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"Froschberg 2.0": Geteilte Meinungen zum Bauprojekt unter den Bewohnern

Anna Fessler, 17.10.2023 15:00

LINZ. Über die Initiative Froschberg und ihre Bedenken gegen das Projekt Froschberg 2.0 hat Tips ausführlich berichtet, nun führen die Projektverantwortlichen Infoveranstaltungen für die Mieter durch Tips war vor Ort und hat mit Mietern gesprochen sowie mit der Mietervereinigung, den Projektentwicklern und Architekten.

Die Eisenbahnersiedlung am Froschberg. Die geplanten Neubauten sind als graue würfelförmige Objekte zwischen den weißen Bestandsbauten erkennbar. (Foto: EBS/WAG/mia2)
Die Eisenbahnersiedlung am Froschberg. Die geplanten Neubauten sind als graue würfelförmige Objekte zwischen den weißen Bestandsbauten erkennbar. (Foto: EBS/WAG/mia2)

Worum geht es? In Kürze: Die Wohnungsgesellschaften EBS und WAG planen am Froschberg die Sanierung von 400 Wohnungen der alten Eisenbahnersiedlung sowie 350 neue Wohneinheiten und 400 neue Tiefgaragenplätze. Die bestehenden Wohnungen sollen mit Balkonen und Aufzügen ausgestattet werden. Gebaut wird in Etappen. Die EBS/WAG planen einen Baustart 2025 und veranstalten jetzt im Oktober an vier Tagen Gespräche mit den Mietern in mehreren Kleingruppen, auch die verantwortlichen mia2-Architekten sind mit dabei. Dabei werden die Bewohner über die weiteren Projektschritte im Detail informiert und können Fragen stellen oder ihre Einwände einbringen. Tips hat mit den Anwesenden gesprochen.

Die Befürworter

Dietmar H. wohnt in der Siedlung, aus seiner Sicht wurden beim Gespräch alle Fragen gewissenhaft beantwortet. „Die beinahe aggressive Stimmung der ersten Besprechungen hat sich meiner Meinung nach komplett gelegt.“, sagt er. Herr H. bezeichnet Froschberg 2.0 als „ein tolles Projekt auf dem Weg.“ Den Umbau des Stadthauses in der Lederergasse (ebenfalls von mia2 verantwortet) hält er für „Weltklasse“ und würde sich über ein Projekt in derselben Qualität freuen.  

Lisa T. wohnt in einer der Dachgeschosswohnungen. Sie freut sich auf den Umzug – im Sommer sei es immer zu heiß, im Winter zu kalt gewesen. Man habe ihr nun eine gleichwertige Wohnung am Froschberg angeboten, was sie als fair und zufriedenstellend empfindet.

Mieter Markus E. war vor dem einstündigen Gespräch gegen das Projekt, nun sieht er es positiv: „Wenn die Mieten so bleiben, dann passt es“, meint er. Allerdings: die Parkplatzsituation bleibe auch weiterhin schlecht.

Ein älterer Herr, der anonym bleiben will, freut sich auf den Lift und den Balkon. „Es ist höchste Zeit, dass etwas gemacht wird“, sagt er und meint damit die Sanierung. In diesem Punkt scheinen sich alle einig zu sein. Aber nicht alle, die zur Veranstaltung der EBS/WAG erschienen sind, befürworten das Projekt, mehrere haben bereits bei der Initiative Froschberg unterzeichnet.

Die Initiative Froschberg

Die (Bürger-)Initiative Froschberg ist ein Zusammenschluss von Bewohnern, die negative Auswirkungen auf die Umwelt und die Wohn- und Lebensqualität durch die Nachverdichtung prognostizieren. Die Initiatoren Klaus und Carmen Pilz haben nach Eigenangaben mittlerweile rund 400 Unterschriften gegen „Froschberg 2.0“ gesammelt, auch von Bewohnern umliegender Häuser. Die Initiative ist bei den Gesprächen im Volkshaus Froschberg mit einem Infostand und einem Banner mit der Aufschrift „Sanieren statt Planieren“ vor Ort.

