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Aktuelle Corona-Lage in Österreich: Erste valide Evaluierung am Freitag

Karin Seyringer, 24.03.2020 11:57

OÖ. Erste valide Evaluierungen der aktuellen Corona-Maßnahmen soll es am kommenden Freitag geben. Das gab die Bundesregierung vor wenigen Minuten (24. März, 11 Uhr) bekannt. Ziel sei es, mit 14. April schrittweise Maßnahmen wieder zurückzunehmen.

Gesundheitsminister Rudi Anschober. Foto: Volker Weihbold
Gesundheitsminister Rudi Anschober. Foto: Volker Weihbold

Bundeskanzler Sebastian Kurz, Vizekanzler Werner Kogler, Innenminister Karl Nehammer und Gesundheitsminister Rudolf Anschober informierten heute über die aktuelle Lage zum Coronavirus.

Erste valide Evaluierung am Freitag

„Ich bin mir vollkommen bewusst, dass es eine extreme Anstrengung ist, das soziale Leben auf ein Minimum zu reduzieren“, dankt Bundeskanzler Sebastian Kurz einmal mehr der Bevölkerung. Und er dankt all jenen, die aktuell über sich hinauswachsen, seien es die vielen Freiwilligen oder jene, die im Gesundheitssystem arbeiten.

Am kommenden Freitag (27. März) sollen erste valide Evaluierungen zu den Maßnahmen kommen. Erst dann kann gesagt werden, mit welchem Szenario Österreich rechnen muss.

Ziel sei es, Maßnahmen mit 14. April schrittweise wieder zurückzunehmen, so Kurz. Ob dies tatsächlich möglich sei, kann jetzt noch nicht gesagt werden. „Es wird nicht von heute auf morgen wieder so sein, wie es vorher war“, so Kurz.

Drei Prioritäten der Maßnahmen derzeit

Drei Prioritäten stehen aktuell im Mittelpunkt.

Erstens: Regeln einhalten – „das Verhalten, dass wir alle an den Tag legen, hat direkte Auswirkungen darauf, wie es uns in ein paar Wochen gehen wird“, so Kurz. Jene, die sich nicht daran halten, werden restriktiv von der Polizei gestraft.

Zweitens: Kapazitäten schaffen. „Neben gutem medizinischen Personal und ausreichend Betten für den Ernstfall braucht es Schutzausrichtung.“ Lieferungen kommen unter anderem aus der Volksrepublik China, die ersten fünf Millionen Masken sollen diese Woche in Österreich eintreffen.

Auch wird jetzt stark auf Testungen gesetzt. „Je mehr wir testen, desto besser“. Auf 15.000 pro Tag sollen die Testungen ausgebaut werden. Auch will Österreich auf Schnelltests setzten. „Wir sind hier gerade in der Endabstimmung“, so Kurz.

Eine besondere Herausforderung besteht im Bereich der Pflege, hier wird mit großem Ausfall gerechnet. Zivildiener wurden mobilisiert, 100 Millionen Euro werden in die Hand genommen, um die Pflegearbeit in Österreich zu unterstützen.

Drittens: Arbeitsplätze in Österreich bestmöglich schützen. „Die Kurzarbeit ist ein perfektes Modell, um Arbeitslosigkeit zu verhindern. Ich ersuche alle Unternehmen, darauf zu setzen“, so Kurz. Das Paket für die Härtefälle wird gerade finalisiert, ab nächster Woche sind Auszahlungen möglich. Die Notfallhilfe soll ebenfalls schon ab nächster Woche ausgezahlt werden können.

Sport: Appell von Kogler

Vizekanzler Werner Kogler appelliert im Bereich des Sports, die Freiheit zur Bewegung nicht zu sehr auszunützen. Sich stundenlang bei Touren im Freien zu bewegen, sei nicht die Idee der Maßnahmen. Für kurze Zeit kann man sich im Freien bewegen. Ansonsten würde sich der Bund gezwungen sehen, hier nachzuschärfen, so Kogler.

