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Eröffnung des Gedenkortes für Menschen, die auf der Flucht verstorben sind

David Ramaseder, 06.05.2022 15:00

LINZ/TRAUN. Am Freitag, 6. Mai, wurde auf dem Stadtfriedhof Linz/St. Martin in Traun der Gedenkort für Menschen, die auf der Flucht verstorben sind, eröffnet und im Rahmen einer kurzen multireligiösen Feier gesegnet.

 (Foto: LINZ AG/TEAM FOTOKERSCHI KERSCHBAUMMAYR)
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Der Gedenkort.Flucht wurde von der Projektgruppe „Gedenkort Flucht“ unter der Leitung der Diözese Linz als Gemeinschaftsprojekt der Katholischen Kirche in Oberösterreich, der Evangelischen Kirche A. B. in Oberösterreich und der Islamischen Religionsgemeinde Oberösterreich, der Kulturdirektion der Stadt Linz sowie der Linz AG Friedhöfe realisiert. Das Projekt wurde gefördert durch das Land Oberösterreich, die Städte Linz, Traun und Leonding, die Diözese Linz, die Evangelische Kirche A. B. in Oberösterreich sowie den Otto-Mauer-Fonds.

Das im Zeitraum von vier Jahren über Religions- und Parteigrenzen hinweg realisierte Kunstwerk versteht sich als Gedenkort, als Trauerort und als Versammlungsort: „Als Gedenkort für Menschen, die auf der Flucht verstorben sind, als Trauerort für Hinterbliebene mit dem Namen ihrer Verstorbenen, als Versammlungsort, an dem erinnert, gefeiert und gebetet wird“, so Dr. Stefan Schlager, der Projektleiter von „Gedenkort.Flucht“ der Diözese Linz.

Der nun neu eröffnete Gedenkort wurde vom Wiener Künstler Arye Wachsmuth gestaltet. Sein Projekt wurde von einer Jury als Siegerprojekt bei einem geladenen Wettbewerb mit internationaler Beteiligung gekürt. Es nimmt die Topografie der zur Verfügung stehenden Fläche an einem Kreuzungspunkt im Stadtfriedhof Linz/St. Martin als zentrales Gestaltungselement in sein Konzept auf und schafft einen „bergenden“ Raum. Ausgangspunkt ist die Form der Träne, deren bildliche Darstellung eine – über die Religionen hinausgehende – Universalität besitzt. Die Materialien – graue Zementfaserplatten und rostbrauner Cortenstahl – stehen in ihrer Dialektik für Brüchigkeit und Beständigkeit. Die räumliche Anlage ermöglicht einen intimen, besinnlichen Moment der Andacht und Erinnerung. An der Gedenkwand, die in der Tradition einer „Klagemauer“ steht, werden zusätzlich zu den Namen der Verstorbenen und Vermissten auch Bezeichnungen für Familienzugehörigkeit, wie Mutter, Vater, Tochter, Bruder in einer korrespondierenden Sprache angebracht. Damit sollen Menschen, deren Namen nicht bekannt sind, inkludiert werden.

„Ein Ort für jene, die auf der Flucht verstorben sind, ist sowohl ein Beitrag gegen das Vergessen als auch ein Hoffnungssymbol für eine Veränderung. In meinem Entwurf („Vor Augen/In sight) steht die Möglichkeit einer aktiven Erinnerung im Mittelpunkt. Dabei sollte der Gedenkort ein Zeichen für Inklusion und Beachtung sein und zudem Gedenken und Trauer auf eine möglichst persönliche Art ermöglichen“, so der .

Multireligiöser Gedenkort

„Gräber sind wichtig, denn Trauer und Gedenken verlangen nach begehbaren Orten. Orte, an denen man sich an konkrete Menschen mit ihren Namen, mit ihren Gesichtszügen, mit ihrer Biografie, mit ihrem Sinnentwurf erinnert. Genau darum geht es auch beim Gedenkort für Menschen, die auf der Flucht verstorben sind: Man will ihrer Würde als Mensch gerecht werden und sie der Anonymität entreißen. Der Gedenkort steht für Humanität und für die Unverzichtbarkeit einer lebendigen Gedenkkultur in Österreich“, erläutert Bischof Manfred Schauer.

Superintendent Gerold Lehner ergänzt: „Keinen Ort zu haben, bedeutet unter anderem, nirgendwo festmachen zu können. Im Leben und im Sterben keinen Ort zugestanden zu bekommen, bedeutet, dem Vergessen anheimgegeben werden. Was wir hier in kleiner Form tun, ist, einen solchen Ort zu schaffen. Einen Ort, der denen gilt, die davon träumten, an einem anderen Ort in Freiheit leben zu können, der Perspektivlosigkeit zu entkommen. Dieser Ort bezeichnet eine offene Wunde in unserer Zeit. Er ist für uns eine stille Mahnung, die ‚Welt da draußen‘ nicht auszublenden.“

„Gemeinsam feiern wir die Eröffnung dieses besonderen Ortes, eines Gedenkortes für auf der Flucht Verstorbene. So traurig der Anlass unserer Zusammenkunft auch ist, so lässt er uns doch als Menschen, ja als ganze Gesellschaft näher zusammenrücken. Wir berufen uns dabei auf unsere gemeinsamen Werte der Menschenwürde, Nächstenliebe und Barmherzigkeit, die aber nicht davon abhängig sein dürfen, welche Herkunft ein Mensch hat. Diese Werte der Humanität kennen auch keine Außengrenzen. Ich freue mich, dass wir mit diesem Gedenkort all jenen ein Zeichen setzen, die in der Flucht den traurigen Tod gefunden haben. Nehmen wir den heutigen Tag jedoch auch zum Anlass, um all jenen die Hand auszustrecken, die in unserem Land eine neue Heimat gefunden haben“, so Binur Mustafi, Vorsitzender der Islamischen Religionsgemeinde Oberösterreich.


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