Derzeit kein Cluster in Linz - Bürgermeister gegen Registrierungspflicht
LINZ. Gegen eine Registrierungspflicht in der Gastronomie sprechen sich der Linzer Bürgermeister Klaus Luger (SPÖ) und der Linzer Gesundheitsstadtrat Michael Raml (FPÖ)aus.

„Bisher waren rund 1.700 Menschen in Linz infiziert, wir haben rund 23.000 Menschen getestet“, so Dietmar Nemeth, Gesundheitsdirektor der Stadt Linz über die aktuelle Corona-Situation in der Stadt Linz. Ein Promille der Linzer ist aktuell aktiv infiziert, aber: „Derzeit gibt es keinen Cluster in Linz.“
Ansteckungen Großteils im Privaten
„Im Gegensatz zur Phase eins ergeben sich aber veritable Unterschiede“, so Bürgermeister Klaus Luger. So ist das Durchschnittsalter der Infizierten derzeit rund 30 Jahre. „Zwischen einem Drittel bis 40 Prozent der Menschen die positiv getestet werden, weisen keine Symptome auf.“ Dementsprechend sieht es auch bei den Todesfällen aus: „In der Phase 1 sind 16 Menschen verstorben.“ Nun seien es drei, trotz 30 bis 40 Prozent mehr Infizierter, so der Bürgermeister. „ 80 Prozent haben sich im privaten Rahmen angesteckt.“
„Registrierungspflicht in der Gastronomie sinnlos“
Dementsprechend erachtet er eine Registrierungspflicht in der Gastronomie auch als nicht sinnvoll: „Wenn 80 Prozent der Fälle im Privaten sind, dann hilft und die Registrierungspflicht nichts.“ „Wir haben derzeit in Linz keinen einzigen Corona-Fall, der nachweislich auf die Gastronomie zurückzuführen ist“, spricht sich auch Gesundheitsstadtrat Michael Raml gegen die Registrierungspflicht aus. Die Rückverfolgungsquote liegt in Linz derzeit bei über 90 Prozent. Zudem habe sich in Deutschland gezeigt, dass mit bis zu 30 Prozent falsch angegebenen Daten, die Registrierungspflicht oft wenig hilfreich sei.
Umsichtiges Verhalten gefordert
Dennoch spricht sich der Bürgermeister für ein umsichtiges Verhalten aus: „Es ist nicht damit getan mit Masken am Hauptplatz einkaufen zu gehen“, so Luger. „Wir werden disziplinierter sein müssen.“ „Was wir im Tracing sehen, ist das viele Menschen mit Symptomen in die Arbeit gehen und so weiter“, so Dietmar Nemeth, Gesundheitsdirektor der Stadt Linz. Dementsprechend appellieren Luger und Raml auch im Zweifelsfall zuhause zu bleiben. „Zu einem gemeinsamen Schulterschluss gehört auch, dass Menschen, die Symptome haben, keine Nachteile erfahren, wenn sie zuhause bleiben“, richtet sich Luger zudem an Unternehmen.
Senioren schützen
„Es gibt eine Gruppe an Personen die wir besonders schützen müssen“, führt Luger des weiteren aus. Dies sind die Senioren. Dementsprechend gibt es auch in den Seniorenheimen der Stadt Linz stärkere Kontrollen wie Fiebermessen. Auch gibt es eine Beschränkung der Anzahl der Besucher auf maximal zwei verschiedene Besucher pro Tag. Um eine Ausbreitung des Virus zu verhindern, gibt es keine Wechseldienste und die Pflege findet auf den Zimmern statt.
Kontakt-Tracing funktioniert
Beim Kontakt-Tracing sei man gut gerüstet: „Uns gelingt es nach wie vor mit unserem Personalstand binnen 24 Stunden alle Kontaktpersonen zu kontaktieren. Wir haben momentan eine Aufklärungsrate von 91 Prozent“, so Magistratsdirektorin Ulrike Huemer. Sollten die Zahlen weiter steigen, könne man Personal aufstocken. „Wir hätten Personal, das wir kontaktieren könnten“, versichert sie. „Wir haben auch räumlich die Ressourcen vorgehalten.“
Kritik an Luger durch ÖVP
Unverständnis zeigt Vize-Bürgermeister Bernhard Baier (ÖVP) gegenüber der Position von SPÖ-Bürgermeister Klaus Luger, dass er wenig von einer Registrierungspflicht in Gastronomiebetrieben halte, die seiner Ansicht nach zu zusätzlichen Verwirrungen führt, aber auch Unsicherheiten beim Nachweis der Identitäten von Gästen birgt. „Mit dieser Position sorgt Luger als Chef der Bezirksverwaltungsbehörde jedoch selbst für Verunsicherung – und das ist das Allerwenigste, was wir jetzt brauchen“, relativiert Baier. „Die besorgniserregende Entwicklung der Corona-Zahlen macht Maßnahmen notwendig, damit nicht gravierendere Schritte erfolgen müssen. Luger ist daher gefordert, nicht selbst für Unruhe zu sorgen, sondern gemeinsam Klarheit und Geschlossenheit zu signalisieren – denn nur, wenn an einem Strang gezogen wird, können wir letztlich auf die Akzeptanz und Mithilfe der Menschen zählen.“


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