Die Initiative meint nach einer gemeinsamen Analyse der Gespräche, dass „das generelle Unbehagen weiterhin groß“ sei. Grund sei das Gefühl „einfach überrollt zu werden, nicht einbezogen zu sein und einem Druck ausgesetzt zu sein, etwas akzeptieren zu müssen, wovon man nicht überzeugt ist und woran man keine realen Mitgestaltungsmöglichkeiten hat.“, so Klaus Pilz.

Die Projektleitung gehe zwar auf individuelle Fragen ein, etwa die Positionierung der Balkone, die Gesamtproblematik bleibe jedoch: „Tiefgaragen, Neubauten und barrierefreie Wege werden den Charme einer Gartenlandschaft niemals ersetzen können.“ Die Initiative bleibt dabei: sie lehnt das Gesamtkonzept ab und fordert eine Neuplanung mit kooperativem Verfahren.

Die Mietervereinigung OÖ

Auch gekommen ist eine Juristin der Mietervereinigung OÖ, die sich einen Eindruck von der Situation verschaffen will. Deren Landesgeschäftsführerin Nicole Hager-Wildenrotter sagt im Gespräch mit Tips, dass sich um die 70 Haushalte aus der alten Eisenbahnersiedlung bei der Mietervereinigung angemeldet hätten, um sich beraten und unterstützen zu lassen.

Deren Anliegen seien durchaus berechtigt, so Hager-Wildenrotter. Die Mietervereinigung hat bereits eine Informationsveranstaltung für betroffene Mitglieder abgehalten, um sie über ihre Rechte aufzuklären. Darunter sind auch viele ältere Menschen, die aufgrund der Baupläne verzweifelt seien, sagt Hager-Wildenrotter. Die Mietervereinigung unterstützt ihre Mitglieder auch juristisch, bis zum Bezirksgericht, alles darüber hinaus unterliege der Anwaltspflicht. Das Ziel in diesem Fall sei es aber, einen Konsens zwischen den Parteien zu finden. Dazu sind Gespräche der Mietervereinigung mit EBS/WAG und den Bewohnern geplant.

Die EBS/WAG

Die umstrittene Nachverdichtung sei notwendig, um die Miet- und Betriebskosten für die Bestandsmieter möglichst niedrig zu halten, sagen die Projektträger. Als Basis für die Pläne habe eine Bewohnerbefragung aus dem Jahr 2021, durchgeführt vom IMAS-Institut, gedient. Die damals genannten Wünsche – Barrierefreiheit, Balkone, bessere Nutzung der Grünflächen und eine bessere Parkplatzsituation – seien mit Froschberg 2.0 adressiert worden. Die Gesprächsbasis mit den Mietern sei „sehr positiv“, das Feedback aus den Gesprächen werde in die weiteren Planungen einfließen. Die Resonanz zum Projekt sei sowohl bei den Informationsabenden im Mai als auch bei den aktuell stattfindenden Info-Veranstaltungen „deutlich positiv“ ausgefallen. Auch im kommenden Jahr werde es einen regelmäßigen Austausch mit den Mietern geben.

Die mia2 Architekten

Bei den Gesprächen sind auch die mia2-Architekten Sandra Gnigler und Gunar Wilhelm anwesend. Das Planungsbüro ist für Projekte wie die Sanierung des Stadthauses in der Lederergasse bekannt, in das neben ökologischen und ökonomischen Überlegungen auch soziale und nachbarschaftliche Aspekte einflossen. „Ich bin von der Sache überzeugt“, sagt Wilhelm. Bei den Gesprächen habe sich bei manchen Bewohnern Skepsis in Freude umgewandelt. Er sieht die Qualität des Projekts unter anderem darin, dass trotz einer Sanierung die Mieten für die Bewohner günstig bleiben. Das sei meistens nicht der Fall. Zudem werde nun das gesamte Areal barrierefrei, die Siedlung ist derzeit über mehrere Außentreppen verbunden. Auch sei noch nicht alles in Stein gemeißelt, etwa die Bepflanzung der Laubengänge oder die Nutzung der geplanten Gemeinschaftsräume. Man wolle nicht gegen den Willen der Bewohner entscheiden. Allerdings gelte es in manchen Punkten, das Allgemeininteresse gegen Einzelinteressen abzuwägen.

