine Chance: „Kleinere Beeren können außerdem sehr ausgeprägte Aromen bringen – das könnte für die Qualität richtig spannend werden.“ Schiefermair erwartet derzeit keinen dramatischen Ertragsrückgang. Entscheidend seien die kommenden Wochen.

Reife kommt deutlich früher

Auffällig ist vor allem die schnelle Reifeentwicklung. Die Zuckerwerte steigen rasch, gleichzeitig kann die Säure schneller abnehmen. „Durch die hohen Temperaturen schreitet die Reife heuer deutlich schneller voran“, erklärt Schiefermair. Für seine Weißweine gehe es aber nicht um möglichst hohe Zuckerwerte. Entscheidend sei das Zusammenspiel aus Zucker, Säure, Frucht und aromatischer Reife. In Kematen zeigt sich der Unterschied besonders deutlich: Normalerweise liegt die Hauptlese etwa Mitte Oktober. Heuer wird sie bereits Mitte September erwartet. „Damit sind wir als oberösterreichischer Betrieb normalerweise rund drei Wochen später dran als die Winzer in Niederösterreich. Heuer erwarten wir die Hauptlese bereits Mitte September – also ungefähr einen Monat früher als in einem normalen Jahr.“

In Hörsching werden bereits die ersten frühen Sorten für Sturm und Traubensaft gelesen. In Leonding startete Velechovsky ebenfalls schon diesen Montag.

Schutz vor Sonne und Trockenstress

Die Hitze verändert auch die Arbeit im Weingarten. Die Trauben dürfen nicht zu stark der Sonne ausgesetzt werden. Deshalb wurde beim Laubmanagement weniger entblättert. „Wir durften nicht zu stark entlauben, weil die Beeren ansonsten Gefahr laufen, Sonnenbrand zu bekommen“, sagt Schiefermair. Velechovsky hielt die Begrünung zwischen und unter den Rebstöcken möglichst kurz und reduzierte den Ertrag, um Wasser zu sparen. Gleichzeitig setzt er auf Humusaufbau und vielfältige Begrünungen, um den Boden langfristig als Wasserspeicher zu stärken.

Das trockene Wetter brachte auch Vorteile. Der Druck durch Pilzkrankheiten war gering. Dadurch war weniger Pflanzenschutz nötig. Schiefermair musste zudem weniger mulchen. Bei Velechovsky wuchsen die Reben wegen des Wassermangels weniger stark, wodurch auch bei der Laubarbeit weniger zu tun war.

Optimismus für den Jahrgang

Trotz der Trockenheit blicken die drei Winzer optimistisch auf 2026. Für Schiefermair ist ein trockener Sommer in Oberösterreich sogar grundsätzlich leichter zu bewirtschaften als ein sehr feuchtes Jahr. „Wir liegen klimatisch an der Grenze des Weinbauklimas und haben in feuchten Jahren deutlich größere Herausforderungen mit Pilzkrankheiten.“ Velechovsky ist nach 23 Jahren im Weinbau überzeugt: „Ich bin mir sicher, dass 2026 ein hervorragender Jahrgang sein wird, welcher dieses Jahrhundertsommer ins Glas bringt.“ Auch Eschlböck erwartet „sehr gesunde, aromatische und konzentrierte Weine“. Für alle gilt nun: Die Entwicklung der Trauben genau beobachten und den richtigen Zeitpunkt für die Lese erwischen. Denn gerade heuer können wenige Tage einen deutlichen Unterschied machen.


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