"Universitäten sind Orte, wo man der Suche nach Wahrheit verpflichtet ist"
LINZ. Neun Absolventen haben im Wintersemester 2020/21 ihr Studium der Theologie, Philosophie und Kunstwissenschaft oder Religionspädagogik an der Katholischen Privat-Universität Linz abgeschlossen. Die feierliche Verleihung der akademischen Grade fand erstmals im Online-Format statt. Als roter Faden zog sich die Beleuchtung der Wahrheit durch die Veranstaltung.

Auch in dieser virtuellen Form, so hob Rektor Christoph Niemand in seiner Begrüßungsrede hervor, solle der Akt der Graduierung nichts an Feierlichkeit und Bedeutung verlieren: Neun Studierende haben durch ihre Leistungen einen Abschluss erreicht, haben auf ihrem Weg eine Stufe genommen. Wirklich und wahr werde das nun, indem man es gemeinsam begeht und feiert.
Daran schloss eine Reflexion über den Begriff der Wahrheit, der aus dem Bereich der Wissenschaft nahezu verschwunden sei. Man könne und wolle nicht zurück hinter die Kritik am Wahrheitsbegriff, hinter die auch schmerzhaften Lehren der Geschichte, was mit vermeintlichen Wahrheiten angerichtet wurde. Und dennoch: Müsse nicht Wahrheit neu gewonnen werden – gerade angesichts aktueller Ereignisse und Entwicklungen, wo, was wahr oder unwahr ist, zwischen alternativen Fakten zerrinnt? Wäre Wahrheit nicht zumindest als Sehnsuchtswort neu zu entdecken? Universitäten seien die Orte, wo man der Suche nach Wahrheit verpflichtet sei. Nicht als etwas, das man durchsetzt, sondern als etwas, das man bezeugt, unterstrich Rektor Niemand in seinen einführenden Worten.
Auch die beiden Promotoren der Graduierung, die Studiendekane Stephan Grotz und Michael Hofer, teilten ihre Gedanken über die Wahrheit mit den Teilnehmern. Stephan Grotz, Professor für Geschichte der Philosophie an der Fakultät für Philosophie und für Kunstwissenschaft, lenkte die Aufmerksamkeit darauf, dass Wahrheit kein Besitz sei, den man habe, oder etwas, das man einfach vorfinde. Wahrheit sei vielmehr zu suchen und zu erarbeiten. Michael Hofer, Professor für Theoretische Philosophie an der Fakultät für Theologie, beleuchtete einen anderen Aspekt des Themas. Die Suche nach der Wahrheit erfordere einen Raum der Freiheit. Die Universität ist ein solcher Raum. Sie bilde den institutionellen Rahmen, in dem sich das individuelle Wissen Wollen frei entfalten könne – und dies sei eine Voraussetzung für Erkenntnisgewinn.
Ergebnisse gelebter wissenschaftlicher Freiheit
In den wissenschaftlichen Abschlussarbeiten der Kandidaten aus den Fachbereichen Theologie, Philosophie und Kunstwissenschaft werden die Ergebnisse gelebter wissenschaftlicher Freiheit und das Streben nach Erkenntnisgewinn beispielhaft sichtbar: Die Themen reichen von der praktischen und theoretischen Auseinandersetzung mit der Grafiksammlung des Stiftes St. Florian (Bernadette Maria Kerschbaummayr), über die durchaus provokante Frage nach Kant als Mystiker in der Interpretation des Kant-Zeitgenossen Carl Arnold Wilmans (Christian Peter Rößner) und pastoraltheologische Reflexionen zum Bild von „Laien“ in der Seelsorge (Robert Andreas Janschek) bis hin zu Repräsentationsbauten des „Dritten Reiches“ (Anna Katharina Meta Bigus), einer philosophisch-politischen Lektüre Elfriede Jelineks (Johanna Mayrhofer) oder der Beschäftigung mit künstlerischen Interventionen der 1960er und 1970er Jahre (Malvine Miriam Nussbrücker).
An der stimmungsvollen Feier nahmen auch der Magnus Cancellarius der KU Linz, Bischof Manfred Scheuer, sowie Generalvikar Severin Lederhilger teil. Für die musikalische Umrahmung sorgte Elena Deinhammer.


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.
Jetzt anmelden