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„Ich wurde als Mensch wahrgenommen“: vom Asylwerber in die Altenbetreuung

Nora Heindl, 26.02.2025 07:05

LINZ. Junior Obaretin kam 2018 aus Nigeria als Asylwerber nach Österreich. Durch seine freiwillige Arbeit in einem Seniorenwohnhaus entdeckte er seine Leidenschaft für die Betreuung von älteren Menschen. Weil sein Deutsch noch nicht gut genug war, startete er mit dem Vorbereitungslehrgang an der Caritas-Schule in Linz. Dieses Bildungs- und Orientierungsjahr bereitete ihn perfekt auf die zweijährige Ausbildung zum Fach-Sozialbetreuer vor, welche er nun mit gutem Erfolg abgeschlossen hat.

Lehrerin Karin Bräuer war vom eisernen Willen, den Junior Obaretin trotz seiner schwierigen Startbedingungen an den Tag gelegt hat, beeindruckt. (Foto: Caritas)

Österreichisch hat Junior Obaretin weniger im Deutschkurs gelernt, sondern als Erntehelfer auf dem Feld. Es war jedoch die Freiwilligenarbeit, die ihm das Herz der Menschen hier näher brachte: Da er rechtlich in den Arbeiten, die er ausüben durfte, eingeschränkt war, half er ehrenamtlich in einem Seniorenwohnhaus mit – und war schnell Feuer und Flamme für diese Arbeit. „Es ist immer etwas los, und es macht mir großen Spaß, mir Aktivitäten für die älteren Menschen zu überlegen, zum Beispiel mit ihnen zu tanzen“, erzählt der 30-Jährige. „Es ist einfach schön, wenn sie von Herzen lachen.“

Vollste Unterstützung von Schule

Noch während seines Asylverfahrens begann er die Ausbildung an der Caritas-Schule für Sozialbetreuungsberufe am Linzer Schiefersederweg. Ein Vorbereitungslehrgang, eigens dafür entwickelt, Migrant*en oder junge Menschen ab 16 Jahren beim Einstieg in die Ausbildung zu unterstützen, half ihm, sich hineinzufinden.

„Anfangs hatte ich Angst, dass ich nicht akzeptiert werde, weil ich Asylwerber bin“, gesteht der gebürtige Nigerianer. Doch diese Sorge konnte er schnell ablegen. Von der Schule und den Lehrkräften erhielt er vollste Unterstützung – sprachlich, fachlich und auch menschlich. Von unschätzbarem Wert war dabei auch das Umfeld, das Junior Obaretin in der Ausbildung und in den Praktika vorfand: „Ich wurde als Mensch wahrgenommen und nicht als Arbeitskraft. Auch wenn ich mich mit Händen und Füßen verständigt habe, hat man mich nicht bewertet, sondern mich spüren lassen: ‚Wir freuen uns, dass du da bist.‘ Das war eine tolle Erfahrung und hat auch mein Selbstbewusstsein gestärkt. Früher war ich immer eher schüchtern. Jetzt weiß ich, dass ich nicht dumm bin. Ich spüre, was ich weiß und was ich kann.“

Wichtige Stabilität während des Asylverfahrens

Insbesondere in der Zeit des noch laufenden Asylverfahrens gab ihm diese Unterstützung eine wichtige Stabilität. Er lebte ständig mit der Unsicherheit, dass er Österreich von einem Tag auf den anderen verlassen müsse. Nach zwei Jahren an der Schule konnte er aufatmen: Er bekam einen positiven Asylbescheid und konnte sich nun voll auf seine Ausbildung konzentrieren.

„Das Teamwork in der Klasse war fantastisch“, erinnert sich Junior Obaretin. Auch während der Praktika waren die jeweiligen Mitarbeiter immer für ihn da. „Mir wurde so sehr geholfen. Da habe ich mir gesagt: Ich muss alles tun, um die Ausbildung zu schaffen.“ Und das tat er. Mit eisernem Willen lernte er und schloss die Ausbildung mit gutem Erfolg ab – mit fast nur Einsen im Zeugnis.

Unterstützung über Unterricht hinaus

In der Caritas-Schule bieten die Lehrkräfte über den Unterricht hinaus Unterstützung. Vor allem die entlastenden Gespräche seien wertvoll. „Vielen hilft es, wenn sie mit ihren Bedürfnissen und Ängsten wertfrei gesehen werden“, sagt Lehrerin Karin Bäuer. Der eiserne Wille, den Junior Obaretin trotz seiner schwierigen Startbedingungen an den Tag gelegt hat, beeindruckt sie. „Er ist als junger Mann ohne Freunde, soziales Netz und ohne die Sprache zu beherrschen in eine fremde Kultur hineingestolpert“, resümiert sie. „Und nun wird er als Fach-Sozialbetreuer das Leben der Menschen in einem psychologisch-neurologischen Wohnbereich bereichern.“

 

Am 6. und 7. März finden ein Infoabend bzw. ein Tag der offenen Tür an den beiden Linzer Caritas-Schulen für Sozialbetreuungsberufe statt. Nähere Infos: www.ausbildung-sozialberufe.at

Wer sich für einen Sozialbetreuungsberuf interessiert, die sprachlichen Barrieren für den direkten Einstieg aber noch zu groß sind, kann sich ab sofort für den Vorbereitungslehrgang anmelden.


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