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Corona – Talsohle könnte in OÖ erreicht sein, im Herbst kann rasch hochgefahren werden

Karin Seyringer, 03.06.2022 18:13

OÖ/LINZ. „Der Herbst wird wieder eine Welle bringen, das steht außer Frage“, sind Landeshauptmann Thomas Stelzer und Mediziner Bernd Lamprecht sicher. „Es kann alles sein – es kann sich zur normalen Krankheit entwickeln oder wie im letzten Herbst mit Delta zu einer Überlastung des Spitalssystems führen.“ Am Freitag informierte das Land über die Vorbereitungen auf den Herbst.

Symbolfoto (Foto: Dan74/stock.adobe.com)
  1 / 2   Symbolfoto (Foto: Dan74/stock.adobe.com)

Anhand von drei Szenarien bereitet sich das Land OÖ auf den kommenden Herbst vor: Die Pandemie geht in eine endemische Phase über, oder: es bestehe ausreichend hohe Immunität, die vorherrschenden Virusvarianten lösen eher milde Verläufe aus, aber es gibt hohe Fallzahlen, oder: Es verbreitet sich ein hochinfektiöser Erreger bei gleichzeitig niedriger Immunität.

Die Szenarien würden auf dem Tisch liegen, es fehle aber auch noch einiges vonseiten des Bundes, um genauer planen zu können. „Gibt es im Herbst einen angepassten Impfstoff, bleiben wir Testweltmeister, wie sehen die Quarantäneregeln aus“, so Stelzer. „Große Flexibilität ist in den Planungen nötig“, ergänzt LH-Stellvertreterin Gesundheits-Landesrätin Christine Haberlander. „Die Frage ist zum Beispiel: Wann gibt es neuen Impfstoff, wie viel ist dann da?“

Die Messlatten für die Vorbereitungen seien laut Stelzer jedenfalls weiter die Spitals-Auslastung und auch das Aufrechterhalten der kritischen Infrastruktur.

Talsohle könnte erreicht sein

Mit Freitag fünf Tage in Folge hat sich die 7-Tage-Inzidenz in OÖ bei etwa 130 eingependelt. Für Mediziner Bernd Lamprecht, Vorstand der Klinik für Lungenheilkunde am Kepler Uniklinikum, sei das ein Indiz, dass die „Talsohle bereits erreicht“ sei und die Infektionszahlen nun wieder nach oben gehen könnten. Auch wird damit gerechnet, dass es heuer deutlich früher als letzten Sommer/Herbst zu steigenden Zahlen komme.

Immunität nimmt stetig ab

Andere Varianten hätten Evolutionsvorteil und würden in den Vordergrund drängen. Lamprecht rechnet damit, dass die Fälle mit der Omikron-Subvariante BA.5 deutlich zunehmen wird. Aktuell liegt sie in OÖ bei etwa zehn Prozent. Dazu komme, dass die Immunität kontinuierlich abnehme. Die große Frage sei, wie sich kommende Wellen auf die Spitäler auswirken.

Impfung: Angebot bleibt bestehen

Weiter von zentraler Bedeutung sei die Impfung, sind sich Stelzer, Haberlander und Lamprecht einig. Laut Impfkoordinator Gerhard Durstberger werden aktuell pro Woche zwischen 2.500 und 4.000 Impfungen in OÖ durchgeführt. Das flächendeckende Angebot – in jedem Bezirk gibt es mindestens eine Impfstraße – bleibt weiter aufrecht. Auch, um im Herbst schnell reagieren zu können. Zudem soll in Zusammenarbeit mit dem niedergelassenen Bereich die Impfung bei den Hausärzten ausgeweitet werden. 70.000 bis 75.000 Impfungen pro Woche seien dann in Oberösterreich möglich, so Haberlander.

Auch werden wieder Gespräche mit der Wirtschaftskammer und der Industriellenvereinigung zu Betriebsimpfungen geführt, über die Bildungsdirektion werden wieder Impfaktionen an Schulen geplant. Über den Sommer gibt es neue „Impfinformationen“, „zielgruppengenau abgestimmt“, so Haberlander. Der Fokus werde auf die Auffrischungsimpfung gelegt.

Contact-Tracing: Mitarbeiter bleiben

Auch beim Contact-Tracing ist ein Hochfahren im Herbst sofort wieder möglich. Die 469 Mitarbeiter, die dafür eingestellt worden sind, sind weiterhin beim Land beschäftigt, mittlerweile mit anderen Aufgaben betraut, und können jederzeit wieder dafür eingesetzt werden. Beim Contact-Tracing sieht Haberlander aber auch die Notwendigkeit, dies „differenziert zu bewerten: Wann kann das noch einen Beitrag leisten bei den unterschiedlichen Wellen?“

Flächendeckendes Abwasserscreening

Mittels eines eigenen „OÖ Abwasserscreenings“ soll die epidemiologische Lage in Oberösterreich künftig noch besser eingeschätzt werden - besonders in Zeiten, in denen sich die Testungen auf niedrigem Niveau befinden. Ziel ist dabei die frühzeitige Identifikation von Trends hinsichtlich Fallzahlen und aufkommender Virusvarianten. Die flächendeckenden Auswertungen zweimal die Woche an nunmehr 26 Standorten ab Juli sollen ein aussagekräftigeres Bild über alle Bezirke zeigen. Mehr dazu hier.

Forderungen an den Bund

Mit den Vorbereitungen gibt es aus Oberösterreich auch Forderungen an den Bund, darunter des „fit machen“ des Datensystems, dass für einen neuen Ansturm gewappnet sein müsse, die Fristigkeit von Verordnungen, Maßnahmen und Erlässen müssten praktikabler sein, für den Grünen Pass bräuchte es eine „Alert System“ bei Ablauf der Impfung und die Länder sollten verstärkte in das Pandemiemanagement eingebunden werden.


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