Suche


Weitere Angebote

Sociale Medien

Kontakt
tips.at als bevorzugte Google-Quelle hinzufügen

Am Tag der Elementarpädagogik: Petition mit Forderung nach besseren Arbeitsbedingungen übergeben

David Ramaseder, 01.02.2022 12:17

ANSFELDEN/WALDING/OÖ. Seit Monaten begleiten die Gewerkschaften younion und GPA die Beschäftigten in den oberösterreichischen Kinderbildungs- und -betreuungseinrichtungen bei ihren Bemühungen, die dortigen Arbeitsbedingungen zu verbessern. Tips hat sich mit einem Hortbetreuer aus Haid unterhalten.

Am 24. Jänner, dem Tag der Elementarpädagogik, übergaben Vertreter der Gewerkschaften younion und GPA eine Petition mit rund 6.000 Unterschriften an Landeshauptmann-Stellvertreterin Christine Haberlander. (Foto: GPA OÖ)

Stefan Zauner aus Walding arbeitet im Hort der Kinderfreunde in Haid. Er kann nachvollziehen, warum dringend Handlungsbedarf gefordert wird. „Als Pädagoge sollte ich für jedes Kind eine individuelle Planung machen, es beobachten und im Idealfall auch die Ziele auf die Bedürfnisse anpassen. Das ist mit zwei Betreuungskräften und einer Gruppengröße von 23 bis 25 Kindern einfach nicht drinnen“, schildert er die Schwierigkeiten in der täglichen Arbeit eindrücklich.

Unterstützung notwendig

Viele Kinder benötigen im schulischen Bereich besondere Unterstützung. „Die schaffen den Stoff sonst nicht“, so Zauner. Aber nicht nur in diesem Bereich sind die Hortbetreuer gefordert. „Auch psychische Probleme werden immer häufiger. Auch schon in jungen Jahren. Da wäre Unterstützung – etwa in Form von Sozialarbeitern, wie in Schulen – dringend notwendig“, weiß Stefan Zauner von den täglichen Herausforderungen.

Verbesserungen gefordert

Bei all den Versäumnissen der letzten Jahre gehe es nicht nur um die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten, sondern um das Wohl und die Zukunft unserer Kinder, so GPA-Geschäftsführer Wolfgang Gerstmayer: „Die Situation ist katastrophal – für die Beschäftigten, für die Kinder und für die Familien. Als Gewerkschafter, aber auch als Familienvater lässt mich die Ignoranz der Politik fassungslos zurück.“ Die vielen verzweifelten Anrufe von Mitgliedern würden zeigen, dass ein weiteres Zuwarten niemandem mehr zumutbar sei, so Gerstmayer weiter. Die Kampagne #unszreißts der Gewerkschaften younion und GPA bietet den Beschäftigten in den oberösterreichischen Kinderbildungs- und -betreuungseinrichtungen eine Plattform, um die Verzweiflung über ihre eskalierende Arbeitssituation zu artikulieren.

Höherer Lohn nicht alles

Natürlich sei die Bezahlung ein wichtiger Punkt, die Mitarbeiter im Betreuungsbereich gehören besser entlohnt, ist sich Zauner sicher. Landeshauptmann Stelzer und Landesrätin Christine Haberlander verwiesen zuletzt immer wieder auf die Erhöhung des Budgets zur Neuerrichtung von elementarpädagogischen Bildungseinrichtungen, um zusätzliche Betreuungsplätze zu schaffen. Die Qualität leide aber unter dem derzeitigen Betreuer-Kind-Schlüssel und dem fehlenden Personal.

„Ein neues Gebäude ohne Personal verbessert nicht die katastrophale Situation. Es geht jetzt darum, endlich den Beschäftigten zuzuhören, ihre Forderungen zu erfüllen und die berufliche Tätigkeit in der Kinderbildung zu attraktivieren. Wenn niemand mehr den Job machen will oder kann, fährt das System an die Wand“, weist younion OÖ-Vorsitzender Christian Jedinger diesbezügliche Erfolgsmeldungen des Landes zurück. Stefan Zauner verweist auch darauf, dass es bei manchen Trägerorganisationen noch nicht einmal einen Kollektivvertrag gebe. Für ihn sei hier eine Vereinheitlichung unausweichlich.

Petition übergeben

Am 24. Jänner, dem Tag der Elementarpädagogik, übergaben Vertreter der Gewerkschaften younion und GPA vor dem Landesdienstleistungszentrum in Linz eine Petition, die rund 6.000 Beschäftigte aus Kinderbildungs- und -betreuungseinrichtungen unterschrieben haben, an Landeshauptmann-Stellvertreterin Christine Haberlander. Sie fordern darin die sofortige Verbesserung der krank machenden Rahmenbedingungen, um ihre wichtige Bildungsarbeit auch in Zukunft weiter garantieren zu können.

Frauenvertreterin des ÖGB Linz-Land schlägt Alarm

„Es ist an der Zeit, dass die Beschäftigten nicht nur gehört, sondern mit ihren Anliegen auch ernst genommen werden“, sagt Heidemarie Schreiberhuber, Frauenvorsitzende des ÖGB Linz-Land. „Es muss sich schleunigst etwas ändern, denn immer mehr KollegInnen in den Kinderbildungs- und -betreuungseinrichtungen denken ans Aufhören.“ Die Attraktivität dieses wichtigen und verantwortungsvollen Berufs müsse dringend gesteigert werden. „Wir brauchen kleinere Gruppen, um auch wirklich auf die Kinder und ihre Bedürfnisse eingehen zu können“, betont Schreiberhuber. Dazu brauche es mehr Personal und Zeit für Organisations-, Vorbereitungs- und Leitungsarbeiten.

„Wir fordern außerdem eine der hohen Verantwortung angemessene Bezahlung aller Berufsgruppen in den Kinderbildungs- und -betreuungseinrichtungen. Es ist höchste Zeit für Verbesserungen. Wenn die Politik nicht sofort handelt, kann in vielen Einrichtungen nur mehr ein Notbetrieb aufrechterhalten werden“, stellt Schreiberhuber klar.

Pandemie: Belastungen ins Unerträgliche gesteigert

Bereits im Jahr 2021 sagte das Land OÖ zu, alle in seinen Kompetenzbereich fallenden Faktoren optimieren zu wollen, geschehen ist allerdings kaum etwas, kritisieren die Gewerkschaften. Schon vor der Pandemie waren die berufsbedingten Belastungen im Kinderbildungsbereich ex­trem hoch. Die nun anfallenden außergewöhnlichen Herausforderungen und gesundheitlichen Risiken steigern diese aber ins Unerträgliche.


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.

Jetzt anmelden