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Poxrucker Sisters im Interview: "Wir sind immer noch Newcomer“

Karin Seyringer, 20.01.2016 08:20

LINZ. Neues Album, neue Tour: Die Poxrucker Sisters sind momentan nicht aus der heimischen Musiklandschaft wegzudenken. Am 8. März gastieren sie im Linzer Brucknerhaus. Tips sprach mit den sympathischen Schwestern aus dem Mühlviertel, die sich nicht nur musikalisch perfekt ergänzen...

  1 / 2   Charmantes Dreier-Gespann: Stefanie, Christina und Magdalena Poxrucker (v. l.) starten ihre „Drah di!“-Tour. Foto: Kevin Rieseneder

Tips: Mit „Drah di!“ ist euer zweites Album erschienen, das erste war sehr erfolgreich. Da ist der Druck sicher dementsprechend höher, die Erwartungen zu erfüllen?

Magdalena: Ja, wir haben schon von allen Seiten gehört, dass unser erstes Album schwer zu toppen sein wird. Da stand für uns am Anfang schon die Frage: Schaffen wir“s nocheinmal, wissen wir nochmal, was wir schreiben sollen? Aber trotzdem sind wir mit dem Ergebnis recht zufrieden.

Stefanie: Wir haben uns auch einen knappen Zeitplan gesetzt, und natürlich, die Leute haben Erwartungen, man hat selbst Erwartungen. Den Druck einfach mal hinten anzustellen und drauf los zu komponieren muss dann schon funktionieren. Wir haben das auch gemerkt, als wir viel auf Tour waren: Da war keine Energie mehr da, auch noch kreativ zu sein. Da braucht man dann auch mal Entspannung, um Kräfte sammeln zu können. Aber es hat dann geklappt.

Christina: Und uns war es einfach auch wichtig, dass man spürt, dass wir uns weiterentwickelt haben. Aber auch, dass wir uns treu bleiben und dass das, was wir machen, also „Dialekt-Pop im Poxrucker Sisters-Sound“, bleibt. Und das aber trotzdem nicht nochmal eine „zweite erste CD“ ist. Das war schon ein Balanceakt.

Tips: Weil du sagst „weiterentwickelt“: Wie empfindet ihr das selbst, in welche Richtung ist es gegangen?

Christina: Ich glaub schon, das die Texte ein bissl erwachsener geworden sind, auch bei der Komposition. Man merkt, dass die Songs mehr Struktur haben.

Stefanie: Das haben wir auch gemerkt, als wir ins Studio gegangen sind, um mit unserem Produzenten die Songs fertig zu arrangieren, dass die Sturktur einfach schon klarer war. Und ja, erwachsener und vielleicht auch kritischer. Vielleicht auch popiger. Aber wir bleiben trotzdem in unserem Poxrucker Sisters-Sound. Man lernt natürlich auch viel, wir haben bessere Mikros genommen, wir haben sehr lange probiert: was passt zu jeder Stimme, wie kann man das Beste rausholen. Und wenn das Album dann fertig ist, dann kommt man wieder auf Sachen drauf, die man beim Nächsten mal wieder anders macht und ausprobieren möchte.

Tips: Das geht wohl jedem Musiker so: Wenn's fertig ist, möchte man wieder Etwas ändern …

Stefanie: Das ist aber dann auch irgendwie wieder schön. Wir kommen ja jetzt, wo wir viel live spielen auch drauf: Da lebt noch was, da verändert sich noch was. Und wenn man uns dann eben live horcht, dann hat man wieder ein anderes Erlebnis.

Tips: Bei euch ist in kürzester Zeit sehr viel passiert. Wie kriegt ihr da Jobs, Freizeit, Freunde, Familie unter einen Hut?

