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WILHERING. Vor sieben Jahren sah Laura Swoboda bei der Ruder-Weltmeisterschaft in Ottensheim erstmals die internationale Spitze aus der Nähe. Heute gehört die 23-Jährige selbst zum österreichischen Nationalteam. Am vergangenen Wochenende holte sie sich den Staatsmeistertitel im Einzel. Nach U23-WM-Silber und einem starken Weltcup-Einstand im Doppelzweier ist die Olympia-Qualifikation 2027 ihr großes Ziel.

Lisa Zehetmair und Laura Swoboda (r.) feierten bereits gemeinsame Erfolge. (Foto: ÖRV/Seyb)
Lisa Zehetmair und Laura Swoboda (r.) feierten bereits gemeinsame Erfolge. (Foto: ÖRV/Seyb)

Laura Swoboda kam vergleichsweise spät zum Rudern. Bis dahin hatte sie acht Jahre rhythmische Sportgymnastik in Wilhering betrieben und danach ein Jahr lang Geräteturnen versucht. Rudern hielt sie zunächst für wenig spannend. „Im Boot sitzen und in der Gegend herumfahren, ist ja voll langweilig“, dachte sie damals. Der Besuch der Weltmeisterschaft 2019 in Ottensheim änderte das. „Es schaut schon cool aus, krass, was die machen.“ Ihre Mutter rief beim Verein an und organisierte ein Probetraining. Die Trainer erkannten rasch ihr Talent. Swoboda entschied sich, den Sport nicht nur nebenbei zu machen: „Wenn, dann gescheit.“

Mit 16 Jahren ins kalte Wasser

Mit 16 Jahren begann Swoboda mit dem Rudern. Für eine spätere Leistungssportlerin war das ungewöhnlich, denn viele Ruderer starten bereits mit zwölf oder 13 Jahren. Sie übersprang dadurch die kürzeren Nachwuchsstrecken und fuhr von Beginn an über 2.000 Meter. Ihre sportliche Vorgeschichte half ihr. Die rhythmische Sportgymnastik habe ihr eine wichtige Grundlage gegeben, sagt Swoboda. Beweglichkeit, Körpergefühl und Koordination seien auch im Rudern entscheidend. Im Sportgymnasium merkte sie zudem, dass ihr viele Sportarten lagen. Bei Schulwettkämpfen stand sie oft am Podest.

Schon zwei Monate nach ihrem Einstieg folgte die erste Überraschung: Bei der österreichischen Hallenmeisterschaft am Ruderergometer wurde Swoboda über 2.000 Meter Dritte. „Da habe ich mir gedacht: Okay, wow.“ Ihre erste EM-Nominierung erhielt sie 2020, doch die Veranstaltung fiel wegen der Corona-Pandemie aus.

Training statt Freizeit

Mit dem Rudern änderte sich ihr Alltag grundlegend. Nach dem Unterricht ging es zum Training nach Ottensheim, im Winter ins Ruderbecken. „Freizeit ist halt nichts mehr“, sagt Swoboda über die ersten Jahre. Heute trainiert sie je nach Saisonphase zwischen zwölf und 25 Stunden pro Woche. Im Winter, wenn die Grundlagen gelegt werden, sind es meist 23 bis 25 Stunden. Vor Wettkämpfen wird der Umfang reduziert, die Einheiten werden dafür intensiver.

Seit Herbst 2024 ist Swoboda Heeresleistungssportlerin. Das verschafft ihr finanzielle Sicherheit. Denn mit Rudern allein lasse sich in Österreich kaum Geld verdienen. „Ich bin letztes Jahr Vizeweltmeisterin geworden und habe bis jetzt keinen Cent vom Rudern selbst verdient“, sagt sie.

Ein eingespielter Zweier

Ihre größten Erfolge feierte Swoboda bisher mit Lisa Zehetmair. Seit 2022 saßen die beiden regelmäßig gemeinsam im Zweier ohne Steuermann. 2023 gewannen sie bei der U23-EM Bronze, bei der U23-WM wurden sie Vierte. 2025 gelang Swoboda und Zehetmair schließlich der große Erfolg: Das Duo gewann bei der U23-Weltmeisterschaft in Posen Silber im Zweier ohne Steuermann.

Wenige Wochen später holten sie bei der U23-EM Silber im Zweier und Bronze im Achter. Die besondere Stärke des Zweiers sieht Swoboda nicht allein in der Kraft. „Wir müssen oft nicht einmal etwas sagen, weil die andere genau dasselbe denkt.“ Wenn beide nicht exakt zusammenarbeiten, läuft das Boot schief. Swoboda sitzt vorne und gibt die Schlagfolge vor, Zehetmair passt sich an. „Egal, was ich ändere, sie ist sofort bei mir.“ Auch abseits des Wassers passe es. Trotz vieler Trainingslager und gemeinsamer Rennen hätten die beiden noch nie gestritten, erzählt Swoboda.

Wechsel in den Doppelzweier

Nach dem Aufstieg in die allgemeine Klasse musste Swoboda in der vergangenen Saison umdenken. Zehetmair pausierte wegen einer Bandscheibenvorwölbung. Swoboda fuhr zunächst den Einer und wurde beim Kleinboottest Zweite. Danach setzte der Nationaltrainer sie mit Lara Tiefenthaler im Doppelzweier ein. Der erste gemeinsame Weltcup in Plowdiw in Bulgarien verlief vielversprechend. Swoboda und Tiefenthaler wurden Vierte und verpassten die Medaille knapp. Die Umstellung vom Zweier ohne auf den Doppelzweier sei groß gewesen, sagt Swoboda. Im Zweier ohne hält jede Ruderin ein Ruder, im Doppelzweier führt sie zwei Ruder gleichzeitig. Ihre bevorzugte Klasse bleibe daher der Zweier ohne. „Es ist offiziell technisch die schwierigste Bootsklasse. Daher macht es umso mehr Spaß.“ Tiefenthaler brachte viel Erfahrung ins Boot. Die beiden ergänzten einander, sagt Swoboda: Tiefenthaler habe ihr Professionalität vermittelt, sie selbst habe mehr Lockerheit eingebracht.

Alles für Los Angeles

Der Blick richtet sich nun auf die Weltmeisterschaft 2027 in Luzern. Dort soll die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles gelingen. Dafür müsste das österreichische Boot unter die besten zehn kommen. In welcher Bootsklasse Swoboda angreifen wird, ist noch offen. Möglich sind der Zweier ohne, der Doppelzweier oder ein Vierer. Die Qualifikation sei für sie wichtiger als die Spiele selbst: „Wenn ich die Quali-Regatta schaffe, bin ich eh schon dort.“ Eine Teilnahme an Olympia sowie ein A-Finale bei einer Weltmeisterschaft wäre eines ihrer größten Karriereziele.


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