Manche der Interessen sind jedoch unvereinbar – es wird wohl Kompromisse im Sinne des ehemaligen US-Außenministers Henry Kissinger geben: Solche, mit denen alle Parteien gleichermaßen unzufrieden sind.

Mehr lesen:

Über die Initiative Froschberg und ihre Bedenken gegen das Projekt: „Froschbergblues statt Kaisermühlenblues: Wie sich ein Grätzel gegen ein Großprojekt stellt“


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redo Antworten
Klaus P.
Klaus P.
24.10.2023 09:40

Gemeinschafts-Interessen

Die WAG/EBS ignoriert beharrlich die Bewohner Initiative Froschberg und damit einen beträchtlichen Teil der Mieter und Mieterinnen. Wir sind aber ganz normale Mieter, die in den Dialog treten wollen, Kunden der WAG/EBS, die ihre Miete seit Jahrzehnten zahlen und sich um nichts weniger als um den Erhalt der Wohnqualität am Froschberg Sorgen machen. Unsere Initiative wird unbestreitbar von 2/3 der Bewohner positiv gesehen - die bereits 400 Unterschriften und 70 Mitgliedschaften bei der Mietervereinigung bezeugen das. Alarmiert sind auch die Bewohner der angrenzenden Wohnanlagen und die Bewohner der Einfamilienhäuser am Froschberg. • Verdoppelung des Verkehrsaufkommens, das jetzt schon grenzwertig ist. • Verschärfung der Parkplatzsituation ohne Aussicht auf Besserung • Soziale Verwerfungen, Überlastung des Stadtteils und schleichender Verlust der Wohnqualität. Vor allem unsere weiblichen Bewohner und die Pensionisten fürchten die Unübersichtlichkeit der Laubengänge, Unterführungen und verwinkelten Verbauungen, die durch die Vorgabe der „Barrierefreiheit“ entstehen werden. Man kennt dieses Gefühl beim neuen Bahnhof in Linz oder in Auwiesen. Ja, Meinungen zum Für und Wider der ziemlich enormen Einschnitte in die Struktur der Eisenbahnersiedlung sind geteilt und das Thema polarisiert. • Lifte ja, aber große Bedenken zur Laubenganglösung. (Verlust der Privatsphäre, Verdunkelung bei Tag, Lichtverschmutzung bei Nacht) Keine Stiegen, dafür lange Wege und kein direkter Dachboden & Kellerzugang. • Balkone südseitig für alle ohne Mieterhöhung toll, aber ist der Preis des Verlusts der Gartenstruktur dafür nicht zu hoch? • Viele fragen sich, welches Interesse steht hinter der beinahe Verdoppelung der Wohneinheiten durch Neubauten. Warum bekommen wir nicht die von den allermeisten gewünschte „normale Sanierung“ geliefert? Der Froschberg darf nicht zum Ghetto werden, davon gibt es schon genug in Linz. Es geht um das Allgemeininteresse, das ist die Motivation der engagierten Bewohner der Eisenbahnersiedlung.

redo Antworten
Chris C.
Chris C.
18.10.2023 10:54

Das ganze ist mir zu einseitig.

Liebe Tips ihr solltet euch mir dieses Projekt ein Bissal genauer ansehen. Was genau ist barrierefrei wenn der Lift nicht in den Keller geht. Wer zwingt die wag oder EBS zum Neubau. Sanieren ja da hat niemand was dagegen ...wo genau liegt der nutzen eines laubenzugangs. Dieses Projekt muss man genau betrachten, wo Licht ist gibt es auch Schatten. Zentrales müllsystem viel Spaß wenn alte Leute 100 Meter im Winter mit dem müll unterwegs sind. Das ist eben alles lächerlich.


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