Lentos-Ausstellung „Female Sensibility“ zeigt ein neues „Bild der Frau“ aus weiblicher Perspektive
LINZ. Die Ausstellung „Female Sensibility“ mit über 200 feministischen Kunstwerken aus den 1970ern von 82 Künstlerinnen hinterfragt die Konstruktion des Weiblichen. Hervorgehoben wird die Pionierleistung der sogenannten „Feministischen Avantgarde“.

Die Ausstellung im Lentos widmet sich einer künstlerischen Bewegung, die in der Kunstgeschichte bisher zu wenig Beachtung fand. Erstmals in der Geschichte der Kunst schufen diese Künstlerinnen in verschiedenen Ländern ein neues ‚Bild der Frau‘ aus weiblicher Perspektive. Für diese Bewegung prägte Gabriele Schor, Gründungsdirektorin der Sammlung Verbund, den Begriff „Feministische Avantgarde“ mit der Absicht, dass diese kollektive Pionierleistung gebührend in die Kunstgeschichte aufgenommen wird.
„Das Private ist politisch“
Vor dem Hintergrund der 68er-Studentenbewegung, der Bürgerrechts- und Antikriegsbewegung sowie der „sexuellen Revolution“ formierte sich in westlichen Ländern eine zweite Frauenbewegung. Frauen erkannten, ihre sogenannten „privaten“ Probleme sind nicht naturgegeben, sondern entstehen aufgrund gesellschaftlicher Macht- und Herrschaftsverhältnisse. Sie lehnten sich gegen gesetzliche Diskriminierung auf, wonach der Mann das Familienoberhaupt war und allein entscheiden konnte, etwa ob die Ehefrau außerhalb der Familie erwerbstätig ist, wo die Kinder in die Schule gehen oder ob sie ins Ausland fahren dürfen. Die Überzeugung wuchs: Das Private ist politisch!
Die Ausstellung im Lentos Kunstmuseum zeigt, dass sich alle Künstlerinnen mit ähnlichen Themen beschäftigten. So ist die internationale Schau in fünf Bereiche gegliedert: das Aufbegehren gegen die eindimensionale Wahrnehmung nur „Mutter, Hausfrau und Ehefrau“ zu sein, das daraus resultierende Gefühl „Eingesperrt-zu-sein“ und ausbrechen zu wollen, das Aufbegehren gegen das „Diktat der Schönheit“ und die Konzentration auf den weiblichen Körper, das Ausloten, was „weibliche Sexualität“ sein kann, schließlich der Entwurf mannigfaltiger weiblicher Identitäten mit „Rollenspielen“.
„Spannend ist zu beobachten, dass viele Künstlerinnen sich untereinander nicht kannten und dennoch ähnliche Bildstrategien schufen“, erklärt Gabriele Schor, Kuratorin und Leiterin der Sammlung Verbund.
Neue Medien im Einsatz
Die Künstlerinnen wandten sich bewusst neuen, historisch unbelasteten Medien wie Fotografie, Film und Video zu und nutzten die Performance als künstlerisches Ausdrucksmittel. Oftmals war es der eigene Körper, der zum Material, zum Code oder Chiffre für die Kunst wurde. Humorvoll und ironisch, subtil und provozierend dekonstruierten sie die traditionelle Ikonographie des Weiblichen. „Dem Lentos ist es ein Anliegen, revolutionäre Ansätze feministischer Künstlerinnen einem breiten Publikum bekannt zu machen und den damit verbundenen politischen Forderungen Gewicht zu verleihen“, bekundet Hemma Schmutz, künstlerische Direktorin des Lentos.


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