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LINZ/ST. FLORIAN/ST. RADEGUND. Im Rahmen seines Österreich-Besuches verbrachte Kurienkardinal Kurt Koch auch einen Tag in Oberösterreich. Das friedliche Zusammenleben in Europa stand dabei thematisch im Mittelpunkt.

  1 / 8   Besuch am Grab von Franz und Franziska Jägerstätter in St. Radegund in Anwesenheit der drei Töchter (Foto: Diözese Linz)

Landeshauptmann a.D. Josef Pühringer, Vorsitzender der Pro Oriente Sektion Linz, hatte Kurienkardinal Kurt Koch am Donnerstagmorgen in Salzburg abgeholt. Erste Station des Oberösterreich-Besuchs war das Grab des Seligen Franz Jägerstätter und seiner Frau in St. Radegund, wo bei einer liturgischen Feier die Reliquien des Kriegsdienstverweigerers verehrt wurden. Die drei Töchter des selig gesprochenen Märtyrers waren anwesend.

Gemeinsames Gespräch

Nach der Pressekonferenz war Kardinal Koch in Stift St. Florian zu Gast. Dort kam der Kurienkardinal mit Verantwortlichen von Pro Oriente Linz ins Gespräch und bekam eine musikalische Kostprobe durch die Florianer Sängerknaben. Danach folgte eine Begegnung mit Vertretern zahlreicher Konfessions- und Religionsgemeinschaften auf dem Pöstlingberg samt einem Besuch der Basilika. „Wir wollen das Miteinander der Christen in umfassendem Sinn vorantreiben“, betont Pühringer. Der Oberösterreich-Tag des Österreich-Besuchs von Kardinal Koch stand daher im Zeichen des Themas Europa. Pühringer: „Dieses Thema hat viel mit Ökumene zu tun. Es geht um die Frage, welche Rolle die christlichen Kirchen in einem ‚bunteren‘ Umfeld spielen können. Wir sind überzeugt, dass die Kirchen dabei sein sollen.“ Pro Oriente-Präsident Kloss erinnerte zudem daran, dass die Stiftung seit jeher als „Plattform des Dialogs mit den orthodoxen und orientalisch-orthodoxen Kirchen“ Wegbereiterin und Avantgarde in der Annäherung der Kirchen diene. Bei Ökumene gehe es nicht um Anpassung oder Gleichmacherei, sondern um ein „positives Verständnis von Differenz“, so auch Bischof Manfred Scheuer: „Wir bestärken und ergänzen uns, vielleicht korrigieren wir einander auch gelegentlich.“ Es gehe darum, miteinander in Geschwisterlichkeit und Freundschaft für das Evangelium einzutreten.“

Verküpfung von Humanität und Divinität

Am Abend referierte Kardinal Koch zum Thema „Wie steht es um die christliche Zukunft Europas? Reflexionen über Europas geistige Identität“ in den Kammerspielen des Landestheaters. „Europa kann nur bestehen, wenn es um seine geistigen Fundamente weiß. Ein Europa ohne geistige Ordnung wird zum Spielball der Mächte.“ Unter diese Worte des ehemaligen Erzbischofs von Wien, Franz Kardinal König, stellt Kurienkardinal Koch seine Überlegungen zur geistigen Identität Europas. Divinität und Humanität seien auf das Engste miteinander verknüpft. „Wo Gott aus dem gesellschaftlichen Leben verabschiedet oder mit überstrapazierter so genannter 'Toleranz' hinauskomplimentiert wird, besteht höchste Gefahr, dass auch die Würde des Menschen mit Füßen getreten wird“, so Koch. Kirche und Religion als nicht „systemrelevant“ zu betrachten, wie es in der Covid-19-Pandemie mitunter zu hören war, sei ein banaler Anachronismus. Personen, welche einen Migrations- und außereuropäischen Kulturhintergrund besitzen, „nehmen die eigentliche Bedrohung ihrer religiösen Identität gerade nicht im christlichen Glauben wahr, sondern in der weitgehenden Verdrängung Gottes aus dem gesellschaftlichen Bewusstsein in unseren westlichen Gesellschaften.“ Durch die Verdrängung der Religion werde damit auch der notwendigen Dialog, der erst ein friedliches Zusammenleben ermöglicht erschwert bzw. verhindert.

Im Anschluss lud Landeshauptmann Mag. Thomas Stelzer zu einem Empfang in die Redoutensäle.


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