Klima-Protestaktionen: „Eigentliche Botschaft wird überlagert“
LINZ. Auf der Straße, aber auch in bedeutenden Museen sorgen derzeit Aktionen von Klima-Aktivisten für Aufsehen und auch Kopfschütteln. Für Alfred Weidinger, wissenschaftlicher Direktor der OÖ Landes-Kultur GmbH, gehen solche Aktionen am Ziel vorbei, die eigentliche Botschaft werde überlagert.

Dosensuppe auf einen Van Gogh in London, Kartoffelpüree auf einen Monet in Potsdam oder zuletzt Öl, das von Mitgliedern der Gruppierung „Letzte Generation“ auf die Verglasung eines Klimt-Gemäldes im Leopold Museum in Wien geschüttet wurde: Mit solchen und ähnlichen Aktionen protestieren die Aktivisten für mehr Klimaschutz.
Per se verhindern könne man solche Aktionen in Museen trotz Sicherheitsvorkehrungen wie der Abgabe von Jacken und Taschen oder Kameraüberwachung nicht, „selbst wenn man vor jedes einzelne Gemälde einen Aufseher stellt, so schnell kann man nicht reagieren“, so Alfred Weidinger, wissenschaftlicher Direktor der OÖ Landes-Kultur GmbH (unter anderem Schlossmuseum, Francisco Carolinum, OK). Eine Verglasung schütze, sei aber sehr teuer und aufwändig. Die bislang von den Aktivisten ausgewählten Ziele seien aber Hauptwerke der internationalen Kunstgeschichte, die mit Glas geschützt seien. Wobei auch das kein endgültiger Schutz sei, es etwa durch verdunstende Substanzen dennoch zu Beschädigungen kommen könne.
Botschaft wird überlagert
Dass solche Aktionen unabhängig davon überhaupt zielführend sind, stellt Weidinger infrage. „Ich verstehe die Anliegen, bin definitiv auch der Meinung, dass das Klimathema aus dem Alltag – auch aus dem politischen – verdrängt worden ist.“ Bei den jetzigen Aktionen aber stehe der Vandalenakt im Mittelpunkt der Diskussion, „und der überlagert die eigentliche Aussage, die Botschaft. Das ist etwas, was ich wirklich sehr bedauere. Das ist leider zu kurz gedacht“, sieht er solche Aktionen „zu wenig überlegt und reflektiert, nämlich auch die Konsequenzen“. Greta Thunberg sei damals von der Politik hofiert worden, „bei Aktionen einer Kunstbeschädigung oder einem Vandalenakt macht die Politik aber zu“, ist Weidinger überzeugt.
Aufruf zum Miteinander
Die Aufmerksamkeit, die mit den Aktionen generiert worden sei, müsse nun einen Diskurs auslösen, um zurück zur Botschaft zu kommen. „Diese Aktivisten müssen sich jetzt neue Modi, neue Formate überlegen, wie man das schafft.“
Die OÖ Landes-Kultur GmbH ruft deshalb auch zum „Miteinander“ auf. „Lasst uns reden und gemeinsam daran arbeiten. Klimagerechtigkeit ist auch uns ein Anliegen. Unsere Aufgabe als Kultureinrichtung ist es, komplexe Inhalte zu vermitteln und die Archive und Sammlungen für Wissensvermittlung und gesellschaftliche Bildung zu erhalten. Diese Kompetenz möchten wir dem Klimaanliegen zur Verfügung stellen“, so der Aufruf. Weidinger: „Die Aktivisten nutzen Museen und Hauptwerke der internationalen Kunstgeschichte als Botschaftsträger, und sie brauchen natürlich die Medien, um ihre Botschaft zu verbreiten. Wir wollen hinhorchen und überlegen, vielleicht kann man ein Format entwickeln, um die Botschaften nach außen zu tragen, darum geht’s am Ende.“
Schmutz: „Nicht auf Spaltung setzen“
Aus Vorsicht haben auch die Linzer Museen die Mitarbeiter sensibilisiert, die Abgabe von Jacken und Taschen werde derzeit besonders kontrolliert. Lentos-Direktorin Hemma Schmutz plädiert „an die engagierten jungen Menschen, nicht auf Spaltungen zu setzen, sondern uns einen positiven Weg in eine nachhaltigere Zukunft zu weisen“. Die Museen der Stadt Linz bemühen sich zudem für mehr Nachhaltigkeit in den Häusern und integrieren das Thema Ökologie in die Programme.
Aus Protest auf Straße festgeklebt
Für viel Wirbel sorgten Aktivisten der Gruppe „Letzte Generation“ Montag früh, nachdem sie sich auf der Hauptstraße in Linz-Urfahr nahe der Rudolfkreuzung auf der Fahrbahn festgeklebt hatten.
„Enttäuscht von der Weltklimakonferenz“ fordern die Aktivisten „endlich sinnvolle Sparmaßnahmen“ in der Umwelt- und Energiekrise, darunter Tempo 100 auf Autobahnen. „Wir steuern auf eine Klimahölle zu und schaffen es nicht, den Fuß vom Gaspedal zu kriegen“, so etwa Protestteilnehmerin Jelena in einem in sozialen Medien veröffentlichten Video. Mit Tempo 100 könne Österreich eine halbe Million Tonnen CO2 und mehrere Millionen Liter Sprit jedes Jahr einsparen, ist sie überzeugt.
Nicht nur Verkehrsteilnehmer waren entnervt, auch aus der Politik kamen verärgerte Reaktionen. Der Tenor von Bürgermeister Klaus Luger (SPÖ), Vizebürgermeister Martin Hajart (ÖVP) und Stadtrat Michael Raml (FPÖ): Solche Aktionen seien kontraproduktiv, würden der Sache mehr schaden als helfen. Mehr dazu gibt's hier.


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