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KIRCHSCHLAG/LINZ/WIEN. Anfangs nicht für die Ohren anderer geschrieben, hat sich Clemens Bäre unter dem Künstlernamen doppelfinger zum Glück dann doch vor Publikum gewagt. Auf seinem Debütalbum „by design“ fasst der frühere Kirchschlager kleinere und größere Krisen einer Existenz, die jeder kennt, in ehrliche Worte, ohne hoffnungslos zu sein.

Unter dem Künstlernamen doppelfinger hat Clemens Bäre sein Debütalbum veröffentlich. (Foto: Alex Gotter)

„Ich hatte nie darüber nachgedacht, dass die Lieder mal jemand hört. Ich wollte eigentlich nur ausprobieren, ob ich das überhaupt kann“, blickt der 24-Jährige zurück, der seine Jugend in Kirchschlag verbrachte und dort mit „a place to go“ auch den ersten Song fürs Album niederschrieb: „Als ich dann 2019 nach Wien gezogen bin, wollte ich unbedingt live spielen und war dadurch quasi gezwungen diese Lieder auch vorzutragen.“ Gruselig sei es im ersten Moment gewesen, weil die Lieder zum Teil sehr persönlich sind.

„Es war für mich schnell klar, dass ich eh nicht irgendwas schreiben könnte, wo ich mich selber zensieren oder verstellen müsste. Ich finde, es wird viel zu wenig ehrlich über persönliche Problematiken kommuniziert, die ja jeder hat. Jeder kennt eine depressive Phase, das ist nichts Unnormales. Warum sollte ich dann Lieder schreiben, in denen immer alles total easy ist, wenn jeder weiß, dass es nicht so ist.“ Die zustimmende Resonanz hat ihn zusätzlich bestärkt.„Wenn ich die Themen ehrlich in meiner Musik transportiere, dann gebe ich dem Zuhörer die Möglichkeit, sich wiederzufinden. Wenn ich mich aber aus Angst heraus, jemanden zu vergraulen, verstelle, dann werden sich die Menschen nicht mit meiner Musik verbinden können.“

Spannender Kontrast von Positivem und Negativem

Dementsprechend sei es „auch keine reine Partymusik“, lacht Clemens Bäre: „Man kann in der Musik gut vorzeigen, dass man etwas in einen schönen Rahmen packen aber doch ein schweres Thema besingen kann. Es soll nicht düster klingen, aber auch nicht wunderschön und glatt sein. Ich finde es einen spannenden Kontrast, das Positive und das Negative gegenüber zu stellen.“ Eine Art Rebellion gegen den schnelllebigen, opulenten Pop-Zeitgeist.

An mancher Stelle scheint doppelfingers Musik einem vergangenen Jahrzehnt zu entstammen: mit dylanesquem Mundharmonika-Spiel, 60er-Witmark-Tape-Sound-Ästhetik oder 80er-Springsteen-Gitarren. Zusammengefasst sieht er seinen Stil im Indie-Folk, „ich bin ein kleines Gitarrenkind.“

Der Traum von einer Tour durch Amerika

Sein Musikstil lässt ihn auch einen großen Traum verfolgen, eine kleine Tour durch Amerika zu spielen, „weil die Musik ja von dort kommt, das hab ich mir in meiner Jugend schon immer gewünscht, das hat sich einfach immer naheliegend angefühlt.“

Bis es soweit ist, stehen aber kurzfristig am Plan, so viel wie möglich live zu spielen und ein zweites Album zu produzieren. Ob er sich irgendwann vorstellen kann, statt auf Englisch auf Deutsch zu singen: „Das seh ich jetzt nicht, aber das haben bisher alle gesagt, mal schauen, maybe.“

Nächstes Live-Konzert in OÖ:
Samstag, 21. Mai, röda, Steyr
Karten: www.röda.at

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