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ANSFELDEN. Die Corona-Pandemie bestimmt nach wie vor unseren Alltag. In Ansfelden denkt man jedoch voraus und setzt auf Investitionen. Tips hat sich mit Bürgermeister Manfred Baumberger über Wohnbau, die Verkehrssituation und die geplanten Öffnungen in der Kultur gesprochen.

Bürgermeister Manfred Baumberger (Foto: Gregor Kraftschik)
Bürgermeister Manfred Baumberger (Foto: Gregor Kraftschik)

Tips: Wie will es Ansfelden schaffen, bestmöglich aus der Corona Krise zu kommen?

Manfred Baumberger: Ansfelden ist von der Pandemie recht wenig betroffen, weil wir auch wirtschaftlich breit aufgestellt sind. Wir haben trotzdem mit über sieben Millionen Euro das größte Investitionspaket jemals für Ansfelden geschnürt, um gezielt gegenzusteuern. Gerade in der Phase der höchsten Arbeitslosigkeit brauchen wir Arbeitsplätze, da sind wir auch gut dabei und nutzen unseren Standortvorteil.

Tips: Gab es finanzielle Einbußen?

Baumberger: Wir haben mäßige Einbußen bei der Kommunalsteuer gehabt, aber das hält man 1-2 Jahre aus. Ansfelden ist recht gut aus der Krise gekommen, eigentlich waren wir nie in der Krise. Wir haben für schlechte Zeiten vorgesorgt, aber gefragt ist natürlich der Bund. Das Geld für die Kommunen ist eindeutig zu wenig, da muss noch einmal etwas kommen. Das bisher Ausbezahlte reicht für 2021, für 2022 gibt es sonst keine Perspektiven.

Tips: Warum wird gerade jetzt Geld in die Hand genommen?

Baumberger: Wir investieren jetzt, weil die Wirtschaft schwächelt und wir die regionalen Betriebe so unterstützen wollen. Angefangen von Investitionen in die Feuerwehren, die Schulen und Kinderbetreuungseinrichtungen. Die ist uns als Familienstadt besonders wichtig und die Basis. Darüber hinaus unterstützen wir alles, was dann im Freizeit-Bereich noch gebraucht wird. Das Freibad wird heuer etwa 30 Jahre alt, da haben wir jetzt in Summe 2,5 Millionen Euro investiert.

Tips: Wie schaut die Arbeitsplatzsituation in Ansfelden aus?

Baumberger: Mit großer Wahrscheinlichkeit werden wir in den nächsten drei Jahren 600 Arbeitsplätze schaffen. Wir hatten in den letzten Jahren große Nachfrage von Betrieben, die sich gerne bei uns angesiedelt hätten. Jetzt wurde eine große Fläche verfügbar, die schon im örtlichen Entwicklungskonzept als Betriebsbaufläche drinnen war. Ein Musterbeispiel an Betriebsansiedelung mit teilweise CO2 neutral produzierenden Betrieben und gut 40 Prozent der dortigen Fläche bleibt grün. Da wurde gerade der Einleitungsbeschluss gemacht und ich hoffe das geht durch.

Tips: Gibt es beim Thema Verkehr aktuelle Entwicklungen?

Baumberger: Als drittgrößte Handelsstadt im Bundesland mit vielen Arbeitsplätzen gibt es natürlich auch viel Verkehr. Daher ist es mir ein großes Anliegen, dass wir so schnell wie möglich die Umfahrung bekommen. Als Weihnachtsgeschenk wünsche ich mir die Einleitung des UVP-Verfahrens. Da sind wir also auf einem guten Weg, ich denke da werden wir 2025 schon fahren. Und wenn das Land die Trasse nach Kremsdorf beschließt, dann haben wir beim Thema Verkehr einen Riesenschritt in die richtige Richtung gemacht.

Tips: Wird der Wohnbau weiterhin forciert werden?

Baumberger: Wir haben in den letzten Jahren versucht, viele günstige Wohnungen gemeinsam mit Genossenschaften zu errichten, das ist gelungen. Es ist aber auch vermehrt der Wunsch nach Eigentum da, deshalb folgt jetzt der nächste Schritt. Der Teilraum 31 ist kurz vor der Realisierung, da werden wir gut 300 Einheiten schaffen wo es Eigentum gibt. Auch in Audorf sollen 30 Eigentumswohnungen in Doppel- und Einfamilienhäusern entstehen. Alles sehr ökologisch, fast schon autark. Das ist uns sehr wichtig. Wohnbau wird es natürlich auch in der nächsten Periode geben, aber etwas weniger wie in den letzten Jahren.

Tips: Es gibt immer wieder Kritik bezüglich Bodenversiegelung und Verkehrslösungen bei größeren Projekten. Wie kann man dieser entgegenwirken?

