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LINZ. Angst, Stress, Scham: Ein Termin im Amt, in der Bank, aber auch beim Arzt kann gerade für Menschen in schwierigeren Lebenslagen zum emotionalen Spießrutenlauf werden. Eine Begleitung würde Sicherheit vermitteln, doch nicht immer ist eine zur Stelle. Das Pilotprojekt „mitgehn“ möchte diese Lücke schließen.

In Begleitung fällt vieles einfach leichter. (Foto: Nell Leidinger)
  1 / 2   In Begleitung fällt vieles einfach leichter. (Foto: Nell Leidinger)

Menschen in schwierigen Lebenslagen erleben Situationen, in denen sie sich abwertend und ungerecht behandelt fühlen. Diese Erfahrungen von Beschämung gehen nicht spurlos vorüber, sie hinterlassen Stress und psychische Belastungen. Eine Begleitperson würde ein Gefühl der Sicherheit vermitteln, doch gerade prekäre Lebenslagen wie Arbeitslosigkeit oder Armut führen häufig zur sozialen Isolation, weshalb es an Freunden fehlt, die man bitten könnte.

Hier setzt das Pilotprojekt „mitgehn“, ein Freiwilligenprojekt des Unabhängigen LandesFreiwilligenzentrums (ULF) in Kooperation mit der Armutskonferenz, an: Freiwillige begleiten zu Ämtern, Behörden, Terminen bei Schulen, Vermietern, Arbeitgebern, Banken, Versicherungen und mehr. Das Angebot ist kostenlos und auch mehrmals nutzbar.

Gelungener Projektstart

Ende März wurden in Linz die ersten Freiwilligen ausgebildet, Anfang April erfolgten die ersten Begleitungen. „Gleich in der ersten Runde hatten wir 16 Freiwillige in Schulung“, freut sich Lisa Himmelsbach, Ansprechpartnerin im ULF, die für Mai einen weiteren Schulungstermin plant.

Die Freiwilligen selbst sind bunt durchgemischt. „Viele sind Studierende, die etwa in der Ausbildung zum Sozialarbeiter stecken und Erfahrungen sammeln möchten. Wir haben aber auch Pensionisten, die der Gesellschaft etwas zurückgegeben möchten oder die früher in einem Amt oder einer Behörde gearbeitet haben und wissen, dass die Amtssprache eine eigene ist“, erzählt Himmelsbach. Aber auch Berufstätige sind darunter. „Es ist ein Termin, der per App ausgeschrieben wird. Wenn mir der Termin zeitlich passt, sage ich zu, wenn nicht, muss ich mich nicht rechtfertigen. Dadurch ist dieses freiwillige Engagement gut mit Arbeit und Privatem zu kombinieren“, weiß die ULF-Mitarbeiterin.

Fünf Begleitungen wurden in den ersten zwei Wochen absolviert. „Was auffällt ist, dass sich bisher nur Frauen bei uns gemeldet haben. Scheinbar tun sich Frauen immer noch eine spurweit leichter, nach Unterstützung zu fragen“, so Himmelsbach. Bei den Begleitungen ging es vorrangig um Termine in Gesundheitseinrichtungen. „Hier kann das Problem darin liegen, dass jemand vielleicht nicht so gut deutsch spricht und der Amtssprache nicht folgen kann. Den Arzt, der hierarchisch höher steht, zu unterbrechen, traut sich die Person dann aber nicht“, erklärt Himmelsbach, die aber betont, dass die Mehrzahl der Anfragen keinen migrantischen Hintergrund hat.

Projekt offen für alle

Um das Projekt „mitgehn“ in Anspruch nehmen zu können, braucht es nur wenige Voraussetzungen. Es muss bereits einen vereinbarten Termin geben und dieser muss in Linz stattfinden. Wichtig ist auch, dass der Begleitwunsch selbstständig bekannt gegeben wird. Eine Garantie auf Begleitung kann nicht gegeben werden.

Die Zielgruppe für „mitgehn“ wird in Oberösterreich bewusst offen gehalten. „Wir wollen Diskriminierung vorbeugen, da würde ich es diskriminierend finden, wenn ich jemanden beim Erstkontakt aufgrund von Einkommen, Familiensituation oder Herkunft ausschließen würde. Das frage ich auch nicht ab. Wenn ein Mensch einen Begleitwunsch hat, dann gibt es sicher einen Grund dafür. Wenn ich ihn erzählt bekomme, freue ich mich, wenn nicht, respektiere ich das“, schließt Lisa Himmelsbach.

Wer eine Begleitung sucht oder sich als Begleitung engagieren möchte, ist bei Lisa Himmelsbach richtig: 0664/2409193, lisa.himmelsbach@dieziwi.at
Mehr auf www.ulf-ooe.at/mitgehn/

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