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LEONDING. Am 2. April ist Internationaler Autismus-Tag. Einen besonderen Therapeuten bei der Diagnose „Autismus-Spektrum-Störungen“ (ASS) gibt es im Heilpädagogischen Kindergarten der Caritas in St. Isidor in Leonding: den Labrador „Joey“.

Caritas-Sonderkindergartenpädagogin Sandra Kainzinger mit Joey und Luan (Foto: Caritas)
Caritas-Sonderkindergartenpädagogin Sandra Kainzinger mit Joey und Luan (Foto: Caritas)

Luan lebt scheinbar in seiner eigenen, fernen Welt. Für den sechsjährigen Buben mit Autismus-Spektrum-Störung ist es aufgrund seiner Beeinträchtigung im Bereich der Interaktion und Kommunikation schwierig, sich in unserer Welt der gesellschaftlichen Regeln und Normen zurechtzufinden. Bei Luans Kindergartenstart wirkte er zurückgezogen, suchte kaum Nähe zu anderen Menschen und war getrieben von seinen Stereotypien.

„Wie für alle Menschen mit Autismus charakteristisch, möchte er bestimmte Verhaltensweisen immer wieder wiederholen. Luan liebt es beispielsweise, auf Englisch bis 100 zu zählen oder Buchstaben aufzulegen und zu benennen“, schildert Caritas-Mitarbeiterin Sandra Kainzinger. Sie ist Sonderkindergartenpädagogin und Therapiehundeführerin. Ihr fünfjähriger Labradorrüde Joey begleitet sie ein- bis zweimal in der Woche zur Arbeit. Der ausgebildete Therapiebegleithund ist ein besonderer Motivator für alle Kinder: In seiner Gegenwart sind sie bemüht, sich an Regeln zu halten, so selbstständig wie möglich zu agieren und ihre Sprache oder Gebärden bestmöglich einzusetzen, um mit Joey in Verbindung treten zu können.

Hund weckt Emotionen

Der Vierbeiner hat auch Luan die Eingewöhnung im Kindergarten erleichtert. „Wir haben pro Jahr ein bis drei Kinder mit ASS in der Gruppe. Joey ist es bis jetzt immer gelungen, dass sie mehr aus sich herausgehen, sodass eine soziale und emotionale Förderung besser möglich wird“, erklärt Kainzinger. Der Hund übernimmt dabei die Rolle des Vermittlers zwischen Erwachsenem und Kind. Das gelingt, weil der Vierbeiner hervorragend nonverbal und emotional kommuniziert und mehr Interesse auslöst, als ein Mensch oder Spielsachen in der Umgebung. Es entsteht vorerst eine Zweierbeziehung, in der sich die Therapiehundeführerin vorsichtig einbringt. Daraus entsteht eine Triade zwischen Kind, Hund und Pädagogen, die sich positiv auf die weitere pädagogische Arbeit auswirkt. Wie bei Luan, der abwechselnd Blickkontakt mit Joey und Sandra Kainzinger aufnimmt und damit signalisiert, dass er die Caritas-Mitarbeiterin miteinbeziehen möchte. „Es scheint, als ob mich die Kinder mit Hilfe des Hundes in ihre Welt mitnehmen können. Das entwickelt sich so erfolgreich, dass die Kinder spontan mit mir in Interaktion treten, nur um an den Hund zu gelangen und sich auch in weiterer Folge anderen gegenüber öffnen können.“

Interaktion mit anderen in Joeys Gesellschaft

Charakteristisch bei Autismus ist, dass die Kinder anfangs sehr auf Distanz gehen, mit der Zeit aber die Körpernähe zum Hund lieben lernen. „Luan konnte anfangs nicht an gemeinsamen Feierlichkeiten teilnehmen, da dies bei ihm massiv Stress auslöste. Durch die bloße Anwesenheit Joeys gelang es Luan, sich dazu zu setzen. Mit ihm nimmt er die Nähe der anderen Kinder als positiv wahr, interagiert auch mit den anderen Kindern und schafft es, immer besser über seine eigenen Grenzen zu gehen“, freut sich die Caritas-Mitarbeiterin über die Entwicklung. Ein weiterer Erfolg der Hundetherapie bei Autismus ist, dass sich stereotype Verhaltensweisen, wie beispielsweise ständiges Wippen mit dem Oberkörper, in Gegenwart des Hundes reduzieren.


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