Tagtraeumer: "Wir brennen den Posthof nieder"
Zwischen Kinderschnitzel, vegetarischen Teigtaschen und polnischem Bier haben sich Thomas, Kevin und Tobias von der Band Tagtraeumer für ein nicht nur ernst gemeintes Gespräch in Linz über ihr neues Album Zeit genommen. Wem die Jungs gerne eine Torte ins Gesicht drücken würden und wieso eine Frau in der Band nicht in Frage kommt, erzählen sie im Interview.

Tips: Das neue Album „Unendlich Eins“ steht in den Startlöchern, welche Bedeutung hat der Albumtitel für euch?
Kevin: Wir wollten dieses Album unseren Fans widmen, als Wiedergutmachung, weil sie so lange darauf warten mussten. Weil wir unsere Fans immer wieder mit Fehleinschätzungen vertröstet haben, wenn wir gefragt wurden, wann das Album kommen wird. Und dann haben wir eine Aktion mit unseren Fans gestartet, dass sie uns die Fans Fotos zuschicken sollten, die dann auch auf das Cover gekommen sind, weil wir eben „Unendlich Eins“ mit unseren Fans sein wollen und das soll uns mit den Fans verbinden.
Tips: Warum hat es denn so lang gedauert?
Kevin: Weil wir einfach nicht zufrieden waren. Wir hätten schon letztes Jahr ein neues Album bringen können, aber halt nur ein halb so gutes. Man denkt immer, man produziert ein freshes Album, und dann kommt es ein Jahr später wirklich auf den Markt und dann hat man das Gefühl es ist eh schon wieder out. Aber jetzt sind wir wirklich zufrieden.
Thomas: Wir hatten insgesamt 40 Songs zur Auswahl und haben diese immer wieder ausgetauscht.
Tips: Wo war der größte Unterschied für euch im Gegensatz zum ersten Album?
Kevin: Wir haben wirklich gemeinsam an den Songs gearbeitet, haben Songwriting-Reisen nach Spanien und Kroatien gemacht. Es haben insgesamt auch mehr Leute daran gearbeitet und dadurch sind mehr verschiedene Einflüsse im Album drinnen.
Thomas: Wir hatten viel weniger Druck als beim Ersten. Seit Mitte September haben wir an dem Album gefeilt.
Tips: Warum schmeißt ihr euch am neuen Album-Booklet denn selbst eine Torte ins Gesicht, das wäre doch die Chance gewesen, endlich einem anderen Band-Mitglied eine Torte ins Gesicht zu drücken?
Tobias: Mist, stimmt, das hätten wir machen sollen. Wahrscheinlich weil wir ganz speziell blöd sind (lacht).
Thomas: Wir sind die Ritter der Schaumrolle, die Torte bestand komplett aus süßer Schaumrollenfüllung, die wir dann überall im Gesicht hatten. Die Sache ist: Wir sind nicht süß, und damit sich endlich jemand denkt: „Mah was sind das für süße Typen“ haben wir uns die Schaumrollen-Torte selbst ins Gesicht gedrückt. Damit kompensieren wir unsere Nicht-Süßigkeit. (lacht).
Tips: Aber hätte es nicht jemanden in der Band gegeben, dem man einmal gerne die Torte ins Gesicht gedrückt hätte?
Thomas: Oh doch, jedem (lacht). Aber keine Schaumrollentorte, eine richtige Sachertorte. Das wär schon cool. Das wäre die Chance gewesen...
Tips: Apropos Essen - wir sind ja gerade bei einem gemeinsamen Mittagsessen-Termin, und ihr sucht gerade vegetarische Speisen aus, seid ihr alle Vegetarier?
Thomas: Oh Gott, nein verschon mich bitte damit. Ich bestell mir ein Kinderschnitzerl mit Pommes.
Tobias und Kevin: Wir schon. Ich (Kevin) fühl mich gut dabei, aber es soll jeder essen, was er will.
Tips: Warum gibt es eigentlich im neuen Song: „Unendlich gleich“ eine Frauenstimme?
Thomas: Das ist so simpel erklärt. Wir waren in Berlin und haben am neuen Song gearbeitet. Chrissi Klug ist die weibliche Stimme und sie hat spontan das Lied eingesungen. Ihr Freund hat mit uns am Album gearbeitet.
Tips: Könntet ihr euch vorstellen, eine Dame in die Runde aufzunehmen?
Tobias: Nein, fix nicht. Außer sie ist sehr hübsch, aber das wär dann auch wieder kompliziert. Besser nicht. Das wär keine gute Idee. Da müssten wir teilen.
Tips: Eine Zeile im Song ist: Du hörst Schickschock, ich hör Bourani… Warum ausgerechnet das Lied Schickschock von Bilderbuch?
