Katholische Kirche angesichts Situation in Spitälern in großer Sorge

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Nicole Dirnberger, 30.11.2021 13:41 Uhr

LINZ/OÖ. In Sorge und Verantwortung schaut die Katholische Kirche in Oberösterreich auf die systemrelevanten Bereiche Pflege und Betreuung. Die Pandemie verstärke bestehende Probleme vom Kindergarten bis zur Senioreneinrichtung. Die Caritas OÖ appelliert an die Politik, endlich Maßnahmen zu treffen, um die Belastungen für alle in der Pflege und Betreuung tätigen Menschen zu reduzieren.

„Mit einem klaren Blick benennen wir die Notlagen der Beschäftigten. Wir sehen die Ängste und die Beklemmung der Betroffenen. In Solidarität mit ihnen wollen wir Veränderungen anstoßen, damit Care-Arbeit in Zukunft so verrichtet werden kann, dass sie den Bedürfnissen beider Seiten gerecht wird“, sind sich Bischof Manfred Scheuer, Caritas-Direktor Franz Kehrer und KA-Präsidentin Maria Hasibeder einig. Ergänzend verweist Michaela Pröstler-Zopf, Leiterin des Bereichs mensch & arbeit, auf die nötige Wertschätzung und faire Entlohnung für die Arbeit jener, die sich um Kinder, Beeinträchtigte, Kranke und Pflegebedürftige kümmern.

Bischof Manfred Scheuer ist geprägt von seinem Besuch im Krankenhaus Braunau und spricht mit Hochachtung von der Leistung des Personals im Gesundheitssektor: „Mit eigenen Augen habe ich gesehen, wie das pflegende und medizinische Personal auf einer Corona-Intensivstation an die Grenze des Leistbaren kommt. Den Männern und Frauen wird Übermenschliches abverlangt. Sie machen ihre Arbeit mit Überzeugung, Hingabe und großer Professionalität. Es muss ein Anliegen der ganzen Gesellschaft sein, dass die Bereitschaft der Frauen und Männer, sich in diesen Berufen für Menschen einzusetzen, nicht ausgenutzt wird. Daher braucht es Rahmenbedingungen, die diese Arbeit menschenwürdig ermöglichen. Die Vorschläge der Mitarbeiter sollen dabei ernst genommen und berücksichtigt werden. Ich bin zuversichtlich, dass gemeinsam eine Lösung gefunden werden kann. Jeder Beitrag für menschenwürdige Arbeit stärkt den Zusammenhalt in der Gesellschaft und wird einem christlichen Menschenbild gerecht.“

Dramatische Zuspitzung

Die Betriebsseelsorge OÖ berichtet von einer drastischen Verschlechterung auch in anderen Arbeitsbereichen. Die Pandemie verstärkt bestehende Problemlagen vom Kindergarten bis zur Senioreneinrichtung: Überlastung, Probleme mit Schutzmaßnahmen, ungenügende Personalschlüssel, Unterbesetzungen, überbordende Dokumentationspflichten und Vieles mehr. 

„Als Betriebsseelsorge stehen wir klar an der Seite der Arbeitnehmer in diesen Bereichen. Wir unterstützen ihre dringenden Forderungen“, betont Michaela Pröstler-Zopf. So ist etwa in den Arbeitsfeldern mit kleinen Kindern ein Abstand-Halten der Beschäftigten illusorisch, da Nähe für diese entwicklungsbedingt sehr wichtig ist. Die generelle Personalknappheit im Kinderbetreuungsbereich verschärft sich seit Beginn der Pandemie durch Quarantänezeiten und Krankenstände zusätzlich und führt zu äußerst unbefriedigenden Notlösungen. „Das geht zulasten der Kinder“,  sorgt sich eine Elementarpädagogin „und auch wir leiden unter diesen Bedingungen. Ich möchte für die Kinder, die mir anvertraut sind, gern eine gute Atmosphäre schaffen und die pädagogischen Anforderungen dabei erfüllen. Das ist schwer möglich, wenn ich gleichzeitig für zwei Gruppen verantwortlich bin und nebenbei auch noch die Büro- und Elternarbeit machen muss.“

Große Sorge herrscht auch in vielen Alten- und Pflegeheimen. Aufgrund des hohen Pflegebedarfs und des massiven Personalmangels gelingt es nicht mehr, alle Bedürfnisse abzudecken. Zeit für Gespräche mit Bewohner geht zulasten von täglicher Körperpflege oder Abdeckung der Grundbedürfnisse. Die Mitarbeiter sind oftmals hin- und hergerissen. Eine Pflegerin bringt das so auf den Punkt: „Solange ich mich am Abend noch in den Spiegel schauen kann, bleibe ich.“ Viele arbeiten unter großer physischer und psychischer Belastung in Teilzeit und selten bis zur Pension. Mit den zur Verfügung stehenden Ressourcen kann in Zukunft die Pflege und Betreuung alter Menschen nur ungenügend erfüllt werden.

Arbeit mit und für Menschen hat einen hohen Wert

Die Präsidentin der Katholischen Aktion OÖ Maria Hasibeder betont, dass gesellschaftlich notwendige und wertvolle Arbeit auch gerecht entlohnt werden muss: „Es ist empörend, dass die Sorgearbeit, die Betreuung und Pflege nicht angemessen bewertet oder in den unbezahlten privaten Bereich abgedrängt wird. Nicht „die anderen“ oder „die Frauen“ sind zuständig. Pflege, Sorge, Betreuung sind so wie Bildung in jedem Menschenleben von existenzieller Bedeutung. Die Anerkennung dieser Basis, deren Absicherung und gerechte Bewertung sind daher Gradmesser einer gesunden Gesellschaft und somit eine wichtige Aufgabe der Politik.“ Maria Hasibeder ist sich sicher: „Erst die Verbindung von guter Wirtschaftsleistung und Sorge füreinander schafft Wohl-Stand und verhindert eine Spaltung unserer Gesellschaft.“

Dringender Appell der Caritas

Die Caritas OÖ ist Trägerin von vielen Einrichtungen und mobilen Angeboten beispielsweise für Senioren, Menschen mit Beeinträchtigungen sowie Kinderbildungs- und Betreuungseinrichtungen. Für pflegende Angehörige bietet sie Beratung und Entlastungsmöglichkeiten. Caritas-Direktor Franz Kehrer appelliert dringend an die Politik, endlich Maßnahmen zu treffen, um die Belastungen für alle in der Pflege und Betreuung tätigen Menschen zu reduzieren: „Die Versorgungsprobleme in der Pflege und Betreuung sind seit Jahren bekannt und durch die Pandemie nun derart massiv, dass die Mitarbeiter vielfach seit Jahren überlastet sind. Seit Beginn der Pandemie stehen sie an vorderster Front der Pandemiebekämpfung. Diese Mitarbeiter brauchen nun eine Perspektive. Es braucht nun endlich die Pflegereform, die eine Lösung für die Belastungen des Personals ebenso wie für pflegende Angehörige beinhaltet.“

Mehrfach hat die Caritas bereits auch auf die Belastungen des Personals und den Fachkräftemangel in den Kinderbetreuungseinrichtungen hingewiesen: „Die zunehmenden Anforderungen bei einer zu hohen Anzahl an Kindern in einer Gruppe schrecken viele vom Einstieg in den Beruf der Elementarpädagogik ab, andere steigen bald wieder aus“, so Franz Kehrer. „Es braucht dringend eine Verbesserung der gesetzlich vorgegebenen Rahmenbedingungen.“

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