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Für die Oma von Amerika nach Linz – und mitten hinein ins Leben als Zivildiener

Nora Heindl, 30.01.2026 10:06

LINZ. Ohne ein Wort Deutsch zu sprechen, kam Nico Brandelmayr (27) vor einem Jahr aus Salt Lake City/USA nach Linz, um seine Oma zu unterstützen und landete als Zivildiener im Caritas-Seniorenwohnhaus Karl Borromäus.

Am meisten genießt es Nico Brandelmayr, mit den Bewohnerinnen zu plaudern - dabei verbessert sich sein Deutsch ganz automatisch. (Foto: Caritas)

Sein Vater wanderte mit 17 Jahren in die USA aus und gründete dort eine Familie. Die Verbindung nach Österreich riss dennoch nie ab: Nicos Großeltern lebten weiterhin in Linz. Doch durch die Corona-Pandemie wurde ein Besuch lange unmöglich. Dabei wuchs gerade in dieser Zeit die Sorge um die mittlerweile verwitwete 84-jährige Großmutter. Als sie dann auch noch einen Schlaganfall erlitt, fasste Nico Brandelmayrs Vater einen beherzten Entschluss: Für einige Monate zurück nach Linz zu ziehen, um seine Mutter zu unterstützen.

Als Nico Brandelmayr 2024 seine Großmutter in Linz besuchte, wurde in ihm ein Wunsch geweckt: „Während des 13-stündigen Rückflugs nach Salt Lake City reifte der Entschluss: Ich ziehe zu meiner Oma nach Österreich!“

„Ja, freilich“ statt „Ja, natürlich“

Kurzentschlossen packte der junge Mann sein Leben in zwei Koffer, beantragte die österreichische Staatsbürgerschaft und zog bei seiner Oma ein. Mit der Staatsbürgerschaft kam auch die Stellung. Die Entscheidung für den Zivildienst fiel ihm leicht: „Ohne Deutschkenntnisse wäre das Bundesheer schwierig gewesen. Und ich wusste, dass ich im Seniorenwohnhaus vieles lernen kann, das mir hilft, mich um meine Großmutter zu kümmern.“

So begann er im Vorjahr seinen Dienst im Caritas-Seniorenwohnhaus Karl Borromäus in Linz. Zu seinen Aufgaben als Zivildiener zählen Mahlzeiten vorbereiten, Bettenmachen, Aufräumen und den Nachmittagskaffee servieren: „Das ist am Schönsten. Da habe ich Zeit, mit den Bewohner*innen zu plaudern. Das ist meine soziale Stunde.“ Ganz nebenbei wird dabei sein Deutsch besser – wenn es auch ein anderes Deutsch ist, als er im WIFI-Kurs lernt. Während er dort „Ja, natürlich“ lernt, hört er im Caritas-Alltag vor allem eins: „Ja, freilich!“

Was Nico Brandelmayr besonders schätzt: Dass er den Zivildienst mit mehr Lebenserfahrung als seine Kollegen leisten darf. „Ich arbeite seit ich 15 bin, hatte oft zwei Jobs gleichzeitig, um mir meine Wohnung zu finanzieren. Jetzt leiste ich einen sozialen Dienst. Ich spende meine Zeit. Hätte ich den Zivildienst gemacht, als ich jünger war, hätte ich ihn nicht so wertgeschätzt.“

Diese Wertschätzung ist auch durch den Perspektivenwechsel gewachsen: „In Österreich gibt es eine gute Infrastruktur. Man braucht nicht einmal ein Auto.“ Aber noch wichtiger ist für ihn der Gemeinschaftssinn. „Es tut gut, in einer Gesellschaft zu leben, in der Zusammenhalt mehr zählt als Konsum. Das spüre ich auch im Caritas-Seniorenwohnhaus: Wie wichtig es ist, die menschliche Beziehungen zu pflegen.“

Seine österreichischen Wurzeln begleiten ihn nun täglich. „Ich freue mich jedes Mal, wenn ich meinen Nachnamen irgendwo lese – als Straßenname oder an einer Türklingel.“

Nach dem Zivildienst möchte Nico Brandelmayr in Wels Elektrotechnik studieren. Doch der Dienst im Seniorenwohnhaus hat auch Spuren hinterlassen: „Ich kann mir gut vorstellen, später einmal in der Altenpflege zu arbeiten. Nicht jetzt. Aber irgendwann.“

Informationen zu Zivildienststellen in der Caritas OÖ: www.caritas-ooe.at/zivildienst


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