Nachfrage nach Covid-Impfung in OÖ steigt wieder
OÖ/LINZ. Die Covid-Fallzahlen steigen, gleichzeitig gibt es aber nicht die steigende Immunisierung durch die Impfung wie im letzten Jahr. Immerhin ziehen die Impfzahlen in Oberösterreich aber wieder an. „Eine Auffrischung ist sinnvoll, um den erworbenen Schutz aufrechtzuerhalten“, so Primar Bernd Lamprecht. Gleichzeitig warnt er, die abgeschwächte Omikron-Variante auf die leichte Schulter zu nehmen. Präsentiert hat das Land OÖ auch eine neue Sommer-Kampagne, weil „Corona nervt“.

Die jetzt steigenden Covid-Infektionen hätten laut Prognosen zwar Effekte auf die Zahlen im Herbst, letztlich werde aber von einem weiteren Anstieg im Herbst ausgegangen, weil die günstigen saisonalen Effekte wegfallen. „Die wichtigste Waffe ist die Vorbeugung – und das ist über die Impfung bzw. Auffrischung möglich“, ist der Lungenfacharzt und Coronaexperte Bernd Lamprecht (Kepler Uniklinikum Linz) überzeugt.
„Eine Auffrischung ist sinnvoll, um den bereits erworbenen Schutz aufrechtzuerhalten. Dass dieser Schutz wirksam ist, kann man sehr schön an der Belastung der Intensivstationen ablesen.“
Mildere Variante macht Auffrischung nicht überflüssig
Gleichzeitig warnt er, die abgeschwächte Omikron-Variante auf die leichte Schulter zu nehmen. „Wir dürfen nicht den Eindruck haben, dass eine Abschwächung die Auffrischung überflüssig macht. Wir sehen, dass dieselben Omikron-Varianten, die sich jetzt bei uns relativ verträglich im Gesundheitssystem bewältigen lassen, sich in anderen Regionen dieser Erde, wo eine geringere Immunisierungsrate gegeben ist, wesentlich ungünstiger auswirken.
Personen, die kundtun würden, ohne Impfung einen ähnlich leichten Verlauf wie Geimpfte gehabt zu haben, antwortet er mit Zahlen. „Das sind viele Einzelbeobachtungen, die man nicht generalisieren darf. Das Verhältnis für schwere Erkrankungen bei Omikron ist viel besser ist als in der Delta-Welle. 0,2 Prozent haben einen sehr schweren Verlauf. Aber wenn sie in Regionen schauen, wo die Impfquote sehr niedrig ist, sieht man bei derselben Variante achtmal häufiger einen schweren Verlauf.“
Neben der Reduktion schwerer Verläufe werde zudem auch eine Reduktion von Long Covid erreicht.
Aktuelle Empfehlung: Auffrischung für vulnerable Gruppen und Über-65-Jährige
Die Empfehlung zur Auffrischungsimpfung des Nationalen Impfgremiums (NIG) lautet aktuell: Neben vulnerablen Gruppen sind alle Über-65-Jährigen aufgerufen, ihren Impfschutz aufzufrischen, mit einem Mindestabstand von vier bis sechs Monaten zur letzten Impfung.
Impfzahlen steigen
Mittlerweile ziehen die Impfzahlen in OÖ wieder an. Wurden zuletzt nur etwas mehr als 100 Impfungen täglich (20. Juni) durchgeführt, sind es mittlerweile knapp 1.600 (6. Juli). „Von Montag bis Mittwoch in den letzten Wochen waren es etwa 1.000 Impfungen, diese Woche bereits rund 3.000 – wir haben ein Drittel dazugewonnen“, erläutert oö. Impfkoordinator Gerhard Durstberger. Insgesamt haben sich bislang 15.425 Menschen in OÖ eine vierte Dosis geholt.
Durstberger führt dies auch auf zuletzt wieder verstärkte Information zurück, etwa durch Erinnerungsmails an jene, die einen Termin über ooe-impft gebucht hatten, oder durch persönlichen Kontakt mit Zielgruppen wie Seniorenorganisationen und die Leiter der „Gesunden Gemeinden“.
„Corona nervt“
Analog zu den Empfehlungen des Nationalen Impfgremiums (NIG) startet das Land OÖ auch eine neue Sommerkampagne. „Die Impfung wurde in den unterschiedlichen Phasen unterschiedlich angenommen und diskutiert, aber die Experten sind sich grundsätzlich einig: Die Impfung schützt insbesondere vor schweren Verläufen und gleichzeitig vor Long Covid. Deshalb ist es unsere Aufgabe, proaktiv für die Impfung zu werben“, erläutert LH-Stellvertreterin Gesundheits-Landesrätin Christine Haberlander. Auch zum Schutz der Mitarbeiter in den Spitälern sei ihr das wichtig.
Gewählt worden sei ein subtiler Weg, der gemeinsame Nenner der Kampagne: „Im dritten Jahr der Pandemie denken alle, egal ob geimpft oder nicht, dass Corona nur mehr nervt. Eine Kampagne, die niemanden ausschließt“, erläutert Rainer Reichl, Geschäftsführer der ausführenden Agentur Reichl und Partner.
Die Kampagne ziele auf Aufklärung und Information statt, „wir wollen die Impfkompetenz stärken“, so Haberlander, es werde auch gegen Fakenews aufgetreten. „Wir werben für die Impfung, klären aber gleichzeitig darüber auch auf.“
Die Kampagne kann auch von den oö. Gemeinden übernommen werden.
Nicht auf angepassten Impfstoff warten
Jenen, die sich fragen, ob sie auf den für Herbst angekündigten angepassten Impfstoff warten sollen, antwortet Mediziner Lamprecht, dass dies keinen Sinn mache. „Wir wissen aus Studien, dass der adaptierte Stoff beim Schutz gegenüber schweren Erkrankungen keine Überlegenheit hat bzw. die jetzt verfügbaren Stoffe ausreichend Schutz bieten. Der adaptierte Wirkstoff könnte etwas besseren Schutz vor einer Infektion mit Omikron bieten – aber es ist ganz schwer vorherzusagen, welche Omikron-Variante dann in den Wintermonaten wirklich die führende Rolle spielen wird.“
Impftermin buchen
Alle Infos, Standorte und Öffnungszeiten zu den Impfangeboten in OÖ sind unter corona.ooe.gv.at zu finden. Die Vorab-Buchung eines Termins ist empfohlen, um besser planen zu können und Wartezeiten zu vermeiden. Bis August stehen rund 20.000 Termine zur Verfügung. Daneben wird die Impfung im niedergelassenen Bereich vorangetrieben. Auch hier wird es ab Herbst eine Buchungsplattform geben, in Zusammenarbeit mit der Ärztekammer für OÖ. In Summe könnten so insgesamt bis zu 75.000 Impfungen pro Woche in OÖ durchgeführt werden“, so Haberlander.
Keine verschärften Maßnahmen
Wien verschärft die Covid-Maßnahmen wieder, für Bernd Lamprecht sei dies aktuell aber nicht nötig. „Ich glaube, dass jetzt die Zeit ist, Eigenverantwortung unter Beweis zu stellen. Das heißt, dass jemand, der besonderen Schutz braucht, weil er chronisch krank ist, die Möglichkeit nutzt, sich selbst mit der Maske zu schützen, etwa in öffentlichen Verkehr möchte ich das ans Herz legen. Aktuell ist die Belastung in den Spitälern aber nicht so, dass es andere Maßnahmen rechtfertigen würde. Jetzt ist es wichtig, den Schutz der vulnerablen Bereiche hochzuhalten und dort nicht nachzulassen.“


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