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Stabilisierung der Corona-Neuinfektionen, aber "auf deutlich zu hohem Niveau"

Online Redaktion, 02.10.2020 13:01

Ö. Während die Zahl der Neuinfizierten weltweit zum Teil Rekordzuwächse verzeichnet, hat sich die Situation in Österreich zwischen 600 und 800 Neuinfizierten pro Tag eingependelt. Für Gesundheitsminister Rudi Anschober ist die Stabilisierung eine gute Zwischennachricht, „wenn auch auf einem deutlich zu hohem Niveau.“

Gesundheitsminister Rudi Anschober (Foto: Weihbold)
Gesundheitsminister Rudi Anschober (Foto: Weihbold)

„Tagtäglich steigt weltweit die Zahl der Infizierten und wir haben keine Indizien darauf, dass der Höhepunkt erreicht ist. Ganz im Gegenteil, in manchen Regionen werden Rekordzuwächse verzeichnet. Etwa in Israel, das lange Zeit für uns ein Modellland für die erfolgreiche Umsetzung der Maßnahmen war, jetzt aber trotz Lockdowns weiter mit massiven Zuwächsen zu kämpfen hat“, so Anschober. Auch direkte Nachbarn wie Ungarn, Slowakei und Tschechien verzeichnen hohe Zuwächse. Ausnahmen seien Italien, Schweiz und Deutschland.

600 bis 800 Neuinfizierte pro Tag

In Österreich sind die Zahlen zwischen 7. und 19. September wieder drastisch nach oben gegangen. „Unser erklärtes Ziel war es, diesen Anstieg zu kappen und mit Hilfe von Maßnahmen wieder zu schaffen, diese Kurve zu brechen“, so Anschober. Das scheint gelungen, noch vor zwei Wochen hätte es Prognosen in verschiedenste Richtungen gegeben. „Der Worst-Case wäre Ende September bei rund 2.500 Neuinfizierten pro Tag gelegen. Wir haben aber den Best-Case geschafft, nämlich die Stabilisierung auf etwa 600 bis 800 Fälle pro Tag. Trotz allem ist das eine Stabilisierung auf viel zu hohem Niveau.“

Mit heutigem Tag (2. Oktober) liegt die Zahl der Neuinfektionen bei 688 (an der Spitze Wien mit 266), die Zahl der Neugenesenen bei 710. Die Zahl der aktiven Fälle ist damit leicht auf 8.385 gesunken. Im Krankenhaus werden 472 Personen behandelt, davon 100 auf einer Intensivstation.

Rekordwerte werden laut Anschober in Österreich bei den Testungen erreicht. So wurden in den letzten 24 Stunden 21.839 Tests durchgeführt, im Frühling lag die Zahl bei zwischen 4.000 und 5.000 Tests pro Tag. Der September-Durschnitt liegt bei 14.570 Tests pro Tag.

Bewusstsein schärfen

„Unser erstes Ziel haben wir mit der Stabilisierung der Zahlen erreicht, in den nächsten ein bis zwei Monaten haben wir uns die Halbierung zum Ziel gesetzt“, so Anschober.  Erreicht werden soll das mit Hilfe der Corona-Ampel. Diese sei ein Zusatzinstrument, um das Österreich mittlerweile viele in Europa beneiden. Die Ampel sei wesentlich, um gezielt regional steigenden Zahlen gegensteuern zu können und auch das Bewusstsein der Bevölkerung für die Risikolage in den jeweiligen Bezirken zu schärfen. „Nur eine informierte Bevölkerung, wird die Maßnahmen mittragen.“

 „Ich stehe jeden Freitagmorgen mit allen Bezirkshauptleuten und Gesundheitsbehörden in Kontakt. Die Stimmung dabei ist sehr produktiv, niemand versteht die Ampel als Bestrafung sondern als Aufforderung wenn notwendig zusätzliche regionale Maßnahmen zu verankern, um gegen das Virus vorzugehen“, so Anschober. So hätten die Verantwortlichen des Bezirks Hermagor in Kärnten, der seit heute erstmals auf orange steht, schon in der Nacht auf das Ergebnis der Ampel-Kommission, die jeweils donnerstags tagt, reagiert und schon heute Früh Pläne für Maßnahmen präsentiert. In Regionen in Vorarlberg, die auf orange stehen, wurde etwa eine drastische Reduktion der Teilnehmerzahlen bei Veranstaltungen für drei Wochen fixiert. „Diese Bündelung von regionalen und bundesweiten Maßnahmen stärkt uns in Summe ganz massiv, auch in der Bewusstseinsbildung der Bevölkerung.“ Gerade in den nächsten Monaten, wenn die Temperaturen weiter sinken, werde die Ampel noch sehr hilfreich sein.  

Auswirkungen auf Wirtschaft

Jeder einzelne trage dazu bei, dass wir es als Team schaffen, zumal es nicht mehr nur um den Gesundheitsschutz geht. Denn die Pandemie habe auch direkte Auswirkungen auf die Wirtschaft. „Je höher die Infektionszahlen, je höher drohen die Arbeitslosenzahlen zu werden“, gibt Anschober zu denken. Vor allem der Tourismus sei betroffen. Hand in Hand mit sinkenden Zahlen würden auch die Reisewarnungen für Österreich wieder zurückgehen. „Wir stehen in engem Kontakt mit Deutschland, wenn die Zahlen nach unten gehen, werden auch die Reisewarnungen korrigiert werden.“

Im Hinblick auf das bevorstehende Wochenende meint Anschober: „Ich will keine Spaßbremse sein, ich weiß natürlich, dass mit dem Wochenende auch Feierlichkeiten anstehen. Deshalb mein dringender Appell, auch am Wochenende auf die Grundregeln wie Abstand halten und Hygienemaßnahmen nicht zu vergessen. Wir befinden uns in einer wichtigen Phase. Unser erstes Ziel der Stabilisierung haben wir erreicht, jetzt geht es darum die Zahlen schrittweise zu senken. Wir haben schon im Frühling gezeigt, dass wir gegen den europäischen Trend agieren können. Ich bin zuversichtlich, dass wir einen weiteren Lockdown vermeiden können.“


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