"Create your world" bei der Ars Electronica: Eintauchen und mitnaschen am kreativen Reichtum Jugendlicher
LINZ. Von 8. bis 12. September ist es wieder so weit: Das Ars Electronica Festival lädt zum Entdecken und Ausprobieren ein. Teil des Festivals ist natürlich wieder „Create your world“, ein ganz besonderes „Festival im Festival“. Worauf sich Besucher dieses Jahr freuen dürfen, verrät Create your world-Leiter Hans Christian Merten im Tips-Gespräch.

Create your world ist eine ganzjährige Initiative, die Jugendliche mit Unternehmen und Kunstschaffenden zusammenbringt, auf Tour an Schulen kommt und Workshops veranstaltet. Beim Ars Electronica Festival wird Create your world zum Festival im Festival. Hier kommen die zu Wort, um die es in Zukunft geht: Kinder und Jugendliche.
Bringt Generationen zusammen
Dabei handle es sich aber nicht um die „Kinderecke“ der Ars Electronica, sondern ganz im Gegenteil: „Es wird gezeigt, welche großartigen Ideen und Gedanken Kinder und Jugendliche haben“, so Merten. Auch adressiert werden keineswegs nur die Jungen: „Create your world ist nach wie vor das Festival, dass alle Generationen zusammenbringt. Das Festival ist für alle, die eintauchen wollen, die vielleicht noch nicht die Profis sind was zum Beispiel Künstliche Intelligenz betrifft. Man darf da hingehen und einfach ganz von vorne anfangen, wir sind da eine gute Docking-Station“, lädt er ein.
„New Social Deal“
Das diesjährige Thema der Ars Electronica „The New Digital Deal“ wird bei Create your wolrd interpretiert in Richtung „New Social Deal“. „Uns geht es heuer um den sozialen Fokus, in Verbindung mit den digitalen Hilfsmitteln, mit denen wir jetzt mehr denn je konfrontiert sind“, bezieht sich Merten auf die Corona-Pandemie. Aber auch die Klima-Krise, die Umwelt, sei großes Thema. „Create your world ist ja an sich schon eine starke Aussage. Create your world in Zeiten von Klimawandel usw., wo man nur mit Dystopien konfrontiert ist - da hat man mittlerweile durchaus eine Verantwortung, wenn man Jugendlichen bzw. generell den Leuten sagt: 'Hey, gestaltet eure Welt' (lacht), da muss man schon drauf aufpassen, dass das nicht zur Farce wird“, so Merten zum Hintergrund. „Es muss uns allen klar sein: Wir müssen hier zuhören und das ernst nehmen.“
Gleichzeitig gelte es, in Zeiten von Corona ein Angebot zu machen, „für jene, die in der Lockdown-Phase, vom Homeschooling, von Videokonferenzen vielleicht den kreativen Blick verloren haben. Ich will nicht sagen: Wir haben die Lösung, die haben wir nicht, aber wir laden dazu ein, für sich selber den Weg wieder ein wenig besser zu finden.“
Esplanade am Campus
Heuer nicht im JKU-Park, sondern an der Esplanade am JKU-Campus, neben dem Hörsaal-Trakt findet Create your world statt. Bei Schlechtwetter kann dadurch in die Innenräume ausgewichen werden.
Wie immer wird nicht auf Quantität, sondern auf Qualität gesetzt. „Das Herzstück an sich ist die u19 – Prix Exhibition der Gewinner-Projekte der Prix Ars Electronica. Die Gewinner sind auch selbst vor Ort, erklären ihre Projekte, zeigen, wie sie dazu gekommen sind. Man kann in ihre Gedankenwelt eintauchen und ein bisschen mitnaschen an dem kreativen Reichtum, den sie haben.“
Dazu kommt eine Vielzahl bunter Projekte, etwa von der Kunstuni, die sich bei „Play with Pixels“ mit Schärfen- und Größenverhältnissen beschäftigt, aber auch das Programmieren elektronischer Musik ist möglich.
Der Linzer Modellboot-Verein lädt ein, direkt beim Festival Boote zu bauen, die dann am Uni-Teich ausprobiert werden können. „Wir schauen, dass wir hier aber auch robotische Elemente einbauen, die Boote dann programmieren und zum Beispiel einen bestimmten Parcours fahren lassen.“
Wiederbelebt wurde auch die Kooperation mit dem Landestheater Linz, die Social Intelligence Agency. Bei dieser Sozial-Agentur beschäftigen sich Jugendliche Gedanken über soziale Interaktion Gedanken machen und wie sich diese in der jetzigen Zeit gestaltet. „Ein krasses Beispiel: Vor der Pandemie hat man einer alten Frau über die Straße geholfen. In der Lockdown-Pahse sollte erstens keine alte Frau auf der Straße sein, und wenn sie dort ist, sollst du sie eigentlich nicht angreifen. Das transportiert für mich diese Unsicherheit, auch in der sozialen Interaktion. Die Social Intelligence Agency bereitet das Improtheatermäßig auf.
„Lernen, ohne es zu merken“
Generell werde wieder soziale Begegnung zugelassen. „Wir führen im Rahmen der Möglichkeiten den Open-Lab-Charakter wieder ein. Das heißt man kann flanieren, fünf Minuten wo verbringen oder den ganzen Tag lang tüfteln. Wie es schon vor Corona war, sind wir eine offene Lernplattform, wo du lernst, ohne dass du merkst, dass du was lernst“, schmunzelt Merten.
Freiwilligen-Messe
Ein besonderes Highlight ist auch, dass die Freiwilligen Messe dieses Mal direkter Teil von Create your world sein wird. Am Samstag werden sich rund 50 Organisationen präsentieren und Teil des Festivals werden. „Ich glaube, wir sind uns alle einig: gerade in solchen Zeiten muss man sehen, wie wahnsinnig wichtig die Organisationen sind, was die eigentlich alles machen und ganz selbstverständlich leisten“, freut sich Merten auf viel Besuch.


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