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Vom Austausch von Katzenfotos zum politischen Schlachtfeld: Ars Electronica Festival 2021 verhandelt den "New Digital Deal"

Karin Seyringer, 19.04.2021 17:09

LINZ. Von 8. bis 12. September ist es wieder so weit: Das Ars Electronica Festival 2021 geht über die Bühne. Das Team hat am Montag verraten, welches Thema dieses Mal im Mittelpunkt steht: „A New Digital Deal“. Fest steht auch schon, dass es nach dem erfolgreichen „Experiment“ im letzten Jahr wieder ein hybrides Format sein wird.

Gerfried Stocker präsentierte das Thema der Ars Electronica 2021. (Foto: Ars Electronica/Robert Bauernhansl)
Gerfried Stocker präsentierte das Thema der Ars Electronica 2021. (Foto: Ars Electronica/Robert Bauernhansl)

Ausstellungen, Konzerte, Talks, Konferenzen, Workshops, Führungen in Linz und – schon jetzt – über 100 weiteren Locations weltweit: Nach dem erfolgreichen coronabedingten „Experiment“ im Vorjahr wird das Ars Electronica Festival 2021 wieder als hybrides Format stattfinden, mit zentralem Festivalhub Linz und als große internationale Plattform, die nicht nur online, sondern auch vor Ort wieder „Gärten“ entstehen lassen.  

„Karten müssen neu verteilt werden“

Thematischer Ausgangspunkt dieser Reise um die Welt ist diesmal die Forderung eines „New Digital Deals“. „Wir müssen uns eingestehen: Digitalisierung ändert nicht unsere Welt, stattdessen aber umso grundlegender die Art und Weise, wie und was wir in dieser Welt tun können und müssen“, so Gerfried Stocker, künstlerischer Geschäftsführer der Ars Electronica. Aus der Werkzeugtechnologie sei eine zentrale Kulturtechnik geworden. „Was begonnen hat als lustiger, harmloser Austausch von täglichen Banalitäten und Katzenfotos, ist zu einem politischen Schlachtfeld geworden“, so Stocker.

Jetzt müsse sich die Fragen gestellt werden, wie die Gesellschaft damit umgeht, welche Handlungsmöglichkeiten und Handlungsfähigkeiten es gibt, „how to deal with it.“ Wem gehöre diese digitale Welt, wie sind die Arbeitsbedingungen? „Großes Problem dabei ist das Vertrauensverhältnis in die digitale Technologie und die Konzerne, die diese digitalen Produkte liefert.“ Die Karten müssten neu verteilt werden, um die digitale Welt in den Griff zu bekommen.

„Menschen wollen lokalen Handel und regionales Gewerbe unterstützen und es kommt ein Kaufhaus Österreich heraus, man will mit Apps die Pandemie unter Kontrolle bringen und die Menschen nehmen sie nicht an, Technologien wollen aus der Mimik erkennen, ob es uns gerade gut geht, ob wir müde sind – raus kommt eine menschenverachtende Praxis, in der Fahrer von Paketdiensten rund um die Uhr überwacht werden“, nennt Stocker drei Beispiele - auch wonach die Frage nach der Ethik gestellt werden müsse.

Ars Electronica als „Trendsetter“, Linz als „Ort der Hoffnung“

Nicht nur in der die Politik, beim Staat oder Interessensvertretungen, sondern unter breiter Beteiligung der gesamten Bevölkerung müsse ein Grundverständnis über den Weg und die Auswirkungen der digitalen Transformation gefunden werden, so Bürgermeister Klaus Luger. „Das geht nur auf Augenhöhe, das wird nur funktionieren, wenn sich die klassischen Stakeholder eingestehen, dass der Prozess ein breiter sein wird“, ist er überzeugt, das die Ars Electronica mit dem Festivalthema 2021 wie schon in der Vergangenheit wieder „Trendsetter“ sein werde.

Kulturstadträtin und Ars Electronica Beiratsvorsitzende Doris Lang-Mayerhofer: „Es geht nur durch Erfahrungen sammeln, experimentieren, sich selbst weiterentwickeln.  Das Festival 2021 hat das Potenzial, zum Role Model für ein hybrides internationales Festival des 21. Jahrhunderts zu werden. Für mich ist das Ars Electronica Festival nicht nur ein Festival der Zukunft mit Vorbildwirkung, sondern auch ein Festival der Hoffnung. Wir können zeigen, dass jeder einzelne Mensch dazu beiträgt, diese Welt weiterzuentwickeln. Linz kann daher ein Ort der Hoffnung sein.“

Schon jetzt über 100 Partner weltweit

Zentraler Festivalhub ist und bleibt Linz. Mitstreiter vor Ort sind wieder die OÖ Landes-Kultur GmbH, die Kunstuniversität Linz oder das Bruckner Orchester – und nun zum zweiten Mal – die Johannes Kepler Universität. Die „Kepler's Gardens“ am Campus der JKU werden wieder der Hauptort sein, dazu kommen zahlreiche Projekte in der Innenstadt sowie natürlich im Ars Electronica Center mit drei neue Ausstellungen, darunter eine Schau zum 25-Jahr-Jubiläum des Future Labs. Bewährte Festivalformate wie die CyberArts-Ausstellung oder die „Große Konzertnacht“ sind fixer Bestandteil, erläutert Managing Director Veronika Liebl.

Dazu kommen wieder zig internationale Partner, schon jetzt stehen über 100 davon fest, die auch vor Ort in „Festival-Gärten“ laden. „Verbindendes Element wird das Online-Programm sein, mit Live-Streams, Videos, On-Demand-Content, Online-Interaktionen und einer Vielzahl unterschiedlichster digitaler Projekte“, so Liebl. Ziel sei es, den „New Digital Deal“ gemeinsam zu entwickeln, „wir laden möglichst viele ein, sich aktiv zu beteiligen.“

Christl Bauer, Head of Ars Electronica Festival, nennt nur ein paar der renommierten Partner, die mit an Bord sind: MIT in Boston, ein ganzes Kunst- und Kulturnetzwerk in Barcelona, BOZAR in Brüssel, der Onassis Foundation in Griechenland, der Universität Auckland und der Universität Wellington in Neuseeland, das chilenischen Außen- und dem Kulturministerium und viele mehr. 

Offen für neue Partner

Dabei ist das Festival offen für neue Partner. „Auch alle Interessierten, vom Künstler bis zum Kulturverein, von der Uni bis zum Klein- und Industriebetrieb können mit dabei sein“, so Martin Honzik, CCO von Ars Electronica. Erst vor kurzem wurde dazu das „Home Delivery Service“ initiiert.

 

 


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