Landestheater-Premierenreigen geht an der Promenade weiter
LINZ. Sieben Premieren in allen Spielstätten und Sparten gab es schon am Landestheater Linz seit der Wiedereröffnung am 19. Mai, ab dem Wochenende folgen schon die nächsten vier Premieren, in den Häusern an der Promenade.

Es herrsche große Erleichterung nach der Eröffnung vor, „nicht nur im Haus, sondern auch, weil das Präventionskonzept mit den '3G' sehr gut angenommen wird“, so Landestheater-Intendant Hermann Schneider. Nur ein verschwindend kleiner Prozentsatz wisse nicht über die Anforderung - getestet, geimpft oder genesen - käme zur Vorstellung, im „Notfall“ kann dann mit einem Selbsttest unter Aufsicht im Landestheater Abhilfe geschaffen werden.
Vier Premieren an der Promenade: Auftakt mit „The Wave“
Und so geht der bunte Premieren-Reigen munter weiter: Schon auf der Netzbühne verfügbar, kommt nun am Freitag, 28. Mai, 19.30 Uhr, die „echte“ Uraufführung des Musicals „The Wave (Die Welle)“ von Or Matias nach dem Bericht von Ron Jones. Der Stoff ist bekannt: Geschichtslehrer Ron Jones stößt in seiner Klasse beim Thema Nationalsozialismus auf Unverständnis. Er beschließt ein Experiment durchzuführen, die Dinge aber geraten außer Kontrolle.
„Wir haben die Proben dazu ohne Infektionen geschafft, die Premiere kann nun 6,5 Monate nach dem ursprünglich geplanten Termin stattfinden“, freut sich Dramaturg Arne Beeker. Er hält das Musical für „eines der musikalisch ambitioniertesten Werke der letzten Jahre“, schräge Akkorde und „irre Rhythmen“ inklusive. Die Inszenierung übernommen hat Christoph Drewitz, ursprünglich sollte diese die New Yorkerin Chloe Treat übernehmen, durch Corona war das aber nicht möglich. Ihre Handschrift hat die Inszenierung aber auch durch die Mitarbeit an der Original-Konzeption.
„The Wave“ ist die mittlerweile dritte Uraufführung der Musicalsparte des Linzer Landestheaters, mit auf der Bühne sind bei „The Wave“ auch Studierende der Musik und Kunst (MuK) Privatuniversität der Stadt Wien.
Weitere Vorstellungen: 2. und 13. Juni im Schauspielhaus.
„Verstehen Sie den Dschihadismus in acht Schritten! (Zucken)“
Am selben Tag, um 20 Uhr, kommt das Theaterstück „Verstehen Sie den Dschihadismus in acht Schritten! (Zucken)“ von der mehrfach ausgezeichneten Dramatikerin Sasha Marianna Salzmann auf der Stiodiobühne zur Aufführung, in Kooperation mit der Bruckneruni. „Die Autorin widmet sich dem Phänomen in acht Episoden, sie erzählt von Menschen, die auf der Suche sind nach Orientierung, Halt aber in einer gefährlichen Ecke finden“, so Dramaturg Martin Mader. „Die Zuschauer werden zum Nachdenken angerecht, es sind alles Radikalisierungsvorgänge, die so mitten in unserer Gesellschaft stattfinden können.“ Bei der Bühne werde auf einen abstrakten Raum mit beweglichen Quadern gesetzt, „sie erinnern an Hochhäuser, Strichcodes, so kann auch schnell in andere Episoden eingeleitet werden.“
Weitere Vorstellungen: 11., 13., und 30. Juni, Studiobühne Promenade
Klassiker von Kleist
Am Samstag, 29. Mai, 19.30 Uhr, ist in den Kammerspielen der Kleist-Klassiker „Der zerbrochene Krug“ zu sehen, in einer Fassung von Bérénice Hebenstreit und mit neuem Schlussmonolog von Carolyn Amann. „Wir hatten es schon gar nicht mehr zu träumen gewagt, noch spielen zu können“, erzählt Dramaturgin Wiebke Melle. „Der klassische Stoff wird bewusst durch eine junge Regisseurin inszeniert, die Nestroy-Preisträgerin Bérénice Hebenstreit. Sie zeichnet sich durch kluge und durchdachte Zugriffe aus.“ Vor allem sei es Hebenstreit wichtig gewesen, sich mit der düsteren Seite des Stoffs zu beschäftigen, mit der Machtfrage, die auch Kleist im Sinn hatte. Sie hat sich daher mit dem Originalschluss von Kleist beschäftigt. Auch der neue Schlussmonolog von Autorin Carolyn Amann geht auf das Thema Machtmissbrauch ein.
Zu sehen in den Kammerspielen, weitere Termine: 3. und 6. Juni, 9. Juli.
Getanzte Liebesbriefe
„Freude und schon fast Lampenfieber“ spürt Tanzdirektorin Mei Hong Lin angesichts der Uraufführung des Tanzabends „Liebesbriefe“ am Dienstag, 1. Juni, 19.30 Uhr im Schauspielhaus. Tanz im Schauspielhaus habe eine ganz andere Energie, man sei näher am Publikum dran, besonders passend zum Stück „Liebesbriefe“.
In ihrem Stück beschäftigt sich Linz mit dem Liebesbrief, der in Zeiten der Pandemie, der räumlichen Isolation und Sehnsucht nach Nähe eine neue Bedeutung und neue Formen annimmt. Ein sehr intimer, poetischer Tanzabend ist herausgekommen, in zehn collageartigen Miniaturen sendet Lin eine Botschaft an die Menschen. Sie möchte ihre Liebesbriefe als „Trost, als Aufarbeitung und als Motivation zum Neubeginn“ zu verstehen geben.
Auch dieses Stück ist bereits auf der Netzbühne zu erleben gewesen, „wir haben im Anschluss viele 'Liebesbriefe' vom Publikum bekommen, auch aus anderen Ländern, von Leuten, die eine Inszenierung normalerweise nicht sehen können“, freut sich Lin über die positive Resonanz. „Wir senden den Geist und die Mühen des Landestheaters und des Linzer Ensembles, Hoffnung und eine Schöpferkraft in die Welt.“
Weitere Vorstellungen: 4., 5. und 28. Juni, im Schauspielhaus.


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