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ST.GEORGEN/GUSEN/LINZ. Johann Gruber zählt zu den bedeutendsten Widerstandskämpfern Österreichs. Der Priester und begnadete Reformpädagoge vertrat konsequent seine Überzeugungen, wollte verändern und erneuern. Dafür wurde er angefeindet und verurteilt. Es ist der Plattform Johann Gruber gelungen ein Theaterstück über das Leben und Wirken Grubers bei dem Schriftsteller Thomas Baum in Auftrag zu geben und unter Mitwirkung des Schauspielers und Regisseurs Franz Froschauer zu realisieren. Tips hat Thomas Baum zum Interview gebeten.  

Autor Thomas Baum
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TIPS:Wie kam es zum Theaterstück?

THOMAS BAUM: Die Plattform Johann Gruber hatte mich bereits vor ein paar Jahren angesprochen ein Stück über Johann Gruber schreiben zu können. Im Sommer habe ich die Biografie von Wagner zu Johann Gruber gelesen. Danach hat mich die Person interessiert und vor allem gefesselt.

Warum ist das Leben des Johann Gruber ein Theaterstück wert?

Johann Gruber hat in einer hochproblematischen Zeit gelebt, die von den Menschen nicht vergessen werden darf, an die man sich immer wieder erinnern sollte. In den 20er, 30er Jahren, der Nachkriegszeit, der Zeit des Austrofaschismus, der Zweite Weltkrieg. Mit dieser Dynamik muss man sich beschäftigen, damit sie in Erinnerung bleibt. Dazu kommt der hochkomplexe Charakter des Johann Gruber, der mit Sicherheit kein einfacher Zeitgenosse war, auch nicht für die Kirche. Durch das Zusammenspiel von zwei Machtsystem, der Kirche und des Nationalsozialismus, wurde die Person nennenswert. Die Kirche oder der Nationalsozialismus alleine hätten Johann Gruber keinen Prozess gemacht. Die Kirche hat das Problem des Querulanten Gruber, der auch der Kirche das Leben schwer gemacht hat, an den Nationalsozialismus abgeschoben. Damit wurde letztendlich auch seine Vernichtung eingeläutet.

Was fasziniert Sie persönlich an der Person Gruber?

Für einen Dramatiker ist der Zugang zur Person der Schlüssel zum Stück. Die Gesamtpersönlichkeit Johann Grubers zu begreifen, seine Getriebenheit und sein Wille zur Veränderung faszinierten, egal wo er aufgetreten ist. Als Leher oder in der Blindenanstalt, er ist überall angeeckt. Er war ein bodenständiger Priester, dem die Nähe zu den Menschen als Helfer immer wichtiger war als die Eucharistie. Er hatte die Riskobereitschaft. Er war immer auf der Seite der Schwächsten und der Vernachlässigten und hat sich dabei selbst in Gefahr begeben.

Die größte Herausforderung beim Schreiben des Stücks?

So ein komplexes und volles Leben auf ein 1,5 Stunden Bühnenereignis zu reduzieren. Wichtige Schlüsselszenen des Lebens zu erfassen und zugleich die Komplexität der Figur darzustellen. Eine Herausforderung war auch die Wucht des sakralen Raumes des Mariendoms. Für Regisseur und Schauspieler eine große Herausforderung. Weil es eine würdige Kulisse. Weil auch die Kirche diesem verdränungswürdiegem Kapitel einen würdigen Raum gibt. Gruber wurde ja uach im Mariendom zum Priester geweiht. Diese mächtige Kulisse auf die Bühne zu bringen war für die Menschen eine große Herausforderung.

Was erwarten die Besucher?

Einen hochkonzentrierten, intensiven Theaterabend über eine höchste spannende Person, die beispielhaft vorführt, wie man in einem extrem herausfordernden und harten politischem Umfeld trotzdem seine Haltung überzeugend behält.

Was wollen Sie mit dem Stück den Menschen mitgeben?

Ich habe großen Respekt davor, dass die Repräsentanten der Diözese Linz mit bewusst mit dem Ort und auf das Kapitel sehn und damit einen wichtigen gesellschaftspolitischen Auftrag nachkommen.

JOHANN GRUBER

Johann Gruber (1889–1944)

Gruber wurde in Tegernbach als ältestes von vier Kindern geboren. Seine Eltern starben früh, ab 1903 besuchte er das Petrinum-Gymnasium in Linz. Als Kaplan wirkte er in Gaspoltshofen und Alkoven, er lehrte im Linzer Waisenhaus und wurde 1934 Direktor der Linzer Blindenanstalt. Gruber sprach sich gegen den Anschluss aus, in seiner Reformpädagogik stellte er das Glück der Kinder in den Mittelpunkt. Nach wüsten Konflikten mit dem Kreuzschwestern-Orden und mit Lehrern, die den Nazis nahestanden, wurde Gruber 1938 von der Gestapo festgenommen und landete im KZ Gusen. Dort organisierte er eine geheime Hilfsorganisation für die Häftlinge. Im März 1944 flog sein Netzwerk auf, Gruber wurde tagelang gefoltert und am 7. April erwürgt


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