David Wagner wagt den Versuch von Fair Pay in der freien Kulturszene
LINZ. „Es war an der Zeit, meinen eigenen Impro-Pool einzulassen“, lacht David Wagner. Unter dem Namen „Wagner & Co ––Alles Impro!“ versammelt der Linzer Pianist neun der besten Impro-Spieler Österreichs um sich. Fixe Heimstätte ist der Posthof, wo am 17. März die Premiere ihrer „IchDuErSieEs“-Show gefeiert wird.

Nach sieben Jahren bei den Impropheten, zehn Jahren bei den Zebras und insgesamt über 500 absolvierten Impro-Shows mit mehr als 200 Bühnenpartnern war es Zeit für etwas eigenes - und das ist handverlesen und preisgekrönt: mit dabei sind Jacob Banigan, Pia Hierzegger, Magda Leeb, Helmut Schuster, Manuel Thalhammer, Daniela Wagner, Manuela Wieninger, Barbara Willensdorfer und Markus Zett. „Mit jedem dieser glorreichen Neun habe ich im Schnitt schon 60 Mal die improvisierende Bühne geteilt“, freut sich der Linzer über das Vertrauen. In wechselnden Besetzungen bringt die Truppe künftig je nach Anlass und Auftrittsort ihre maßgeschneiderten Impro-Shows auf Österreichs Bühnen.
Offizieller Startschuss ist am Donnerstag, 17. März, mit der Premiere der „IchDuErSieEs“-Show, die regelmäßig im Linzer Posthof zu sehen sein soll. Dazwischen ist das Ensemble zu Gast bei Festivals, Großveranstaltungen und auch regionalen Kulturveranstaltern. „Zum ersten Mal in 27 Jahren Theaterspektakel Wilhering bringen wir im Sommer Improtheater in den Stiftsstadel“, so Wagner.
Das Ensemble setzt aber auch auf die Ausbildungsschiene. Los geht's mit zwei Workshops für Amateure mit Jacob Banigan am 18. und 19. März im Posthof. „Ich möchte unbedingt vermitteln, was für eine ernsthafte und hochwertige Kunstform Improvisationstheater ist“, so Wagner. Restplätze sind noch frei: info@alles-wagner.at
Theaterprojekt mit Kostenwahrheit
Die Geburtsstunde eines eigenen Ensembles nutzt der Linzer auch für einen Selbstversuch: Und zwar, ob Fair Pay in der Freien Szene in OÖ möglich ist.
„Nach Empfehlung eines Honorarspiegels für selbstständige Kulturarbeit, der in Ableitung des GPA-Gehaltsschemas für Vereine erstellt wurde, sollte ich nach 25 Berufsjahren für die Produktionsleitung einen Stundensatz zwischen 40 und 60 Euro verrechnen“, erzählt der Musiker. Stattdessen erledigte er etwa 2013 die Produktionsleitung einer Freien Produktion um einen Stundenlohn von 5,56 Euro brutto. Es geht aber auch noch billiger: Für das Solo-Programm „Alles Wagner“ im Jahr 2016 weist seine „Lieblingshonorarnote“ für die künstlerische Erstellung des Programms (Komposition, Liedtexte, Moderationen, Einstudierung)“ den Betrag von einem symbolischen Euro aus. „Ein zweiter Euro war im Produktionsbudget leider nicht drinnen“, so Wagner.
Für sein neues Projekt hat er deshalb unverrückbare Fair Pay-Richtlinien aufgestellt – mit eigenem finanziellen Risiko über 10.000 Euro. Ein Jahr lang wird er alle Ensemblemitglieder sowohl für künstlerische als auch für organisatorische Arbeiten fair bezahlen. Letztere sind mit 15 Euro pro Arbeitsstunde zwar alles andere als fürstlich bezahlt, aber dennoch deutlich besser entlohnt, als Wagner es gewohnt ist.
Der sechsstellige Betrag, den die Bezahlung fairer Auftrittshonorare und die Abgeltung sämtlicher organisatorischer und künstlerischer Tätigkeiten zur Folge haben, soll durch zwei Säulen gedeckt werden. Erstens: „Das, was ich selber heranschaffen kann, wie Kartenerlöse, Auftrittseinnahmen und Sponsoring, die einen Eigendeckungsgrad von 55,5 Prozent ergeben, was in der Kultur ein durchaus beeindruckender Wert ist.“ Angesichts zahlreicher vereinbarter Gastspiele und erfolgreicher Sponsoring-Akquise darf gehofft werden, dass dieser Wert tatsächlich erreicht wird. „Aber selbst wenn, braucht es immer noch die zweite Säule, nämlich die öffentliche Hand“, so Wagner. Mit aber bisher keiner einzigen fixen Zusagen ist die Ausgangslage hier bedeutend schlechter.
Fakten und die Hoffnung, dass sich irgendwann was ändert
Ungeachtet dieses Zwischenstandes wird Wagner an der Bezahlung von fairen Honoraren bis zum Ende des Jahres 2022 unverdrossen festhalten. Danach folgt ein Kassasturz. Der Linzer möchte aber weder als Raunzer oder Miesmacher verstanden werden: „Ich mache meinen Job wahnsinnig gern und möchte mit niemandem tauschen. Aber ich möchte Fakten auf den Tisch legen, von denen ich denke, dass sie repräsentativ sind für viele Menschen, die in der freien Kulturszene arbeiten. In der Hoffnung, dass sich daran irgendwann was ändern, nach dem Motto 'die Kinder sollen's mal besser haben'.“


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