Thomas: Ich find Bilderbuch cool, aber ich bin kein Fan. Ich glaub auch nicht, dass Bilderbuch sich für Tagträumer interessieren, oder unsere Songs hören. Sie sind voll nett und total ok. Keine Ahnung, warum ich das geschrieben habe. Es ist ein cooles Wort (fängt zu singen an…). In Wirklichkeit haben wir aber 100.000 Euro von Bilderbuch bekommen, damit wir für sie Werbung machen (lacht).
Kevin: Ich mag Bilderbuch sehr.
Tips: In dem Song „Sicherer Hafen“, schreibst du über Liebeskummer, warum?
Thomas: Für mich beendet das Lied eine sehr, sehr lange Phase, die ich hatte. Es hängt mit dem Lied „Sinn“ vom ersten Album zusammen. Es war von mir der Abschluss. Ich bin ein komischer Mensch ,was Liebe angeht.
Tips: Warum?
Thomas: Ich bin der Meinung, dass man immer mehrere Menschen liebt. Auch die Erinnerungen an die erste Liebe, die du hattest, sind trotzdem schön. Ich glaube nicht, dass Liebe etwas ist, das komplett verschwindet. Man hat immer die Erinnerungen dran, an die man sich klammert. Treue ist aber auch megawichtig. Ich find Frauen schön.
Tips: Eure Bühnenshow hat sich auch verändert, alles wirkt professioneller, ein Riesen-Feuerwerk gab es bei der Show in Wels...
Kevin: Wir waren eigentlich auch begeistert, als wir die Feuershow auf Video gesehen haben, denn auf der Bühne selbst sieht man das ja nicht wirklich. Bei Open Airs wollen wir schon weiter in diese Richtung gehen.
Thomas: Das wirkt nur professioneller (alle lachen). Ich glaube, es liegt einfach auch daran, dass wir halt jetzt schon mehr gespielt haben und uns mehr damit auseinandergesetzt haben. Außerdem ist unser Tontechniker seit letztem Jahr auch Pyrotechniker. Er hat mich dann eigentlich darauf gebracht, dass wir Pyrotechnik rausschießen könnten. Ich hab ihm gesagt, es darf maximal 1000 Euro kosten.
Tips: Seid ihr auf dem Spartrip?
Thomas: Naja, wir könnten auch um 5000 Euro Pyro rausschießen, aber dann bleibt nicht mehr viel Gage übrig, das wäre nicht besonders schlau von uns! Aber wir können natürlich machen was wir wollen.
Tips: In einem Interview habt ihr auch einmal gesagt, dass die guten alten Bekannten immer von euch eingeladen werden wollen... Fahrt ihr jetzt mit dem Porsche vor?
Thomas: Nein, mit dem Ferrarri natürlich (lacht).
Kevin: Es ist geil und eine extreme Erleichterung, wenn man von der Musik leben kann, wenn man sich ganz auf das konzentrieren kann was man machen will. Es ist ein Segen. 1000 Goldstücke, oder zwei Kamele und sieben Schafe verdienen wir, wenn wir zum Beispiel in Ägypten spielen. Oder auch eine Blondine ist so viel wert, hab ich mal gehört. (lacht) Man muss jede interessante Kultur akzeptieren.
Tips: Was dürfen denn die Fans im Posthof erwarten?
Kevin: Eine Flammenshow natürlich (lacht).
Thomas: Wir brennen die Hütte nieder, das wird der letzte Gig im Posthof sein. Weißt du, wir sind keine Metal-Band, die da zum Randalieren anfängt, wir brennen einfach alles nieder (alle lachen).
Kevin: Die Kosten übernehmen natürlich wir. Posthof-Auftritt ist riesig, der muss ausverkauft werden, die Hütte wird toben.
Tobias: Das ist eine der coolsten Locations, in der wir spielen.
Tips: Und wie geht es euch eigentlich mit den Groupies?
Kevin: Gut, die sind eh nicht alle so wahnsinnig. Ich hab schon viele Briefe bekommen, wo man sieht sie haben sich sehr viel Mühe gegeben. Ich hab natürlich zurück geschrieben.
Tobias: Ich hab auch mal einen Liebesbrief bekommen, aber ich hab nicht zurück geschrieben.
Tips: Ihr habt euren Weg mit Castingshows gestartet, wenn heute ein junge Musiker kommen würde und euch fragen würde, ob ihr ihm zur Castingshow-Teilnahme raten würdet, was würdet ihr sagen?
Thomas: Nein, don't do it! Nur wenn es eine gscheite Show ist, eine die nicht in Österreich stattfindet. Und wenn ihr es macht, dann bitte lest euch die Verträge genau durch.
Info:
Termin: Live am 25. November im Posthof Linz
Autogrammstunde:
10. August, Media Markt Vöcklabruck
12. August: Media Markt Plus City Pasching
Fotos: Michaela Kraus photography


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