Stefanie: Unterschiedlich gut. Es gibt wirklich anstrengende Phasen und dann wieder Zeit zum Durchschnaufen. Wir haben alle nebenbei noch eine andere Aufgabe. Christina und ich sind in der Jugendarbeit, haben aber da jetzt doch Stunden reduziert. Erstens, weil wir es einfach auch ein bissl riskieren wollen, von der Musik stärker zu leben, und zweitens, weil es sich auch nicht mehr ausgegangen wäre. Und Magdalena studiert, was geht.

Magdalena: Ja, ich studiere.

Stefanie: Man muss es sich schon sehr gut einteilen. Wir kommen nicht mehr so oft heim zu Mama und Papa, oder auch mit Freunden, da muss man schon gut planen. Aber es ist dann natürlich sehr wertvoll, wenn man sich sieht.

Tips: Es lohnt sich aber trotzdem auf der Bühne zu stehen?

Stefanie: Ja sicher. Wir haben die volle Untersützung von unserer Familie und unseren Freunden, die stehen alle total hinter uns und das hat uns durchs letzte Jahr schon sehr stark getragen. Es ist nicht immer einfach und auch nicht immer lustig, es gibt Höhen und Tiefen und man würd's nicht schaffen, wenn im Hintergrund nicht einfach alle zusammenhelfen würden. Das haben wir schon gemerkt. Vor allem wenn dann der Druck groß ist oder man halt einfach nebenbei noch arbeiten muss, weil man nicht einfach von heute auf morgen kündigen kann. Und wenn man dann weiß: Ok, zu Hause wird die Wäsche gebügelt oder man kann sich wieder stärken bei Mama daheim – das ist dann viel wert.

Tips: Ihr habt es vorher schon gesagt, das neue Album geht schon sehr in die Poprichtung, aber mit Volksmusik verbunden, und auch viel „Hirn mit Herz“ – also sehr viel, dass ihr den Leuten mitgeben möchtet. Ist es euch wichtig, dass die Leute nicht nur tanzen, sondern auch euren Texten zuhören?

Magdalena: Ja, unser Album heißt „Drah di!“, genau deswegen, weil's um Bewegung geht. Bewegung körperlich, aber eben auch im Kopf. Dass man sich überlegt, was läuft im Alltag schief, was rennt gut. Was kann ich selber beitragen dazu, dass es besser wird. Und da sind auch ein paar Lieder am Album, die zum Nachdenken anregen, zum reflektieren.

Stefanie: Das ist uns auch wichtig, dass Musik auch etwas aussagt.

Christina: Es dürfen natürlich auch mal Songs sein, die nicht alle eine Botschaft haben und die Welt verändern sollen, aber es ist uns schon eines der wichtigsten Anliegen. Es ist ein gutes Gefühl, wenn du vor 15.000 Leuten stehen kannst und dir denkst „Nehmt euch bitte etwas mit“, und wenn man vielleicht dem einen oder anderen eine neue Ansicht, neue Perspektive geben kann.

Magdalena: Und vor allem, wenn man dahinter stehen kann. Wenn das etwas ist, was man wirklich empfindet.

Tips: Ein Lied sticht besonders heraus: „Traust da nia“. Da ist erstens der traditionelle Volksmusik-Einschlag unverkennbar und ihr betrachtet ein ernstes Thema mit eurem typischen Augenzwinkern. Es geht um Unarten im Internet. Gibt“s persönliche Erfahrungen?

Stefanie: Das ist unser Gstanzl, ja.

Christina: Wir hatten noch keinen Shitstorm bis jetzt, zum Glück.

Stefanie: Aber soetwas kann dich echt sicher fertig machen.

Christina: Es gibt schon Situationen, wo einfach Leute auf Facebook-Sachen verbreiten und in der Realität trauen sie sich nicht einmal grüßen, das gibt“s einfach.

Magdalena: Mit der momentanen politischen Situation ist das jetzt auch viel aktueller. Man fragt sich da schon: Wo ist das „kehrt se“ der Leute hin verschwunden? Das ist einfach durch dieses „Kastl“ - Laptop, Handy - weg. Der Respekt, den man eigentlich gelernt hätte...