Auch Kogler rät, die Kurzarbeit zu nutzen. „Diese Kurzarbeit ist im europäischen Vergleich einmalig, diese intensive und rasche Ausrollung gibt es nur in Österreich.“ Insgesamt werde es für die Wirtschaft einen Neustart und einen Wiederaufbau brauchen.

Zuwachsraten: Gesamttrend verbessert sich 

„Die ganze Welt ist mittlerweile betroffen, die Zahlen steigen. Die einzige Ausnahme ist China, wo mittlerweile eine absolute Stagnation erreicht ist“, so Gesundheitsminister Rudi Anschober. Italien ist mittlerweile die Nummer zwei hinter China mit 64.000 bestätigten Erkrankungsfällen und über 6.000 Todesfällen. „Das zeigt die Dramatik dort“, so Anschober. Ganz starke Zuwächse verzeichnen auch die USA mit über 46.000 Erkrankungsfällen.

Österreich hat nach wie vor starke Steigerungen - aber es gibt eine Besserung bei den täglichen Zuwachsraten. Die letzten Tage lag man etwa bei 20 Prozent oder knapp darunter. „Das ist weitaus noch nicht unser Ziel, aber der Gesamttrend hat sich verbessert“, so Anschober. Die deutliche Steigerung in Tirol liege an Verzögerungen bei der Einspeisungen der Zahlen. „Wir haben einen Peak in Tirol“, so Anschober. 

„Die Schwierigkeit ist, dass sich alle, die mitmachen, einen Erfolg erwarten. Die ganz große Auswirkung ist aber noch nicht zu sehen, wir haben eine Zeitverzögerung“, so Anschober.

Ziel: Verdoppelung nur alle 14 Tage

„Ziel ist es, dass sich die Ansteckungen nur alle 14 Tage verdoppeln und nicht alle zwei bis drei Tage - und dass wir andere Maßnahmen finden, damit das auch so bleibt, wenn das gesellschaftliche Leben wieder hochfährt“, so Kurz. Analysiert wird dazu das Vorgehen im asiatischen Raum nach Abklingen der akuten Krise. 

Testungen

Bei den Testungen sagt Anschober, dass die Ressourcen vollständig ausgenutzt werden. „Wir haben die Kapazitäten verzehnfacht in den letzten Wochen“. Es gebe den „Flaschenhals“ Weltmarkt und die Rohstoffverfügbarkeit. „Mir ist wichtig, dass wir da die Qualität wahren“, so Anschober. Bei den Schnelltests hofft er darauf, dass es rasch Schnelltests mit hoher Qualität gibt.

Sicherheitslage in Österreich

Die Menschen halten sich an die Regeln, so Innenminister Karl Nehammer. Ein 90-prozentiger Rückgang ist beim öffentlichen Verkehr zu verzeichnen, beim Individualverkehr gibt es einen Rückgang um die Hälfte. 

„Der wichtige Punkt ist: Die Maßnahmen dienen einem Zweck: Jeder, der sich daran hält, wird zum Lebensretter, alle andern zu Lebensgefährdern. Alle, die glauben, dass das Empfehlungen sind, irren sich, das sind Anordnungen. All jene die sich nicht daran halten werden konsequent angezeigt, und die Strafen sind heftig“, so Nehammer.

Es gibt einen Rückgang bei Einbruchsdiebstählen und einen Anstieg bei der Cyberkriminalität. Die Lage an den Grenzen hat sich laut Nehammer stabilisiert.  

Neuinfektionen wieder gestiegen

Nach einem Rückgang der Zuwachsraten ist die Zahl der Neuinfektionen zuletzt wieder angestiegen. Mit Stand 24. März, 8 Uhr, gab es in Österreich 4.486 Infizierte und 25 Todesopfer. In Oberösterreich wurden 764 Infizierte gemeldet, die meisten Fälle hatte um 8 Uhr Tirol mit 1.067.


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