Baumberger: Die Konzepte werden im Einklang mit dem Land OÖ und dem Verkehrsplaner erstellt. Da wirken viele Experten im Hintergrund mit und planen ordentlich. Das geht sowieso nur im Einvernehmen mit vielen Partnern, die dafür notwendig sind. Es gab in den vergangenen Jahren kaum Widerstand gegen Bebauung, sonst hätte es auch keine einstimmigen Beschlüsse im Gemeinderat gegeben.

Tips: Wie geht man in Ansfelden mit Kritik in diese Richtung um?

Baumberger: Es gibt ja nicht Kritik am Wohnbau selbst, sondern es gibt Wünsche, die man einfließen lässt. Und wenn diese erfüllt werden, gibt es auch keinen Widerstand mehr. Man hat es auch gesehen am Haid-Park. Da gab es anfangs auch viel Widerstand und jetzt sind alle zufrieden und kommen drauf, dass es eh 'klass' ist. Wir haben in Ansfelden noch nie etwas gemacht, ohne zuzuhören und Wünsche einfließen zu lassen. Als Stadt musst du immer das große Ganze sehen. 

Tips: Wie wichtig wird in Ansfelden der Klimaschutz genommen?

Baumberger: Wir haben in diesem Bereich schon so viel gemacht, da gibt es Städte, die sind da weit hinter uns. Mehr als ein Viertel der Haushalte inklusive IKEA sind an der Bio-Fernwärme angeschlossen. Wir wollen aber natürlich noch mehr:  Sind gerade mit einem großen Ansfeldner Unternehmen dabei, die Abwärme zu nutzen. Das wird eines der größten Projekte klimatechnisch überhaupt, mit dem wir wirklich langfristig CO2 einsparen können. So wollen wir auf einen Gesamtwert von über 50 Prozent von Fernwärmenutzung kommen.

Tips: In vielen Städten werden gerade PV-Anlagen auf öffentlichen Gebäuden errichtet.

Baumberger: Das war bei uns schon im Jahr 2000 – weit vor allen anderen – in Planung. Wir haben fast keinen Platz mehr auf den Dächern. Auf das Feuerwehrhaus in Nettingsdorf kommt jetzt noch eine drauf. Als nächsten Schritt werden wir E-Tankstellen errichten, Schritt für Schritt. Wir sensibilisieren aber natürlich auch die Bevölkerung für dieses Thema, da gibt es laufend Programme. Während Corona wurde etwa die Mülltrennung nicht mehr so gewissenhaft durchgeführt. Das wird auch von uns angeschaut, dass der Mist dort hinkommt, wo er hingehört. 

Tips: Für die Vereine war die Pandemie eine schwierige Herausforderung. Musste Ansfelden in gewissen Fällen helfend eingreifen?

Baumberger: Die Vereine mussten kreativ sein, aber etwa bei den Feuerwehren hat auch statt der Haussammlung das System mit Erlagscheinen gut funktioniert. Es bestand auch die Möglichkeit sich über den Bund Förderungen zu holen. Da muss ich den Bund auch loben, diese Hilfen sind relativ schnell gekommen. Natürlich bekommen die Vereine von der Stadt jene Subventionen die ausgemacht sind weiter und werden auch außerordentlich unterstützt, wie etwa die Tennisvereine bei der Platzsanierung oder wenn sonst eine größere Investition gemacht werden muss.

Tips: Ist Ansfelden auf die Öffnung der Kulturszene vorbereitet?

Baumberger: Der Durst ist groß. Nicht nur nach den Wirtshäusern, sondern auch nach der Kultur. Wir freuen uns sehr darauf, dass wir uns wieder treffen dürfen und werden mit den dementsprechenden Konzepten – die es schon gibt – öffnen. Ende Mai wird die erste Veranstaltung im ABC stattfinden, dann wollen wir zumindest ein- bis zweimal pro Woche etwas machen. Auch im Sommer haben wir ein Programm geplant. Da müssen wir noch schauen ob und wie wir das durchführen dürfen. Wenn es möglich ist, machen wir das auch. Das muss sich auch nicht rechnen. Wichtig ist, dass wir Angebote für die Bevölkerung – wie etwa das Sommerkino - bereitstellen können. 

Tips: Gibt es heuer wieder ein Ferienprogramm der Stadt für die Kinder?

Baumberger: Auch eine Ferienaktion für die Kinder ist geplant. Auch hier, was möglich ist. Busfahrten oder ähnliches wird es wohl nicht geben, aber Outdoor-Aktivitäten in der Umgebung werden wir sicher wieder durchführen. Die Kinder können sich auch schon auf die längste Carrera-Bahn Österreichs freuen, die ich mit dem Trauner Bürgermeister wieder anbieten werde. Da können die Kinder mit mir dann eine ganze Woche fahren. 


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