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Ars Electronica: EU-Starts-Prize geht an Musik-DNA und das Projekt "Print Rock"

Karin Seyringer, 16.05.2017 11:20

LINZ. (APA) Der zweite Starts Prize der EU-Kommission, verliehen von der Ars Electronica, dem belgischen Bozar und der Waag Society (NL), geht an „I'm humanity“ der Japanerin Etsuko Yakushimaru und „Rock Print“ des Architekten-Duos Gramazio Kohler mit dem Self-Assembly Lab des MIT. Die beiden jeweils mit 20.000 Euro bedachten Preisträger sowie zehn Anerkennungen wurden in Linz vorgestellt.

Gewinner "Rock Print" Foto: Gramazio Kohler Research
  1 / 4   Gewinner "Rock Print" Foto: Gramazio Kohler Research

2.977 Einreichungen aus 97 Ländern folgten auf einen weltweiten open call und Empfehlungen von 13 internationalen Beratern. Daraus nominierte ein Komitee 30 Projekte, aus denen eine Jury die Sieger kürte. Ars-Electronica-Leiter Gerfried Stocker betonte, dass die Preise nicht aus der Kultur finanziert, sondern mit Horizon 2020 eine „knallharte Wirtschaftsförderung“ erhalten. Der Starts Prize sei „eine neue Dimension in der Frage, wie können künstlerische Arbeiten zur Weiterentwicklung unserer Gesellschaft beitragen?“.

Musik in bakterieller DNA konsverviert

Etsuko Yakushimaru erhielt den Grand Prize Artistic Exploration für ihre Konservation von Musik in einer bakteriellen DNA. Mit mehreren Wissenschaftern gemeinsam hat der japanische Popstar die codierte Musik in Bakterien eingepflanzt. Sie will damit erreichen, dass Musik auch in einer Zukunft ohne Menschen existiert und von einer auf uns folgenden Spezies wiederentdeckt werden kann.

Neue Möglichkeiten für die Architektur

Der Grand Prize Innovative Collaboration zeichnet das Projekt „Rock Print“ aus, das erstmals 2015 bei der Architekturbiennale in Chicago zu sehen war. Dabei wird die Installation Schicht für Schicht aufgebaut: Ein Roboterarm legt eine Schnur in einem Muster aus, darüber kommt loser Kies, dann folgt wieder Schnur, bis die ganze Skulptur vier Meter hoch und in sich selber stabil ist. „Jamming“ heißt das physikalische Prinzip dahinter, das im Kleinen schon länger untersucht wird, aber hier in einem Maßstab für die Architektur durchgeführt wurde, sagten die beiden Architekten Fabio Gramazio und Matthias Kohler via Skype.

„Entscheidend ist, dass es nicht bei Installationen bleibt, sondern es auch in die Bauindustrie fließen kann“, betonte Gramazio. Kohler wies darauf hin, dass es Kies und Faden fast überall gebe und das Bauwerk auch leicht wieder demontiert werden kann, indem man den Faden zieht.

Auszeichnung für junge Linzerin

Unter den zehn Anerkennungen finden sich Arbeiten wie das „3arabizi Keyboard“, das ermöglicht, arabisch auf Tastaturen mit lateinischen Buchstaben zu schreiben, „Blink: Humanising Autonomy“, ein Kommunikationsgerät, das Fußgänger für autonome Fahrzeuge visualisiert, „Treelab“, deren Schöpfer Bäumen beim Wachsen zuhören wollen, und „nonvisual-art“ der jungen Linzerin Eva Buttinger, ein Bild, das sichtbar und unsichtbar zugleich ist.

Die 19-jährige hat ihr Projekt im Rahmen ihrer Diplomarbeit an der HBLA für Künstlerische Gestaltung Linz erarbeitet. Mittels Zellophan-Folien und in Kleber festgesetzten Luftbläschen wird das einfallende Licht kunstvoll gebrochen. Naturwissenschaft wird dabei zum bildnerischen Werkzeug: Zunächst unsichtbares Licht wird per Polarisationsfilter in sichtbare Farben zerlegt und anschließend zu einem Bild geformt. Durch eine 3D-Brille betrachtet wird das Bild sogar zum Raum. Lisa Buttinger hat diese „Zauberwelt“ Stück für Stück akribisch zusammengebaut.

Die Projekte sind beim Ars Electronica Festival von 7. bis 11. September in Linz und anschließend in Brüssel im Zentrum für bildende Kunst Bozar zu sehen.


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