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„Viele Kinder spüren einen Leistungsdruck, gut durch die Schule zu kommen“

Nora Heindl, 26.04.2023 12:05

LINZ. Anneliese Steiner ist schulpsychotherapeutische Beraterin an einer Linzer Schule. Die Nachfrage ist groß, ihre Beratungsstunden sind immer voll.

Leistung und Freude schließen einander nicht aus, nur fällt es nicht immer leicht, die richtige Balance zu finden. (Foto: contrastwerkstatt/stock.adobe.com)

„Der Bedarf wäre sicher höher, aber es ist ja alles auch eine Kostenfrage und kleine Schritte sind besser als keine“, so Steiner. Einmal wöchentlich steht sie vorrangig den Schülern für drei bis vier Stunden zur Seite, um deren psychischen Belastungen präventiv zu begegnen.

Die Beratung richtet sich an alle Schulklassen, wobei derzeit die Schüler zwischen zehn und 15 Jahren das Angebot eher nutzen. „Bei den Jüngeren sind es die Eltern oder Lehrpersonen, die ihnen den Impuls zur Nutzung geben. Manchmal kommen auch Eltern gemeinsam mit den Kindern, manchmal auch nur die Eltern“, erzählt Anneliese Steiner. Sie weiß: „Es liegt oft schon ein Leidensdruck vor, der diesen Schritt verlangt.“ Sie freut sich über jeden, der „das Angebot für sich nutzt, und nicht wartet bis der Leidensdruck noch höher wird“.

Ängste sind großes Thema

Zu den häufigsten Themen gehören Ängste, zumeist Versagens- oder Zukunftsängste. „Viele Kinder beziehungsweise Jugendliche spüren einen Leistungsdruck, gut durch die Schule zu kommen. Dazu kommt das Vergleichen mit den Anderen oder Idealen. Die Balance zwischen Leistung und Lebensfreude zu finden, ist dabei nicht immer einfach“, weiß die schulpsychotherapeutische Beraterin.

Gerade der Leistungsdruck sei zwar schon immer da gewesen, er habe sich ihrer Meinung nach aber verstärkt. „Dass wir Leistung zu bringen haben, ist in unserer Gesellschaft schon ein großes Thema. Gerade bei Kindern von erfolgreichen Eltern können die Versagensängste rapide steigen, auch wenn diese versuchen, ihre Kinder zu beruhigen.“

Übungen für den Alltag

Steiner ist es vor allem wichtig, dass die Schüler wissen, dass sie mit ihren Gedanken, Sorgen oder Grübeleien nicht alleine bleiben müssen: „Der Austausch ist wichtig.“ Zumal es manchmal schon kleine Dinge sind, die Entlastung bringen können, wie Entspannungs- oder Atemübungen. „Als Erwachsene wissen wir mittlerweile, wie schnell einen eine Atemübung aus einer Stresssituation holen kann, aber die Schüler haben damit meist kaum Erfahrung. Ich zeige ihnen Übungen, die sie in der Schule anwenden können, ohne dass es den anderen groß auffällt oder die Situation stört.“

Dass sich die Themen generell, mit denen sich die Jugend heutzutage herumzuschlagen hat, groß verändert haben, glaubt Anneliese Steiner nicht: „Sie haben sich jedoch verstärkt oder verdichtet und es sind noch einige dazugekommen, wie etwa der Medienkonsum und auch die Krisenjahre seit 2020 haben ihre Wirkung.“

Bedarf noch höher als Angebot

Die Dauer der Beratung ist individuell, in der Regel zwischen zehn und 30 Minuten, im Einzelfall 50 Minuten. „Manche holen sich nur eine Idee und sind schon mit zehn Minuten zufrieden und kommen nicht wieder“, so Steiner. Andere nutzen das Angebot mehrmals hintereinander. „Über die Zeitspanne sehe ich dann, ob die Beratung reicht oder ob es weitere schulinterne oder auch externe Lösungen wie etwa eine Psychotherapie braucht.“ In solchen Fällen steht das Kinderhilfswerk Linz als Kooperationspartner bereit.

Wenn sich Anneliese Steiner in ihrer Funktion als schulpsychotherapeutische Beraterin etwas wünschen könnte, dann, dass ein solches Beratungsangebot an jeder Schule möglich ist, und das mehr als bisher. „Allgemein ist der Bedarf derzeit wohl noch höher als das Angebot.“


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