Stefanie: Es muss verschiedene Meinungen geben, aber es gehört halt doch immer noch Wertschätzung dazu. Und hoffentlich ist das in der realen Welt noch leichter, dass man diese Wertschätzung zeigt, oder zumindest  sich halbwegs benimmt. Aber im Internet, da geht“s halt manchmal echt rund.

Magdalena: und die Leute vergessen, dass sie trotzdem mit ihrem echten Namen angemeldt sind. Und trotzdem glauben sie, sie sind anonym. Und das ist spannend eigentlich, dass sie ihren Knopf umschalten und glauben sie sind unantastbar.

Tips: Zu einem anderen aktuellen Thema: Ihr seid mit Andreas Gabalier unterwegs gewesen, vor zigtausenden Leuten: Ist man da noch nervöser?

Stefanie: Am Anfang natürlich schon, vor allem wenn man die Zahlen hört. Wir sind grundsätzlich vor jedem Auftritt nervös – das gehört dazu. Aber wenn man dann auf der Bühne steht, ist es definitiv so – und da sind wir uns immer einig – umso kleiner das Publikum umso nervöser sind wir. Aber die Tour mit Gabalier war lässig, es waren riesige Hallen mit tausenden Leuten, die dir dann auch zuhorchen. Die sind ja nicht wegen uns gekommen, und trotzdem ist es super angekommen. Aber trotzdem sind Konzerte, wo die Leute nur wegen uns kommen, besonderer. 

Tips: Sind euch große oder kleine Locations lieber?

Christina: Die Mischung machts, es ist beides cool natürlich.

Stefanie: Wenn man auf der Bühne steht und man sieht die letzten Zuschauer nur mehr als kleine Punkte, das ist natürlich schon etwas Beeindruckendes.

Magdalena: Aber wenn man den Leuten wirklich ins Gesicht schauen kann und deren Reaktion sieht – wir haben ja auch lustige Lieder – und wenn man dann so diesen Funken überspringen sieht, dann ist das auch cool.

Stefanie: Wir sind auch in Linz viel nervöser. Wie wir mit Gabalier in der Schweiz waren, da waren wir sowieso ganz beeindruckt, weil wir soviel Applaus und soviel Zwischenapplaus bekommen haben – und die haben uns garnicht gekannt. Aber da ist man halt irgendwie so der Gast und wird herzlich Willkommen geheißen, hab ich das Gefühl. Und daheim muss man sich da vielleicht ein bissl mehr anstrengen. Wir hatten zwar immer Glück bis jetzt, aber trotzdem ist man zu Hause immer etwas nervöser.

Tips: Gibt“s jemanden, mit dem ihr besonders gerne mal zusammenarbeiten würdet?

Christina: Die „Dixi Chicks“ wären cool.

Stefanie: Die kommen dann jetzt eh in die Nähe, mit denen würden wir gern dann mal singen. Das ist vielleicht auch so ein bissl unseres, das wir sehr viele verschiedeen musikalische Stile in unserer Musik vereinen, und dadurch auch auf ganz vielen verschiedenen Bühnen stehen. Und das daugt uns. Weil es in der Musiksezene eh so ist, dass oft so in Schubladen gedacht wird. Und wir versuchen dass ein wenig aufzubrechen.

Christina: Das ist zwar nicht für alle so leicht…

Magdalena: Ja, der Mensch ist ein Gewohnheitstier…

Stefanie: Musik ist eigentlich etwas Verbindendes. Und wir genießen das, also wir sind irgendwie überall gerne dabei. Wir sind mit Conchita Wurst schon auf einer Bühne gestanden, wir sind mit Gabalier oder dem Nockalm Quintett auf einer Bühne gestanden.

Magdalena: Mit den Tagträumern auch schon…

Stefanie: und wegen Zusammenarbeit: wir werden Sehen, was sich ergibt.

Magdalena: Vielleicht mit einer Frau…

Stefanie: Frauenpower!

