Berührendes "Gehdenken" an die Opfer der Todesmärsche
ANSFELDEN. Menschen leisteten Widerstand in seinen unterschiedlichsten Formen und Ausfaltungen in der Zeit des Nationalsozialismus. Das zu tun war immer lebensgefährlich. Zu einem berührenden „Gehdenken“ 2022 an die Ermordeten der Todesmärsche von Mauthause/Gusen nach Gunskirchen mit dem Thema „Politischer Widerstand“ wurde am Mittwoch, 27. April eingeladen.

Erzählt wurde vom Widerstand Einzelner, aber auch gemeinschaftlich organisiertem Widerstand. „Nie zusehen, wenn Unrecht geschieht“, gibt Rosa Jochmann, deren Leben in der Feier vorgestellt wurde, für das Leben mit. Denn unsere Menschlichkeit prägt das Gesicht der Gesellschaft. Bei der Feier, die vom Mauthausenkomitee Ansfelden-Traun, der Plattform Wider das Vergessen, Treffpunkt mensch & arbeit Nettingsdorf, ÖGB Linz-land, der Stadtgemeinde Ansfelden und der MS Ansfelden gestaltet wurde, wurde eine Brücke von widerständigen Menschen damals und heute geschlagen.
Ansfeldner versuchten zu helfen
Mit einem Auszug aus den Aufzeichnungen von Peter Kammerstätter wurde die Brücke in die Vergangenheit geschlagen. Hierbei erzählte die Zeitzeugin Frau Anna P.: „In Ansfelden sind sie ja durchmarschiert und viele haben versucht zu helfen, wie die Frau vom Wagnermeister. Die hat gleich einen Kartoffelzuber voll gekochter Kartoffel hinausgestellt. Und die SS ist ihr gleich ins Haus nachgelaufen. Wie die SS aus dem Haus herausgekommen ist, war natürlich der Zuber leer. … In der Zeit, in der die KZler in Ansfelden durchzogen, vertraute die Frau Lugmayr Maria mir an, dass sie einen KZler auf dem Heuboden versteckt habe.“
Flüsterwitze
Das Radioprogramm war in dieser Zeit vorgegeben. Johann Brunner aus Ansfelden bekam 14 Monate Arrest wegen Aufforderung zum Feindsenderhören. Selbst Witze zu erzählen reichte, um im Konzentrationslager zu landen. Das ist für uns heute schwer vorstellbar. Ein Schüler der MS Ansfelden erzählte einige der sogenannten Flüsterwitze, wie zum Beispiel folgenden: „Es wird erwogen, ob die Zeitungen enger gedruckt werden sollen, damit man nicht so viel zwischen den Zeilen lesen kann.“
Sehnsucht nach Frieden
Ein Satz der italienischen Journalistin Franka Magnani (1925-1996) stellte die Verbindung zu den heutigen Verhältnissen in Europa her: „Je mehr Bürger mit Zivilcourage ein Land hat, desto weniger Helden wird es einmal brauchen.“ Als über die Gehdenkfeier hinaus sichtbares Zeichen der Sehnsucht nach einer friedlichen Welt und Gesellschaft wurden bei der Gedenktafel an der Brücke Friedenstauben von den Teilnehmern angebunden.


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