Ukraine-Anlaufstelle schließt im Juli die Pforten auf der Landstraße

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Jürgen Affenzeller Tips Redaktion Jürgen Affenzeller, 09.06.2022 12:42 Uhr

LINZ/OÖ. Die Initiative „Sunua“ (Support Ukraine Now Upper Austria) wird bis 1. Juli den Standort auf der Linzer Landstraße offenhalten. Danach will man die intensive Hilfe für ukrainische Flüchtlinge in Oberösterreich beenden und sich vor Ort in der Ukraine beim Wiederaufbau engagieren. Am Samstag, 9. Juli, sagt mit mit ukrainischen Köstlichkeiten, Getränken, Tombola und Live DJs bei einem Abschiedsfest ab 18 Uhr „Servus zur Landstraße“.

„Wir sind Anfang März innerhalb weniger Tage blitzschnell hochgefahren, um zu helfen. Seit über drei Monaten sind wir nun im vollen Einsatz. Nun geht es darum, den sehr intensiven Betrieb hier in der Landstraße auch wieder zu beenden. Anfang Juli ist es so weit. Ab dann konzentrieren wir uns ganz auf Hilfe in der Ukraine selbst“ so Initiator Thomas Brunner.

Über 600 Menschen unkompliziert untergebracht

Der Manager und Landwirt betont, dass Sunua sich immer als schnelle Einsatzgruppe und Ergänzung zu den großen Institutionen verstanden hat. Co-Initiatorin Anna Klymenko: „Ende Juni haben wir unsere Aufgaben hier in OÖ erfüllt. Wir haben getan was wir konnten. Wir haben tausende Flüchtlinge versorgt, über 600 Menschen unkompliziert und schnell untergebracht und bis dahin 230 Tonnen Hilfsgüter und Medikamente in die Ukraine versendet. Bis zum 1.Juli (Freitag) sind wir in der Landstraße noch geöffnet. Bis dahin haben wir unseren unsere selbst gesteckten Ziele mehrfach erfüllt! Ab August treten wir in die nächste Phase ein und konzentrieren uns darauf, beim Wiederaufbau in der Ukraine selbst zu unterstützen.“  

Viel größer und länger als geplant

„Wir wurden ehrlich gesagt selbst überrascht. Überrascht hat uns der Andrang, die unglaubliche Hilfe, von den Spenden und die Einsatzbereitschaft so vieler Oberösterreicher“ blickt Brunner bewegt zurück. „Sunua war für Flüchtlinge aus ganz OÖ eine wichtige Anlaufstelle. Aber auch für viele Helferinnen und Sammelaktionen waren wir das logistische Zentrum. Das große Haus ist schnell die Anlaufadresse für Bedürftige und Spender aus ganz Oberösterreich geworden. Hilferufe haben wir aus der ganzen Ukraine bekommen. Einige konnten wir erfüllen, viele nicht. Wenn es nach uns gegangen wäre, hätten wir jedoch schon etwas früher Schluss gemacht, doch sogar die letzte Woche hatten wir Spitzentage mit über 350 Flüchtlingen, die zu versorgen war. Nicht selten haben Flüchtlinge zwei Monate keine Grundversorgung bekommen. Ihre Lage war und ist teilweise noch sehr prekär.“ 

Sunua in Zahlen bis Ende Juni 2022

  • 220 Tonnen Hilfsgüter in die Ukraine gesandt
  • Über 600 Flüchtlinge in Wohnungen und Häusern untergebracht
  • 15 Tonnen Medikamente und medizinisches Gerät in die Ukraine gebracht
  • 2-400 Menschen täglich (in den ersten zwei Monaten auch Samstag) mit Lebensmittel + Hygiene + Kleidung versorgt… im Durchschnitt haben wir so rund eine Tonne pro Tag an Warenumschlag erzielt
  • Kernteam bestehend aus 10 Personen
  • Stammteam bestehend aus rund 50 Personen
  • Hunderte Helferinnen
  • Tausende Spender
  • Dutzende Benefizveranstaltungen zu Gunsten von SUNUA
  • Dutzende Besuche von Schulklassen

Hilfsbereitschaft in OÖ enorm

„Ich kann es nicht oft genug sagen“ ist Anna Klymenko noch immer jeden Tag von der Hilfsbereitschaft beeindruckt. „Uns haben tausende Menschen geholfen. Wir sagen hier nochmals allen Danke für diese Großzügigkeit. Die oö. Zivilgesellschaft ist stark und selbstbewusst. Linz und Oberösterreich können stolz darauf sein.“ 

Die Unterstützung ist aus der Wirtschaft, von Privaten Spendern, der Landwirtschaft, von Quartiergebern, Hoteliers, Gastwirten, Apotheken und vom Handel erfolgt. „Viele Quartiergebern haben uns ihre Häuser und Wohnungen zur Verfügung gestellt, auch wenn es nicht immer ganz reibungslos ging. Oft waren und wurden noch die Kühlschränke gefüllt und geholfen, wo es ging. Auch wenn die Grundversorgung oft auf sich warten ließ, sind Wohnungsgeberinnen eingesprungen“, so Olga Lackner, die die Wohnungsbörse leitet.

