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LEONDING. Vor ziemlich genau einem Jahr sind die ersten Corona-Fälle des Bezirkes in Leonding aufgetreten. Tips hat sich mit Bürgermeisterin Sabine Naderer-Jelinek über die Auswirkungen der Pandemie unterhalten. Aber auch abseits davon, hat sich in der viertgrößten Stadt OÖ‘s viel getan.

Bürgermeisterin Sabine Naderer-Jelinek (Foto: Stadt Leonding)
Bürgermeisterin Sabine Naderer-Jelinek (Foto: Stadt Leonding)

Tips: Corona hat uns noch immer im Griff. Wie schwer wurde das Budget der Stadt dadurch belastet?

Sabine Naderer-Jelinek: Es fehlen uns etwa zehn Prozent unseres Budgets, das ist schon einiges. Es hat zwar das Investitionspaket des Bundes gegeben, allerdings muss das Geld auch von der Gemeinde vorgestreckt werden. Wir haben in Leonding immer sehr gut gewirtschaftet, daher ist das möglich. Besonders das zweite Hilfspaket halte ich aber für eine Mogelpackung. Insbesonders, wo wir in den letzten zwölf Monaten Bund und Land den Rücken freigehalten haben. Die Massentestungen hätten nicht so stattfinden können, wäre nicht die Gemeinde dahinter gewesen, dass alle Kräfte zusammenarbeiten.

Tips: Gab es extra Zuwendungen an Kulturtreibende und Vereine?

Naderer-Jelinek: Wir haben uns darauf verständigt, alle bisherigen Subventionen auch heuer weiterzuzahlen. Die Frist für die Nachweise wurde verlängert, da natürlich keine Veranstaltungen stattfinden konnten. Die Vereine haben es sowieso derzeit schwer genug, deshalb wollten wir unter keinen Umständen Subventionen kürzen.

Tips: Am 8. März war internationaler Frauentag. In Leonding sind viele Top-Positionen weiblich besetzt – eine bewusste Zielsetzung?

Naderer-Jelinek: Schon mein Vorgänger hat viele Führungspositionen mit Frauen besetzt. Mich freut es schon sehr, dass wir mit der Frauenquote so gut dastehen, der Großteil unserer Mitarbeiter ist inzwischen weiblich. Seit meiner Zeit als Bürgermeisterin, haben sich fast immer mehr Frauen als Männer beworben, die allesamt sehr gut qualifiziert waren. Natürlich fördert man solche Frauen dann auch.

Tips: Gibt es auch noch Defizite?

Naderer-Jelinek: Generell ist leider Kinderbetreuung noch ein sehr weiblicher Beruf. Da würde ich mir wünschen, dass in diesem Bereich die Männer nachziehen.

Tips: Seit Anfang Februar ist Leonding Teil der Klima- und Energiemodellregion (KEM) Kürnbergwald. was hat sich seither getan?

Naderer-Jelinek: Am 1. März hat der Klima- und Energiemodellregionmanager seine Arbeit aufgenommen. Er ist in Leonding und den anderen Gemeinden unterwegs, um die Gremien über alles zu informieren. Der nächste Schritt wird sein, die zehn konkreten Maßnahmen, die in den nächsten drei Jahren umgesetzt werden, gemeinsam zu finden. Da stehen die ersten Termine für gemeinsame Workshops in den drei Gemeinden an.

Tips: Wie wird die Zusammenarbeit mit dem Klimamanager im Detail aussehen?

Naderer-Jelinek: Angesiedelt ist er bei der Agentur für Standort und Wirtschaft, weil unser Zugang ist, auch die Betriebe verstärkt ins Boot zu holen, um sie etwa über Förderungen noch zusätzlich zum Klimaschutz motivieren zu können. Grundsätzlich wird es regelmäßige Treffen geben, in denen wir über die Vorschläge des KEM-Managers diskutieren und unsere Schwerpunkte setzen werden.

Tips: Bis wann sollen diese zehn konkreten Maßnahmen gefunden werden?

Naderer-Jelinek: Laut Fahrplan des Ministeriums und des Landes ist das erste Jahr dafür reserviert, die zehn Maßnahmen zu definieren. In den nächsten beiden Jahren, sollen diese Punkte dann umgesetzt werden. Wichtig ist mir dabei, die Bewohner Leondings möglichst mit einzubinden, weil nur die Stadt und Unternehmen werden es nicht schaffen. Ich sehe hier aber durchaus hohe Bereitschaft der Bürger. 

Tips: Stichwort Gymnasiumbewerbung. Zuletzt wurde das Konzept diskutiert, stehen schon Schwerpunkte fest?

Naderer-Jelinek: Wir haben zunächst einmal die „klügsten Köpfe“, also Vordenker aus dem Bildungssektor, zusammengeholt. Fest steht noch nichts, aber es ist ganz klar herausgekommen, dass es einen attraktiven Schulraum braucht. Es ist ein visionäres Konzept und da geht es auch darum, den Schülern die Möglichkeit zu bieten, den Unterricht in einem außergewöhnlichen Umfeld wahrzunehmen. Auch herausgekommen ist, dass das übliche Schulorganisationsgesetz nicht ausreichen wird für das, was wir hier vorhaben. Wir werden hier viel mit Schulversuchen arbeiten und auch einen modulartigen Unterricht anbieten. Es gibt also viele Ideen die wir versuchen umzusetzen, um einen möglichst attraktiven und etwas anderen Schulstandort bieten zu können. 

Tips: Wie ist der Status beim Thema Westbahn-Ausbau?

Naderer-Jelinek: Es kommt derzeit buchstäblich wieder etwas Bewegung in die Sache. Die Schreiben an das Parlament sowie an den Verkehrsausschuss haben offensichtlich Wirkung gezeigt. Auch das von uns in Auftrag gegebene Gutachten von Professor Mayrhofer hat uns sicher geholfen. Ich hatte im Vorfeld einer gemeinsamen Pressekonferenz die Möglichkeit, ein persönliches Gespräch mit Verkehrsministerin Leonore Gewessler zu führen. Dabei hatte ich schon das Gefühl, dass wir auf Augenhöhe reden und bei ihr angekommen ist, worum es uns in Leonding geht.

Tips: Leonding ist Standort einer permanenten Covid-Teststation. Wäre Leonding auch für eine Impfstraße gerüstet?

Naderer-Jelinek: Es gibt bereits einen einstimmigen Gemeinderatsbeschluss, in dem wir das Thema Impfstandort mitbeschlossen haben. Sollte es Notwendigkeiten seitens des Landes OÖ geben, unterstützen wir da sehr gerne wieder. Die Halle bietet sich aufgrund der Lage im Zentralraum und ihrer verkehrstechnischen Anbindung einfach an. Dazu gibt es aber noch keine Entscheidung des Landes.


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