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"Entlassung eine notwendige und richtige dienstrechtliche Entscheidung"

Nora Heindl, 27.05.2020 11:05

LINZ. Weil er den OP-Tisch und auch das Haus in einer kritischen und und für den OP-Verlauf entscheidenden Phase verlassen habe, ohne für einen adäquaten Ersatz zu sorgen, begründet das Kepler Universitätsklinikum die Entlassung eines Oberarztes. Dieser hat Klage eingereicht. 

 (Foto: KUK)
(Foto: KUK)

Um nach der Entlassung eines Oberarztes auf die verständliche Verunsicherung in der Ärzteschaft zu reagieren, sucht die Leitung des Kepler Universitätsklinikums aktiv das Gespräch mit der Ärzteschaft. Auch ein Brief des Ärztlichen Direktors an alle Ärzte zu dem angesprochenen Vorfall folgte.

„Wir verstehen, dass es Unsicherheit und offene Fragen gibt, die wir in diesen Gesprächen und dem auch an alle Ärztinnen und Ärzte versandten Brief bestmöglich zu beantworten versuchen. Wir stehen zu unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und haben vollstes Vertrauen zu Ihnen“, erklärt Ferdinand Waldenberger, Ärztlicher Direktor des Kepler Universitätsklinikums in dem Brief. Man lebe eine Fehlerkultur, die aus Fehlern lernen will und die von „Bestrafung“ nach Fehlern und unerwünschten Ereignissen Abstand nimmt und das Lernen in den Vordergrund stellt. Wichtig erscheine es aber, die dienstrechtlichen Fragen von einem möglichen medizinischen Fehlverhalten auseinander zu halten.

„Das Verlassen des OP Tisches und des Hauses in einer kritischen und für den OP-Verlauf entscheidenden Phase, ohne durch eine Übergabe für einen adäquaten Ersatz zu sorgen, führten aus unserer Sicht zwingend zur Entlassung. Denn es gibt rechtliche Grenzen, die in diesem Falle eindeutig überschritten wurden. Daher sind wir der festen Überzeugung, im aktuellen Fall mit der Entlassung eine notwendige und richtige dienstrechtliche Entscheidung getroffen zu haben. Diese drastische Konsequenz darf in keinem Konnex mit den bisherigen Verdiensten und Leistungen des betroffenen Arztes im Sinne der Patientinnen und Patienten des Kepler Universitätsklinikums gesehen werden. Diese Konsequenz ist rein als Reaktion auf ein juristisch zu ahndendes Fehlverhalten zu sehen“, so Waldenberger.

Zum Hintergrund

Am Dienstag, 5. Mai 2020, wurde ein 77-jähriger Patient auf Grund eines Einrisses der Hauptschlagader mit dem Rettungshubschrauber in das Kepler Universitätsklinikum eingeliefert. Während der Herzoperation übergab der Oberarzt an den assistierenden Arzt und verließ das Klinikum, um einen Termin in seiner Privatpraxis wahrzunehmen. Kurz darauf starb der Patient.


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