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LINZ. Vor 200 Jahren entstand das erste dauerhaft fixierte Foto der Geschichte. Dieses Jubiläum nimmt das Lentos Kunstmuseum Linz zum Anlass für eine außergewöhnliche Ausstellung: „Spuren der Wirklichkeit“ vereint rund 150 Exponate aus den Sammlungen der Museen der Stadt Linz und zeigt, wie sich Fotografie zwischen Technik, Kunst und Dokumentation entwickelt hat – von den Anfängen bis ins Zeitalter von Künstlicher Intelligenz. Zu sehen bis 16. August.

Ausstellungsansicht zur neuen Ausstellung im Lentos. (Foto: Rainer Iglar)
  1 / 4   Ausstellungsansicht zur neuen Ausstellung im Lentos. (Foto: Rainer Iglar)

Wie entsteht ein Foto? Was macht ein Bild glaubwürdig? Und wie hat sich unser Blick auf die Wirklichkeit in den vergangenen 200 Jahren verändert?

Diesen Fragen widmet sich die Ausstellung „Spuren der Wirklichkeit“. Die Schau spannt einen Bogen von den frühesten fotografischen Arbeiten aus dem Jahr 1839 bis zu Werken, die erst 2025 entstanden sind.

Fünf Themenbereiche

Statt einer chronologischen Präsentation gliedert Kuratorin Sarah Jonas die Ausstellung in fünf Themenbereiche: Der Apparat, Das Licht, Das Material, Die Referenz und Die Zeit.

„Die Ausstellung geht von der Frage aus, welche grundlegenden Bedingungen Fotografien, unabhängig von ihrer Entstehungszeit, miteinander verbinden“, erklärt Kuratorin Jonas. Historische und zeitgenössische Arbeiten würden dabei bewusst miteinander in Dialog treten. Gerade in einer Zeit, in der digitale Bildproduktion und KI das Verständnis von Fotografie verändern, sei die Auseinandersetzung mit den technischen, materiellen und inhaltlichen Grundlagen des Mediums besonders wichtig.

Auch seltene Kameras

Zu sehen sind nicht nur berühmte Fotografien, sondern auch seltene Kameras, Fotogramme, Collagen und experimentelle Arbeiten. Im Kapitel „Der Apparat“ wird etwa gezeigt, wie technische Entwicklungen die Bildgestaltung beeinflussen. Historische Kameras treffen hier auf zeitgenössische Werke, die die Fotografie selbst zum Thema machen.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem Licht – der grundlegenden Voraussetzung jeder Fotografie. Kameralose Fotogramme von Künstlern wie László Moholy-Nagy oder Man Ray zeigen, wie Licht selbst zum Gestaltungsmittel werden kann. Andere Arbeiten nutzen Blitzlicht, Schatten oder Langzeitbelichtungen, um neue Bildwelten entstehen zu lassen.

Historische Verfahren

Besonders anschaulich wird die Vielfalt fotografischer Techniken im Kapitel „Das Material“. Dort sind historische Verfahren wie Daguerreotypien, Ambrotypien oder Cyanotypien ebenso vertreten wie zeitgenössische Arbeiten, bei denen Fotografien geschnitten, gefaltet oder überarbeitet werden. So wird deutlich, dass Fotografie nicht nur Bild, sondern auch Objekt sein kann.

Zwischen Fotografie und Wirklichkeit

Aktuelle Fragen stehen im Abschnitt „Die Referenz“ im Mittelpunkt. Er untersucht das Verhältnis zwischen Fotografie und Wirklichkeit. Schon früh wurden Bilder retuschiert oder inszeniert. Heute werfen digitale Bildbearbeitung, algorithmisch erzeugte Bilder und künstliche Intelligenz neue Fragen nach Wahrheit und Glaubwürdigkeit auf. Die Ausstellung zeigt, dass diese Diskussion die Fotografie seit ihren Anfängen begleitet.

Das letzte Kapitel widmet sich der Zeit. Historische Dokumentationsaufnahmen treffen auf zeitgenössische Werke, die Erinnerung, Vergänglichkeit und Dauer thematisieren. Fotografien werden dabei nicht nur als eingefrorene Momente verstanden, sondern auch als Träger von Geschichten und Spuren vergangener Zeiten.

Rahmenprogramm

„Fotografie war immer eng mit technischen Entwicklungen verbunden, gleichzeitig war sie von Beginn an ein künstlerisches Experimentierfeld“, sagt Lentos-Direktorin Hemma Schmutz. Das Jubiläum biete die Gelegenheit, Geschichte und Gegenwart des Mediums neu zu betrachten und seine anhaltende Bedeutung sichtbar zu machen.

Begleitend zur Ausstellung werden Kuratorinnen-Führungen, Workshops und Dialogformate angeboten, darunter ein Workshop zu historischen Fotografietechniken sowie eine Dialogführung mit dem Salzburger Fotohof-Leiter Rainer Iglar und Kuratorin Sarah Jonas.

Alle Infos und Termine: lentos.at


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