Tips: Jetzt geht“s wieder auf Solo-Tournee in Österreich. Gibt“s auch Pläne, Deutschland zu erobern?

Stefanie: Doch gibt“s, also da ist die Plattenfirma grad dran. Zuerst geht“s mal darum, unser Album auch in Deutschland auf den Markt zu bringen. Man kennt uns in Deutschland, und wir werden dort auch gespielt. Aber es wäre natürlich toll, weil gerade in Bayern würden sie uns auch super verstehen. 

Tips: Im Rest Deutschlands wird's vielleicht schwieriger ...

Stefanie: Bayern geht sich super aus, aber auch weiter oben gefällt den Leuten die Musik sehr. Es wär natürlich cool, aber ist dann halt nochmal…

Christina: ...ein großer Schritt.

Stefanie: Genau. Da brauchen wir dann auch viel Zeit dafür. Jetzt freuen wir uns erstmal auf die Termine in Österreich.

Tips: Wenn ihr ganz weit in die Zukunft denkt – wie solls musikalisch bei euch weitergehen? Und wir reden jetzt nicht vom Sprung Deutschland zur Weltherrschaft!

Magdalena: Na auf jeden Fall!

Christina: Also ich würde mir für uns wünschen, dass wir einfach ein fixer Act in Österreich sind, der ein fixer Bestandteil der österreichsichen Musikszene ist. Und so wie STS – irgendwann einmal – die Poxrucker Sisters im Liederberg sind.

Stefanie: Jetzt haben wir unser zweites Album, aber wir sind trotzdem noch Newcomer und wir wollen und müssen uns unsere Fans noch erspielen. Wir wollen viel live spielen, und wir freuen uns natürlich, wenn viele Leute kommen. Und ich glaube, wenn das alles etabliert ist, dann ist das schonmal eine echt super Sache.

Magdalena: Ich seh es genauso. Ich würde mir eben auch wünschen, dass sich die Musikszene auch öffnet, dahin, ohne Vorurteile jede Musikrichtung anzunehmen. Wenn da diese Offenheit ist – und das kann man in jede Richtung drehen, egal ob jetzt Musik oder etwas anderes, dann ist es für alle Beteiligten einfach leichter und auch für das Publikum schöner. 

Stefanie: Ich glaube auch, uns macht trotzdem auch ein bissl aus, dass wir uns auch ein wenig überraschen lassen. Also dass wir nicht verbissen auf irgendetwas hinarbeiten. Es muss halt einfach auch passen und es muss sich entwickeln und da muss man einfach auch Spontanität zeigen und ein wenig Vertrauen haben. Das hat die letzten zwei Jahre recht gut …

Magdalena: ...funktioniert.

Tips: Zum Abschluss noch fünf kurze Begriffe für euch: Winter oder Sommer?

Stefanie: Herbst

Magdalena: Lieber Frühling.

Christina: Bei mir auch Herbst.

Tips: Gugelhupf oder Schweinsbratl?

Einstimmig: Schweinsbratl!

Tips: Bierzelt oder Disco?

Christina: Nichts von beidem wenns nicht unbedingt sein muss.

Stefanie: Kommt drauf an, welche Disco.

Magdalena: Dann geh ich lieber ins Bierzelt, da kann ich raus gehen in den offenen Bereich.

Stefanie: Ich glaub es braucht beides hin und wieder, aber nicht zu oft.

Tips: Beatles oder Rolling Stones?

Einstimmig: Beatles

Tips: What“s App oder die gute alte SMS?

Stefanie: Ahh, doch schon What“s App, weils praktischer ist. Wir haben unsere Gruppen. Und wenn“s nur darum geht, wer zu Hause zum Essen erscheint …

Hinweis

Am Dienstag, 8. März gastieren die Poxrucker Sisters im Brucknerhaus Linz. Tickets gibt“s bei allen bekannten Vorverkaufsstellen.


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