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75 Jahre Südbahnhofmarkt: Was die Marktbeschicker und die Besucher am "Südi" schätzen

Anna Fessler, 12.04.2024 13:34

LINZ. Heuer wird das 75-jährige Bestehen des Linzer Südbahnhofmarktes gefeiert. Schon vor dem offiziellen Festakt im Herbst wollen das städtische Marktmanagement und die Arge Südbahnhof mit Aktionen und Veranstaltungen noch mehr Besucher auf den größten Grünmarkt Oberösterreichs locken. Auch eine Folge von „Silvia kocht“ wird dort gedreht. Tips hat sich vor Ort bei den Marktbeschickern und zwei Besucherinnen erkundigt, was den „Südi“ für sie ausmacht.

Moderatorin und TV-Köchin Silvia Schneider bereitete gemeinsam mit Schülerinnen der Linzer Körnerschule eine Jause zu. (Foto: Tips/af)
photo_library Moderatorin und TV-Köchin Silvia Schneider bereitete gemeinsam mit Schülerinnen der Linzer Körnerschule eine Jause zu. (Foto: Tips/af)

Am 5. Dezember 1949 wurde am Südbahnhof der erste Markttag abgehalten. Früher gab es kaum ein Salatkopf, der um zehn Uhr Vormittags noch nicht verkauft war, Herr Bäck schnitt die Krauthäupl vor den Kundschaften ein und gabelte das frische Sauerkraut direkt aus dem Bottich. In einer 19 Quadratmeter großen Koje bot Frau Brunnbauer ein komplettes Lebensmittelsortiment. Am „Glanglmarkt“ wurden lebendige Hühner, Enten, Gänse, Tauben Kaninchen oder Fische feilgeboten. An Schnüren baumelten Fasane und Wildgeflügel.

Neue bunte Genussplatzerl

Heute präsentiert sich der Markt modern, die Kojen entsprechen trotz Denkmalschutz den aktuellen Sicherheits- und Hygienestandards, Kunden können Waren online bestellen und zeitlich flexibel in einer Station am Markt abholen. Auch eine App gibt es, die bislang rund 5000 Mal heruntergeladen wurde, neu ist auch das farbige Leitsystem am Markt und die „Genussplatzerl“, bunte Tische und Stühle im südlichen Teil des Marktes, die von den Beschickern als Schanigarten genutzt werden können. 45 Marktgeschäfte und um die 130 Beschickerinnen gibt es derzeit am Südbahnhofmarkt, Ende März kamen die „Fischräucherei Berger“ und „Die Marktfleischerei“ neu hinzu.

Stefanie Pleiner: „Für mich bedeutet der Markt Regionalität und die Wertschätzung gegenüber den Bauern“

„Das Herz des Marktes sind und bleiben die Marktgeschäfte und Beschicker am Freigelände“, sagt Stadträtin und Marktreferentin Doris Lang-Mayerhofer. Aus diesem Grund wollte Tips von den Marktbeschickern wissen, was für sie den „Südi“ aus- und besonders macht. „Für mich bedeutet der Südi Regionalität und die Wertschätzung gegenüber den Bauern, die ihre selbstgemachten Produkte präsentieren und verkaufen.“, sagt Beschickerin Stefanie Pleiner, die den mobilen Stand mit bäuerlichen Produkten in dritter Generation betreibt. Eine Marktbesucherin freut sich, den Stand endlich gefunden zu haben, der ausnahmsweise nicht am gewohnten Ort zu finden ist und erzählt Tips: „Ich habe schon bei ihrer Mutter eingekauft!“

Besucherinnen Ute und Elfi: „Wir fühlen uns hier wohl und lassen die Seele baumeln“