„Die Oberösterreicher sind sehr ausdauernd und großzügig“

Nataliia Gorodovych, die gemeinsam mit Vita Danylenko aus Odessa den „Shop“ betreibt, ist ebenfalls tief beeindruckt. „Ich bin jeden Tag wieder aufs Neue berührt, wie viel uns gebracht wird. Es ist fast wie ein Wunder. Am Abend ist nichts mehr da, in der Früh ist aber wieder genug da. Oft genügt ein Facebook-Aufruf, und wieder sind zwei Tonnen Kartoffel, Milch, Zucker, Öl und Mehr da. Die Oberösterreicher sind sehr ausdauernd und großzügig. Das hilft uns Ukrainern und das gibt uns Mut. Ich habe z.B. Rudi aus Steyr kennengelernt, der schon 10x oder so da war und uns Nahrungsmittel im Wert von 9.000 € gebracht hat. Auch darum arbeite ich so gerne bei SUNUA mit, weil ordentlich was weitergeht und wir wirklich helfen können. Und es ist auch sehr lustig, wir sind ein bunt gemischtes österreichisch-ukrainisches Team und blödeln und lachen auch viel. Das lenkt mich ab vom Terror in meiner Heimatstadt Kharkiv.“

In Zukunft voller Fokus auf die Hilfe vor Ort

„Keine Sorge, wir lösen uns nicht auf. Ganz im Gegenteil. Wir haben erfahren was wir bewegen können und wollen diese Kraft und die Hilfsbereitschafts Oberösterreichs ab August ganz auf die Ukraine selbst konzentrieren“ macht Brunner klar. „Zwei schwere LKW’s gehen noch raus. Einer Mitte Juni, der zweite Anfang Juli. Der Krieg ist ja nicht vorbei und unsere Arbeit geht weiter. Aber in Zukunft hauptsächlich in der Ukraine.“

Klymenko: „Wir starten sozusagen in unsere zweite Phase. Wir werden so gut wie wir können beim Wiederaufbau helfen. Wir haben Kontakt mit Orten, die komplett neu aufgebaut gehören. Dort fehlt es z.B. ganz konkret an Ressourcen für die Aufräumarbeiten. Spenden sind also nach wie vor willkommen, aber projektbezogener.“ Um uns zwei bis drei Orte zu suchen, wo wir uns engagieren können, werden wir den Sommer und weitere Reisen nutzen bestätigt Brunner, der in der Zwischenzeit bereits zwei Mal auf seiner Farm in der Ukraine und auch in Dnipro und Kyiv war.  

Ukrainische Partnerregion für Oberösterreich?

„In den letzten Monaten ist uns eine Idee gekommen“ so Brunner und Klymenko, „Warum bauen wir nicht eine Partnerregion zwischen Oberösterreich und der Ukraine auf? Warum suchen wir als starkes Oberösterreich nicht eine ebenfalls starke Region in der Ukraine, mit der wir in den nächsten 10 -20 Jahren ganz gezielt kooperieren? So könnten auf schulischer, wirtschaftlicher, industrieller und universitärer Ebene Freundschaften und eine enge Zusammenarbeit entstehen. Oberösterreich sollte die Chance ergreifen und sich beim Wiederaufbau und der weiteren Entwicklung der Ukraine in Richtung Europa kräftig mitmischen. Auf Initiativen von Bundesseite sollten wir dabei nicht warten!“ so Brunner, der hier die Ukraine in den nächsten Jahren aufblühen und sehr dynamisch sieht.

„Ich wünsche mir – und bin überzeugt davon, dass sich das langfristig lohnt - das Oberösterreich ein gut dotiertes, 10-jähriges Austauschprogramm mit einer vielversprechenden Region wie zum Beispiel Dnipropetrovsk beginnt. Dort wird sehr viel Wirtschaftsleistung passieren, der Markt ist groß, die Ukraine und diese Region geht ihren Weg nach Europa. Da sollten wir von Anfang an dabei sein.“

Café Kyiv startet an neuem Standort

Teil von Sunua ist das Café Kyiv im 4. Stock, Deutschkurse und Kinderbetreuung angeboten werden. Hier können sich Familien und Flüchtlinge ausruhen und vernetzen. Hier bekommen sie Beratung in allen Belangen. Cafe Kyiv wird am Fr 10.6. die Arbeit in der Landstrasse 113 beenden und ab 15.6. in der Südtirolerstraße 9 neu starten.

Abschiedsfest am 9. Juli

Am Samstag, 9. Juli, sagt mit mit ukrainischen Köstlichkeiten, Getränken, Tombola und Live DJs bei einem Abschiedsfest ab 18 Uhr „Servus zur Landstraße“. Das ehemalige „Betten Reiter“-Haus wird im Sommer abgerissen.

Kurze Geschichte zur Initiative

Support Ukraine NOW Upper Austria wurde Ende Februar von einer 12-köpfigen Freundesgruppe rund um Thomas Brunner und Anna Klymenko in Linz gegründet. Die oberösterreichisch-ukrainische Initiative ist ein Verein. Täglich arbeiten hier 20-50 Freiwillige mit, insgesamt wohl schon über 500 Menschen. Von März bis Anfang Juni wurden rund 180 Tonnen Hilfsgüter in verschiedenste Städte in der Ukraine transportiert. In den nächsten Wochen verlassen erneut zwei Sattelschlepper mit jeweils rund 20 Tonnen Nahrungsmittel, Medikament und Kleidung Linz in Richtung Osten der Ukraine. SUNUA betreibt eine Wohnungsbörse (über 600 vermittelte Unterkünfte) und versorgt täglich 2- 400 Flüchtlinge aus Linz und ganz Oberösterreich mit dem nötigsten Bedarf an Lebensmitteln, Kleidung, Schuhen, Bettzeug und Hygieneartikel.

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