Marktstandbetreiberin Ingrid Huemer sagt: „Wir sind seit 26 Jahren am Südbahnhofmarkt vertreten, haben sehr viele Stammkunden.“ Für sie sei die „Seele“ des Marktes „die Frische, die geboten wird, der Kunde kann sich beim Einkaufen gemütlich hinsetzen und einen Kaffee trinken, hat keinen Zeitdruck. Im Gegensatz zu Einkaufszentren ist man hier auch an der frischen Luft.“ Und genauso machen es die zwei Freundinnen Ute und Elfi vor dem Delikatessengeschäft Huemer: „Wir sind seit Jahren Stammgäste, jeden Freitag kommen wir auf den Südbahnhofmarkt.“, sagen die beiden. Was macht den Markt für sie attraktiv? „Das Ambiente! Hier gibt es guten Kaffee, man trifft dieselben Leute wieder...wir fühlen uns wohl und lassen die Seele baumeln.“ Beide nutzen den Markt als gemütlichen Treffpunkt und zum Einkaufen, im Sommer wie im Winter sitzen sie draußen, weil man drinnen nicht rauchen kann.

Gemüse und Obst-Verkäufer Walter Stadler: „Es geht um das Persönliche, im Supermarkt ist man nur einer von vielen“

Walter Stadler verkauft frisches Obst und Gemüse am Markt, der Stand ist seit 1997 dort vertreten. Ihm gefällt am „Südi“ die Atmosphäre, die vielen verschiedenen Stände, die schon jahrelang hier sind. „Die Leute kommen auch, weil sie sich unterhalten wollen und natürlich zum Einkaufen. Es geht um das Persönliche, in einer Supermarktkette bist du einer von vielen, hier am Markt trifft man sich und kann das auch gleich verbinden mit einem Kaffee und einer Torte.“

Diskussion um Belebung an Wochentagen

Belebt ist der Markt, vor allem am Wochenende und bei schönem Wetter. Im August 2023 sprach Tips dazu mit mehreren Marktbeschickern (Ausgabe KW 33, Seite 6), dabei wurde auch deutlich, dass die Bedürfnisse der einzelnen Verkäufer durchaus unterschiedlich sind. Manche wünschten sich mehr Angebote für die Zielgruppe von 15 bis 45 Jahren und mehr Belebung an Wochentagen.

Die FPÖ spricht gar von einem „Besucherschwund“ unter der Woche. „Es ist an der Zeit, dass die Verantwortlichen die Prioritäten überdenken und sicherstellen, dass die finanziellen Mittel effektiv und transparent für die grundlegenden Bedürfnisse der Marktbesucher und -händler eingesetzt werden“, sagt FP-Gemeinderätin Ute Klitsch.

Veranstaltungen und Aktionen im Jubiläumsjahr

Laut Lang-Mayerhofer zählt der Südbahnhof zu den meistfrequentierten Märkten Österreichs und habe den Spagat zwischen Tradition und Moderne gemeistert. Zum Jubiläumsjahr organisieren die in der Arge Südbahnhof vertretenen Marktbeschicker gemeinsam mit dem städtischen Marktmanagement Aktionen und Veranstaltungen, im Mai steht eine Muttertagsaktion an, am 7. Juni der „Süßbahnhofmarkt“ mit Familiennachmittag, auch den Marktfrühling wird es heuer wieder geben. Bis Ende des Jahres folgen noch zahlreiche weitere Veranstaltungen, der offizielle Festakt zum Jubiläum wird im Herbst stattfinden.

Silvia Schneider kocht am Südi

Bei der Präsentation des Programmes zum Jubiläum war auch Moderatorin Silvia Schneider anwesend, die für ihre ORF-Show „Silvia kocht“ am Südbahnhofmarkt dreht. „Mein Bruder und ich sind im Franckviertel aufgewachsen, der Südi war immer wichtig für unsere Familie. Die Oma kannte jedes Standl und jeden Beschicker persönlich.“ In guter Erinnerung sind ihr noch die Fischbecken geblieben, weil sie sich als Kind vor den Aalen eher gruselte. Später, zu Schulzeiten im Khevenhüllergymnasium, habe man die Pause für einen Besuch am Südi genutzt oder sei dort ins Café gegangen. Aufgrund ihrer engen Verbindung zum Markt freue sie sich besonders, dass er nun zum Drehort für „Silvia kocht“ wird.


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